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Opfer des Missbrauchsskandals : "Ich bin langsam am Ende meiner Geduld"

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Das neue Gutachten zum Missbrauchskandal im Erzbistum Köln nennt Verantwortliche beim Namen. Reicht das den Betroffenen? Die Perspektive der Opfer bei ZDFheute live.

Auf diesen Tag haben viele Menschen jahrelang gewartet: Das neue Gutachten zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum Köln wird veröffentlicht. Darin werden 202 Beschuldigte und 314 Opfer von sexualisierter Gewalt ermittelt. Die Missbrauchsopfer waren überwiegend männlich und zum Zeitpunkt der Tat unter 14 Jahre alt.

Patrick Bauer ist einer von ihnen. Er war zehn Jahre alt, als er das erste Mal sexuell von einem Priester missbraucht wurde. Jahrelang vergriff sich der Geistliche am katholischen Internat in Bad Godesberg an Patrick Bauer. Bis heute leider er unter den Folgen dieser Tortur, sagte Bauer bei ZDFheute live.

Ich kriege nachts keine Luft mehr, weil ich denke, mein Mund ist voll.
Patrick Bauer, Missbrauchsopfer der Katholischen Kirche

Vom Missbrauchs- zum Aufklärungsskandal

Mittlerweile ist Patrick Bauer 51 Jahre alt. Doch seine Depressionen und Schlafstörungen werden wohl niemals aufhören. Bauer hat sich als Sprecher des Betroffenenbeirats in Köln engagiert - ist aber aus Protest zurückgetreten. Der Grund: Der Missbrauchsskandal habe sich in einen Aufklärungsskandal verwandelt.

Ein Jahr lang hatte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ein Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen zurückgehalten. Damals äußerte Woelki rechtliche Bedenken zu jenem ersten Gutachten. Dieses Verhalten löste eine Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum aus.

Bringt das neue Gutachten endlich Erlösung?

"Ich erwarte heute Namen, ich erwarte Fakten", sagte Patrick Bauer vorab. Hat sich diese Erwartung erfüllt? Ja, Kardinal Woelki habe Wort gehalten, sagte er anschließend. Namen seien gefallen, wenn auch längst nicht alle. Besonders die Entscheidung über die vorläufige Suspendierung von Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und des Leiters des Kölner Kirchengerichts, Günter Assenmacher, habe ihn überrascht.

Diese Deutlichkeit hat mich überrascht.
Patrick Bauer, Missbrauchsopfer der Katholischen Kirche

Dennoch habe er eine moralische und ethische Bewertung der Fälle vermisst. Die Aufarbeitung könne "nur der Anfang sein", betonte Patrick Bauer nach der Vorstellung des Gutachtens.

"Ich schäme mich"-Sätze reichen nicht mehr

Missbrauchsopfer Patrick Bauer kritisiert in erster Linie das System der katholischen Kirche. Schwurbelige Entschuldigungen und Sätze wie "Ich schäme mich" würden den Opfern des Missbrauchs nicht mehr reichen. "Meine Forderung ist, dass das System Kirche sich verändert. Dass wir Machtinseln abschaffen. Dass wir das Machtgefälle innerhalb der katholischen Kirche verändern", so Bauer.

Auch in dem Gutachten wird von systembedingter Vertuschung gesprochen. Auf der Internetseite des Erzbistums Köln finden Sie das gesamte Gutachten.

Woelki-Gutachten zu Missbrauch im Bistum Köln

Missbrauchsgutachten in Köln - Kardinal Woelkis Stunde der Wahrheit 

Wer trägt im Erzbistum Köln Verantwortung für sexuellen Missbrauch? Kardinal Woelki hat heute das lange erwartete Gutachten vorgestellt. Und es gab direkt Konsequenzen.

von Ina Baltes
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