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Kinder verklagen 33 Länder - auch Deutschland

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Klimapolitik vor Gericht - Kinder verklagen 33 Länder - auch Deutschland

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Das gab es noch nie: Sechs Kinder aus Portugal klagen gegen die Klimapolitik von Deutschland und 32 weiteren Ländern.

Martim, Catarina, Claudia und Mariana am 03.09.2020 in Portugal
Kinder und Jugendliche aus Portugal haben Deutschland und 32 weitere Länder wegen des Klimawandels verklagt
Quelle: dpa

Mariana ist erst acht Jahre alt, aber die junge Portugiesin nimmt es in ihrem Kampf um eine bessere Zukunft für ihre Generation sogar mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf. Wegen des Klimawandels verklagte sie am Donnerstag Deutschland und 32 weitere Länder beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg. Mitkläger sind zwei ältere Geschwister des Mädchens sowie drei Freunde.

"Große Angst" vor Folgen des Klimawandels

"Ich habe große Angst davor, auf einem kranken Planeten leben zu müssen, wenn nichts (gegen den Klimawandel) getan wird", sagt Mariana. Der Tropfen, der das Fass für die sechs jungen Portugiesen zum Überlaufen brachte, waren die verheerenden Brände von 2017 in ihrem Heimatland, bei denen 120 Menschen ums Leben kamen und riesige Waldgebiete zerstört wurden.

Wir haben die Folgen aus nächster Nähe erlebt, und ich habe gemerkt, wie dringend man handeln muss, um den Klimawandel zu stoppen.
Mariana, Klimaaktivistin
Ausgetrocknetes Flussbett der Loire

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Wissenschaftler hätten bestätigt, dass der Klimawandel eine Rolle bei dieser Katastrophe gespielt habe, erklärt die Nichtregierungsorganisation Global Legal Action Network (GLAN), die die jungen Aktivisten beim Erstellen und Einreichen der Klageschrift unterstützte.

"Zwerge, die gegen Riesen kämpfen"

Wenn alles so bleibt wie bisher, sagen Prognosen einen Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperaturen um drei Grad bis zum Jahr 2100 voraus. Mariana wäre dann 88 Jahre alt. Für Portugal werden zu diesem Zeitpunkt Hitzewellen mit Temperaturen von über 40 Grad erwartet, die länger als einen Monat anhalten könnten.

Umso wütender - und traurig zugleich - macht Mariana Agostinho die Tatenlosigkeit der meisten Erwachsenen. Ihr Bruder Martim (17) ist dennoch optimistisch. "Vielleicht sind wir wie Zwerge, die gegen Riesen kämpfen", sagt er. "Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Regierungen nur so viel Macht haben, wie wir ihnen geben."

Den 27 EU-Staaten sowie Großbritannien, Norwegen, Russland, der Türkei, der Schweiz und der Ukraine werfen die jungen Portugiesen in der Klage vor, die Klimakrise verschärft zu haben und damit die Zukunft junger Generationen aufs Spiel zu setzen.

Ziel: EU-weite Verpflichtung zur Emissionsminderung

GLAN bezeichnet die Klimaklage in Straßburg als "beispiellos". Normalerweise müsse eine Person vor einem inländischen Gericht klagen, bevor sie einen Fall vor den EGMR bringen kann. Im Falle des Kampfes gegen den grenzübergreifend verursachten Klimawandel sei es für eine Gruppe von Heranwachsenden aber nicht möglich, ihr Anliegen in 33 verschiedenen Ländern vorzubringen und jeweils bis zu deren höchsten nationalen Gerichten zu verfolgen.

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Der Hauptvorwurf der Kläger lautet: Es fehle ein global vereinbarter Ansatz zur Lastenteilung bei der Bekämpfung des Klimawandels. Das schaffe Unsicherheit über den "fairen Anteil" eines jeden Staates, die von manchen Ländern genutzt werde, um "eigennützige Interpretationen zu wählen". Der EGMR solle erzwingen, dass die EU sich als Ganzes verpflichtet, ihre Emissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent zu reduzieren.

Dank an Merkel - Bemühungen aber ungenügend

André (12) aus Lissabon, der mit seiner Schwester Sofia Oliveira (15) bei der Klägergruppe dabei ist meint, man müsse "schon in einer Phantasiewelt leben, um keine Angst zu haben". Was er Merkel gern persönlich sagen würde? "Ich würde mich bei ihr für all die Arbeit und Mühe bedanken - würde ihr dann aber sagen, dass nicht genug getan wird und uns die Zeit davonläuft."

Von Emilio Rappold, dpa

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