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FAQ

Artikel gegen Kindesmissbrauch - Papst verschärft kirchliches Strafrecht

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Zwölf Jahre hat der Vatikan dafür gebraucht - jetzt steht die Reform des kirchlichen Strafrechts: Es wird schärfer und präziser, vor allem bei sexuellem Missbrauch.

Nebelschwaden ziehen über die Kuppel des Petersdoms in Rom (Italien) aufgenommen am 19.02.2020
Vor dem Hintergrund von Missbrauchs- und Finanzskandalen hat der Papst das kirchliche Strafrecht reformiert.
Quelle: AP

Papst Franziskus hat das vatikanische Strafrecht verschärft und klarere Regelungen geschaffen, unter anderem wird es um einen Artikel gegen Kindesmissbrauch von Priestern ergänzt. Dies hatten Pädophilie-Opfer seit langem gefordert. Die Änderungen treten am 8. Dezember mit Beginn des neuen Kirchenjahres in Kraft. Wichtige Fragen und Antworten zum neuen Kirchen-Strafrecht:

Warum hat die katholische Kirche ein eigenes Strafrecht?

Wie die meisten Religionsgemeinschaften hat auch die katholische Kirche ein eigenes Strafrecht, das ergänzend zum weltlichen Strafrecht angewendet wird. Es ist Teil des weltweiten katholischen Kirchenrechts (universales Kirchenrecht), das im "Codex iuris canonici" (CIC) niedergeschrieben ist. Er trat 1983 in Kraft. In den einzelnen Ländern können die Bischöfe aber auch Spezialgesetze in Kraft setzen.

Welche Strafen kann die Kirche verhängen?

Anders als staatliche Gerichte kann ein Kirchengericht keine Haftstrafen verhängen. Verhängt werden "Beugestrafen", die nach Reue und Umkehr des Täters wieder aufgehoben werden müssen. Höchststrafe ist der zeitweise Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft, die Exkommunikation. Ferner gibt es Sühnestrafen, die zeitlich befristet oder für immer verhängt werden können. Bei Geistlichen ist die Höchststrafe die unwiderrufliche Entfernung aus dem Klerikerstand.

Was ändert sich in Bezug auf sexuellen Missbrauch?

Erstmals wird der sexuelle Missbrauch von Minderjährigen als eine Straftat gegen Leben, Würde und Freiheit des Menschen benannt und nicht mehr als Verstoß gegen den Zölibat, also die Pflicht der Priester zum ehelosen Leben. Missbrauch steht nun im selben Kapitel wie Mord, Vergewaltigung und Abtreibung. Die Höchststrafe für Geistliche bleibt die Entlassung aus dem Klerikerstand.

Neu ist, dass auch kirchliche Angestellte oder Laien in Ehrenämtern wegen Missbrauchs kirchenrechtlich bestraft werden können. Anders als im weltlichen Strafrecht gibt es außerdem nun in der katholischen Kirche bei sexuellem Missbrauch keine Verjährungsfristen mehr.

Das Bistum Münster hatte eine Studie zur Aufklärung von Missbrauch der katholischen Kirche in Auftrag gegeben. Die Forscher*innen sprechen von Kontroll- und Leistungsversagen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Welche sonstigen Neuerungen gibt es?

  • Die Bischöfe werden erstmals rechtlich verpflichtet, das Wohl der Gläubigen durch die Anwendung von Strafgesetzen zu schützen.
  • Eine Neuerung gibt es auch beim Kirchenvermögen: Die widerrechtliche Aneignung (auch durch einen Bischof) ist nun ebenso strafbar wie die Veräußerung von Kirchenbesitz ohne die vorgeschriebene Beratung, Zustimmung oder Erlaubnis.
  • Ebenfalls neu ist ein erweiterter Straftatbestand der Korruption, der im Höchstfall zur Entlassung aus dem Amt führen kann. Neu geregelt sind außerdem Geldstrafen und Schadensersatzzahlungen für Kleriker und andere kirchliche Angestellte.

Was bedeutet das Verbot der Frauenweihe?

Die Verbote sind nicht neu, stehen jetzt nur im Codex. Sollte das kirchliche Lehramt aber irgendwann feststellen, dass eine Weihe für Frauen möglich ist, etwa als Diakonin, würde das Strafrecht entsprechend geändert. Das Verbot der Sakramentenspendung an jene, denen der Empfang verboten ist, gilt nur im Fall eines formalen rechtlichen Urteils. Die Frage der Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen und Nicht-Katholiken dagegen ist eine moralische und seelsorgliche.

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