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Resistente Keime bei Discounter-Geflügel

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Untersuchung deckt auf - Resistente Keime bei Discounter-Geflügel

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Probekäufe bei den zwei Discountern Aldi-Nord und Lidl haben in fünf europäischen Ländern ergeben: 51 Prozent der Hähnchenfleischproben sind mit resistenten Keimen belastet.

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Die aktuelle Untersuchung im Auftrag der Umweltorganisation Germanwatch, die dem ZDF-Magazin Frontal 21 vorliegt, zeigt außerdem: 35 Prozent der untersuchten Hähnchen war mit Keimen belastet, die gegen sogenannte Reserve-Antibiotika resistent sind. Auf diese Notfall-Antibiotika sind kranke Menschen angewiesen, wenn andere Medikamente versagen. Germanwatch hatte in Supermärkten in Deutschland, Frankreich, Polen, Spanien und den Niederlanden Geflügelfleisch gekauft und 165 Proben in einem Labor der Universität Bochum untersuchen lassen.

"Die hohen Resistenzraten besonders gegen Reserveantibiotika haben uns überrascht und schockiert", sagte Reinhild Benning von Germanwatch. "Antibiotikaresistenzen sind ein enormes Gesundheitsrisiko für Menschen." Der massive Antibiotikaeinsatz in der konventionellen Tierhaltung, sei neben der Ansteckung in Krankenhäusern und nicht fachgerechter Anwendung von Antibiotika einer der Hauptgründe für die Zunahme der Resistenzen, sagte Benning.

Hähnchenfleisch von "Wiesenhof" mit MRSA-Belastungen

Aldi-Nord und Lidlverkaufen Fleisch des deutschen Geflügelkonzerns PHW vor allem unter der Marke "Wiesenhof". Bei Geflügelfleisch von PHW wurden in 59 Prozent aller Proben antibiotikaresistente Erreger gefunden. 25 Prozent trugen dabei den als sogenannten Krankenhauskeim bekannten Erreger MRSA in sich. In Frankreich gekauftes Hühnerfleisch war in 45 Prozent der Fälle mit multiresistenten Keimen belastet. Sie stammen vom Hersteller LDC, der die Marken "Le Gaulois" und "Maitre Coq" vertreibt. In den Niederlanden war jede dritte Hähnchenfleischprobe mit resistenten Keimen belastet. Die Proben stammen dort von Fleisch der Plukon-Gruppe und den Marken "Friki" und "Stolle".

Die Discounter erklären auf Nachfrage, dass sie nicht für die Haltung und Aufzucht des Geflügels verantwortlich seien. Lidl und Aldi-Nord verweisen auf ständige Qualitätskontrollen, die die Einhaltung hoher Standards gewährleisten sollen. Und Aldi Niederlande versichert: "Unter keinen Umständen wollen wir Produkte verkaufen, die ein Risiko für die Volksgesundheit darstellen. Unsere Lieferanten führen regelmäßige Kontrollen durch." Aldi Frankreich, Aldi und Lidl Polen sowie Lidl-Niederlande antworten nicht auf Anfragen von Frontal21.

Deutscher Geflügelverband verteidigt Antibiotika-Einsatz

Für die deutschen Produzenten verteidigt der Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft den Einsatz von Antibiotika in der Geflügelmast. "Das reine Vorkommen von Keimen auf Lebensmitteln sagt noch nichts über die gesundheitliche Bedenklichkeit für den Verbraucher aus", heißt es in einer Stellungnahme des ZDG. Der Verzehr von Geflügelfleisch sei bei Einhaltung der gängigen Regeln der Küchenhygiene unbedenklich. Die deutsche Geflügelwirtschaft habe in den vergangenen Jahren den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast spürbar gesenkt. Dies gelte auch für Reserveantibiotika. "Trotz aller Minimierungsstrategien wird eine kontinuierliche weitere Reduzierung bis auf Null aber nicht möglich sein." Eine Behandlung mit Antibiotika müsse aus Tierschutzgründen weiter erlaubt sein, damit erkrankte Tiere nicht leiden.

In Europa sterben jährlich etwa 33.000 Menschen an antibiotikaresitenten Keimen. Und es werden immer mehr. Wer ist dafür verantwortlich?

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EU-Kommission will den Einsatz von Reserveantibiotika verbieten

Die EU-Kommission hatte 2018 bereits entschieden, die Gabe von sogenannten Reserveantibiotika in der Landwirtschaft künftig zu verbieten und den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. Tatsächlich sank in Deutschland bei der Rinder- und Schweinemast der Antibiotikaeinsatz zwischen 2014 und 2017 um 50 Prozent. In der Geflügelzucht waren es laut dem Bundesministerium für Landwirtschaft nur um ein Prozent.

In einem vertraulichen Gesprächsvermerk des Bundeslandwirtschaftsministeriums über die Strategie zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes, der Frontal 21 vorliegt, kritisiert Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) die Haltung der deutschen Geflügelindustrie. Wörtlich heißt es im Vermerk: "Sie laufe da vor eine Wand." Den Konflikt mit der Geflügelwirtschaft hat Julia Klöckner im Frontal 21-Interview bestätigt. "Das Ganze war nicht sehr dynamisch nach vorne, lösungsorientiert." Weiter sagte die Ministerin: "Das will ich wirklich ändern. 40 Prozent Reserveantibiotika-Einsatz, das ist schlichtweg zu hoch und deshalb müssen wir an die Haltungsbedingungen ran!"  

Mehr dazu am 27. Oktober 2020 um 21 Uhr auch bei Frontal 21 im ZDF.

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