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Die Ungeduld der Katholiken wächst

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Laiengremium ZdK berät - Die Ungeduld der Katholiken wächst

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Interne Reformen stocken und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals kommt nur mühsam voran. Die katholischen Laien erhöhen den Druck auf die Bischöfe und den Vatikan.

Archiv: Im Gegenlicht und vor wolkenverhangenem Himmel ist die Kirchturmspitze des Doms mit Kreuz in Osnabrück am 18.05.2008 zu sehen.
Quelle: dpa

"Die neuen Kölner Wirren" haben bei der Herbstvollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) am Freitag die Tagesordnung durcheinandergewirbelt. Das oberste katholische Laiengremium in Deutschland befasste sich bei seiner digitalen Konferenz ausführlich mit der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche.

Sie forderten mehr Transparenz und Konsequenz bei der Aufarbeitung. Das Erzbistum Köln hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben mit dem Ziel, dieses zu veröffentlichen und dabei auch Verantwortliche für Missbrauch und Vertuschung zu benennen. Mit dem Verweis auf methodische Mängel verweigert das Erzbistum allerdings die Veröffentlichung.

Vorwurf der Vertuschung

Im Kontext der Debatte über das Gutachten sieht sich der frühere Personalchef des Erzbistums Köln und heutige Hamburger Erzbischof Stephan Heße mit Vertuschungsvorwürfen konfrontiert. Er weist diese zurück. In einer Erklärung forderten die katholischen Laien am Freitag die Bischöfe und andere Leitungspersonen auf, Verantwortung zu übernehmen und zu strukturellen Veränderungen bereit zu sein. ZdK-Präsident Thomas Sternberg verlangte eine unabhängige "interdisziplinäre Aufarbeitung" des Missbrauchsskandals, an dem neben Juristen etwa auch Historiker beteiligt werden.

Die Bistümer Köln und Aachen hatten in diesem Jahr Berichte zu sexuellem Missbrauch in den eigenen Reihen angekündigt. Aachen legte die Untersuchung nun vor. In Köln sollen die Ergebnisse doch nicht veröffentlicht werden. Das wirft Fragen auf.

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Die innerkirchlichen Reformen waren ein zweiter Schwerpunkt bei den Debatten. Mit hohen Erwartungen startete im Februar der Synodale Weg, ein Prozess, bei dem Bischöfe und katholische Laien über Veränderungen im Machtgefüge der Kirche, bei der Sexualmoral, dem Zölibat und der Rolle der Frau in der Kirche diskutieren. Mittlerweile hat sich bei vielen Beteiligten eine große Ernüchterung eingestellt. Nach Ansicht von ZdK-Mitglied Andrea Heim gibt es "einen Rückschlag nach dem anderen, einen Schlag ins Gesicht nach dem anderen". Als Beispiele nannte sie die Vorgänge im Erzbistum Köln, aber auch den ständigen Gegenwind aus dem Vatikan.

"Synodaler Weg" ist mühsam

Im Sommer veröffentlichte der Vatikan ein Papier, dass die Zentralität des Priesters bei der Leitung von Pfarreien betonte. Von kollegialer und partizipativer Verantwortung war dort nicht die Rede. Im Herbst wurde der deutschen Initiative einer vorsichtigen Öffnung des Empfangs der Eucharistie für evangelische Christen aus Rom eine Absage erteilt. Den Wunsch, dass Bischöfe und Laien gemeinsam mit den römischen Stellen über die Vorgänge diskutieren, lehnte der Vatikan zunächst ab. Nach einem Gespräch Roms mit Vertretern der Bischofskonferenz in der vergangenen Woche soll es in Kürze doch noch ein gemeinsames Gespräch geben. ZdK-Präsident Sternberg zeigte sich am Freitag erfreut über das Angebot.

Unterdessen kommt der Synodale Weg coronabedingt ins Stocken. Die zweite Vollversammlung Ende September musste durch Regionalkonferenzen ersetzt werden, auch der nächste Termin Anfang Februar wurde bereits abgesagt. Zwar arbeiten die Foren zu den Themen Macht, Frauen, Sexualität und priesterliche Lebensform digital weiter. Doch fehlt eine umfassende Debatte über die dort erarbeiteten Positionen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass es durch den Prozess zu Veränderungen in der Kirche in Deutschland kommen werde.

Frust und Ungeduld

Die Debatten bei der Konferenz des Laienkomittes haben gezeigt, dass die Ungeduld der Gläubigen wächst, der Druck auf die Bischöfe ebenso. Die Debatten um die Missbrauchsaufarbeitung werfen die Bemühungen, Vertrauen zurückzugewinnen, immer wieder zurück und führen zu immer größerem Frust bei den kirchlich Engagierten.

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