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Kinderkliniken in Not - Versorgungsengpass bei kleinsten Patienten

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Der Kindermedizin in Deutschland fehlt Personal und Geld. Seit 30 Jahren sind Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin kontinuierlich geschlossen worden.

Kind bekommt Infusion
Immer mehr Kinderstationen machen dicht - trotz steigender Behandlungszahlen.
Quelle: imago

Vor 30 Jahren gab es noch 440 Abteilungen für die Kinder- und Jugendmedizin, 2018 waren es nur noch 339. Auch ausgebildetes Pflegepersonal für Kinder fehlt.

Zu wenige Pflegekräfte in Kindermedizin

Die Ausbildung dauert lange, die Bezahlung ist schlecht. Annegret Heseman, Pflegedirektorin in der Kinderklinik Auf der Bult, kritisiert, dass das Gehalt nach einer langen Ausbildung zu einer Intensivfachkraft viel zu niedrig sei.

Die Ausbildung zur Intensivfachkraft dauere sieben Jahre, die Bezahlung sei mit etwa 3.500 Euro brutto zu gering.

Fallpauschalen decken Kosten nicht

Die Kinderkliniken leiden zudem unter chronischem Geldmangel. Grund sind die Fallpauschalen: Für jede Behandlung gibt es genau einen Geldbetrag.

Dabei werden die kleinen Patienten genauso abgerechnet wie Erwachsene, obwohl die Behandlung von Kindern viel mehr Zeit und Personal beansprucht. Allein mit den Pauschalen sind die Kosten deshalb nicht gedeckt.

Kranke Kinder schlecht versorgt

Beitragslänge:
6 min
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Kinderkliniken schreiben rote Zahlen

Fast alle Kinderkliniken in Deutschland schreiben rote Zahlen. Immer mehr Kinderstationen machen dicht - trotz steigender Behandlungszahlen. Agnes Genewein, Vorständin der Kinderklinik Auf der Bult, fordert, dass man die Kindermedizin über ein eigenes Tarifsystem regeln müsse.

Ihre Kinderklinik bekommt zusätzlich Spenden - deshalb reiche das Geld gerade so, um den Betrieb am Laufen zu halten.

Pflegestellen nicht besetzt

Im Uniklinikum Münster werden auf der Intensivstation schwerstkranke Kinder behandelt. Eigentlich hätten sie hier mehr Platz und Betten zur Verfügung für Patienten. Aber das Personal fehlt, um die Kinder zu betreuen.

Rund ein Drittel der Pflegestellen auf der Kinderintensivstation sind nicht besetzt. Klinikleiter Prof. Dr. Heymut Omran musste allein im vergangenen Jahr 656 Kinder abweisen, weil er sie nicht versorgen lassen konnte.

Forderung: Mehr Geld, mehr Personal

Das Bundesgesundheitsministerium erklärt Frontal 21 auf Anfrage, dass die Krankenhäuser einen Sicherstellungszuschlag vereinbaren können, wenn sie wegen der Fallpauschalen ein Defizit aufweisen. Diese Zuschläge gibt es aber nur dann, wenn eine Klinik Verluste macht, weil sie nicht ausgelastet ist. Viele Kinderkliniken sind jedoch überlastet und schreiben trotzdem jedes Jahr Millionenverluste.

Die Kinderkliniken fordern mehr Geld und mehr Personal. Nur so kann der Versorgungsengpass für schwer erkrankte Kinder behoben werden.

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