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Deutsch-polnische Krebsstation - Wenn Kinder gegen Krebs kämpfen

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Die siebenjährige Kaja aus Warschau kämpft schon ihr halbes Leben gegen Krebs. Nun ist sie im deutsch-polnischen Kinderkrebszentrum in Greifswald - und hofft hier auf Heilung.

Die siebenjährige Kaja aus Warschau ist müde und erschöpft, schlimmes Heimweh plagt sie außerdem. Fast ihr gesamtes Leben ist sie schon im Krankenhaus. Seit acht Monaten wird sie auf der Kinderkrebsstation der Uniklinik in Greifswald behandelt. Hier hat sie in den vergangenen Wochen eine Knochenmarkspende erhalten. Doch ihr Körper will die frischen Stammzellen ihres Vaters nicht annehmen. "Mir ist die ganze Zeit einfach übel", sagt sie. Kaja leidet an einem aggressiven, bösartigen Tumor im Nervengewebe - dem sogenannten Neuroblastom.

Was ist ein Neuroblastom und wieviele Patienten betrifft es?

Das Neuroblastom ist ein aggressiver, bösartiger Tumor, der im Nervengewebe entsteht. Von etwa 1.800 Jugendlichen und Kindern unter 15 Jahren, die jährlich in Deutschland an Krebs erkranken, sind etwa 130 von dieser sehr schweren Form betroffen. "Es ist leider die Diagnose bei Kindern mit Krebserkrankung, die immer noch mit der schlimmsten Prognose einhergeht. Die meisten Kinder sterben daran“, sagt Professor Holger Lode, Leiter der Kinderkrebsstation der Uniklinik in Greifswald. Die Diagnose war für Kajas Mutter, Katarzyna, ein Schock: "Der Ultraschall zeigte dann, sie hat ein Geschwulst im Bauch."

Ich konnte es nicht glauben. Sie war doch erst zwei Jahre alt und wir dachten sie hätte einen Mageninfekt oder sich beim Spielen gestoßen.
Katarzyna, Kajas Mutter

Operationen, Chemotherapie, Knochenmarksspende. Vieles haben die Ärzte bei Kaja versucht. Trotzdem hat das Mädchen zwei Rückfälle erlitten. In ihrer Heimat Polen gab es keine weiteren Therapiemöglichkeiten mehr. In Greifswald versuchen es die Experten mit einer speziellen Immuntherapie: "Wir haben einen Botenstoff des Immunsystems, den sogenannten Antikörper. Mit dem wir die Neuroblastom-Zellen im Körper gezielt markieren können. Und wenn das stattfindet, wird das Immunsystem gegen den Tumor aktiviert", so Professor Lode. Der Professor erhofft sich, durch die neue Therapieform jährlich bis zu 15 Kinder mehr in Greifswald heilen zu können. 

Wie man Krebs behandeln kann:

Aufbau einer deutsch-polnischen Kinderkrebsstation

Die Immuntherapie ist in Polen noch in den Anfängen. Deshalb wollen polnische Ärzte jetzt vom deutschen Know-How profitieren. Die Uniklinik Greifswald und Kliniken in Stettin und Krakau arbeiten an einer grenzüberschreitenden Kinderkrebsstation: "Das Projekt sieht vor, dass wir Lehrpläne und Fortbildungen für Studenten, Pfleger und Ärzte in der Ausbildung anbieten. Das heißt, sie sollen in die Lage versetzt werden, diese Krankheiten bereits sehr früh zu erkennen", sagt Professor Tomasz Urasiński vom Klinikum Stettin.

Je früher die Erkenntnis kommt, desto besser sind die Heilungschancen.
Professor Tomasz Urasiński, Klinikum Stettin.

Aber auch die deutschen Ärzte können Vieles von ihren Nachbarn lernen: "Die polnischen Kollegen haben im Bereich der Diagnostik 'ne hohe Kompetenz, die wir auch von der anderen Seite bekommen können. Außerdem haben sie viel Erfahrung in telemedizinischen Netzwerken und im Aufbau und im Betrieb dieser Netzwerke", bekräftigt Professor Lode. Ärzte und Patienten können zukünftig über Videokonferenzen beraten, welche Therapie am sinnvollsten ist. Etwa zwei Millionen Euro kostet der Aufbau der gemeinsamen Kinderkrebsstation.

Alles für die Heilung kleiner Patienten wie Kaja. Mama Katarzyna gibt die Hoffnung auf jeden Fall nicht auf: "Als Mutter kann ich mir nicht vorstellen, dass ich anders denken könnte." Und auch Kaja schaut hoch, lächelt und formt mit den Händen ein Herz. Auch sie hat noch genug Kraft, um weiterzukämpfen. 

das rathaus (m) am marktplatz in greifswald (mecklenburg-vorpommern)

ZDF in… - Vier Wochen in Greifswald 

Ein ZDF-Team reist nach Greifswald und will wissen, was die Menschen dort bewegt. Vier Wochen lang berichtet es aus der Hansestadt im Norden Mecklenburg-Vorpommerns.

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