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Viele 25-Jährige wohnen daheim - Hotel Mama bleibt beliebt

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In Deutschland wohnen viele junge Erwachsene noch bei ihren Eltern. Dabei halten es die jungen Männer länger aus, als die jungen Frauen.

Viele junge Erwachsene wohnen noch bei den Eltern. Symbolbild
Viele junge Erwachsene wohnen noch bei den Eltern. Symbolbild
Quelle: Silvia Marks/dpa-tmn/dpa/Archivbild

Mehr als jeder vierte junge Erwachsene wohnt in Deutschland mit 25 Jahren noch bei den Eltern. Dabei bleiben Söhne länger zuhause als Töchter, wie das Statistische Bundesamt an diesem Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. 34 Prozent der 25-jährigen Männer lebten 2019 noch im Elternhaus, bei den Töchtern waren es 21 Prozent.

Mädchen ziehen schneller aus

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern bleibt auch in höherem Alter bestehen: Mit 30 Jahren wohnten noch 13 Prozent der ledigen Söhne im Elternhaushalt, aber nur fünf Prozent der Töchter. Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann sieht darin einen Beleg, "dass die Emanzipation der Männer ins Stocken geraten ist". Auch Untersuchungen wie die Shell Jugendstudie belegten diesen Trend, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Um das 20. Lebensjahr herum geht die Schere auseinander."

Die jungen Frauen erzielen die besseren Bildungsergebnisse. Sie sind agiler im Umgang mit ihren Lebensherausforderungen. Sie sind selbstständiger und selbstbewusster und wollen sich deswegen früher von ihren Eltern lösen.
Jugendforscher Klaus Hurrelmann
Infografik: Junge Frauen ziehen früher von zu Hause aus

Bei jungen Männer sei eher der gegenteilige Trend zu beobachten:

Sie (die jungen Männer) genießen das Hotel Mama so lange sie können. Das ist angenehm, das ist bequem. Sie wollen in Deckung bleiben, so lange es geht.
Jugendforscher Klaus Hurrelmann

Dass Männer so spät von zu Hause ausziehen, ist für Hurrelmann "auch ein Zeichen von Irritation, dass Frauen so stark sind".

Kaum Veränderungen zu beobachten

Im Durchschnitt checkten Söhne 2019 mit 24,4 Jahren aus dem Hotel Mama aus, Töchter mit 22,9 Jahren. In Summe ist die Tendenz leicht fallend: Nach Angaben des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) sank das geschätzte durchschnittliche Alter beim Auszug in Deutschland zwischen 2010 und 2019 von 24,1 auf 23,7 Jahre.

"Das Auszugsverhalten junger Menschen hat sich in den vergangenen 20 Jahren kaum verändert", berichteten die Statistiker mit Blick auf die Zeitreihe: Im Jahr 2000 lebten rund 30 Prozent der 25-Jährigen mit ihren Eltern unter einem Dach, 2019 waren es - beide Geschlechter zusammengerechnet - 28 Prozent.

Am schnellsten ziehen die Schweden aus

Wann Kinder ausziehen, ist in Europa sehr unterschiedlich: Besonders früh werden Skandinavier flügge. Mit 17,8 Jahren hatte Schweden 2019 das niedrigste Auszugsalter. Auch in Dänemark (21,1 Jahre) und Finnland (21,8 Jahre) verlassen Kinder das Elternhaus vergleichsweise früh. Anders in den süd- und osteuropäischen Ländern: Am spätesten zogen Kinder mit 31,8 Jahren in Kroatien aus. Danach folgen Slowakei (30,9), Italien (30,1) und Bulgarien (30,0).Als Grund nennt das Statistische Bundesamt "unterschiedliche finanzielle und kulturelle Rahmenbedingungen" in den EU-Ländern.

Eurostat sieht zudem einen Zusammenhang mit der Jugendarbeitslosigkeit in den jeweiligen Ländern. Eines aber ist in fast allen EU-Ländern gleich: Töchter ziehen früher aus als Söhne - einzige Ausnahme bildet Luxemburg.

Auf dem Land bleiben Kinder länger daheim

In Deutschland fällt noch ein anderer Unterschied auf: "In den ländlichen Gebieten ist der Anteil der 20- bis 25-Jährigen, die noch bei den Eltern leben, deutlich höher als in den Städten", berichtete das Bundesamt. In Niedersachsen wohnte fast jeder Zweite in dieser Altersgruppe noch im elterlichen Heim, im angrenzenden Hamburg war es nur etwa jeder Dritte. Ähnlich in den östlichen Bundesländern: In Brandenburg lag der Anteil bei 47 Prozent, in Berlin bei 36 Prozent.

Hurrelmann findet das "überraschend": Zu erwarten wäre, dass hohe Mieten und ein angespannter Wohnungsmarkt Jugendliche in der Stadt dazu bewegen, zu Hause wohnen zu bleiben. Die Forschung habe keine Befunde dazu, sagt Hurrelmann. Eine mögliche Erklärung sei, "dass Bindungen und Gewohnheiten eventuell auf dem Land stärker sind".

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