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Missbrauchsfall Bergisch Gladbach vor Gericht

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Verstörende Anklageschrift - Missbrauchsfall Bergisch Gladbach vor Gericht

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In Köln hat der Prozess gegen einen Bergisch Gladbacher begonnen, der seine eigene Tochter Dutzende Male missbraucht haben und Teil eines Netzwerks von Pädo-Kriminellen sein soll.

Rund eine Million Kinder in Deutschland, schätzen Experten, sind Opfer von sexualisierter Gewalt. Laut Statistik in jeder Schulklasse bis zu zwei Kinder. Sie leiden still. Und ihr Umfeld unternimmt zu selten etwas, dabei sind die Signale oft deutlich.

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3 min
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Als der Angeklagte den Saal 210 des Kölner Landgerichts betritt, zittert die Hand, mit der er sich einen roten Schnellhefter vor das Gesicht hält. Die Bühne, die ihn am Montagmorgen erwartet, ist ganz anders, als die Welt, in der er seine Taten begangen haben soll: Es herrscht maximale Öffentlichkeit. Eine Traube aus Fotografen und Kameramännern erwartet Jörg L. - ein Andrang, den selbst das hartgesottene Kölner Gericht nicht oft erlebt. Was er getan haben soll, wird ihm in einer mehr als einstündigen Anklage referiert: dutzendhafter Missbrauch seiner erst 2017 geborenen Tochter. Im Geheimen. Dann, wenn seine Frau fort und er alleine mit dem Mädchen gewesen sei. Am Wickeltisch, auf dem Ehebett, im Planschbecken.

Jörg L. steht stellvertretend für den sogenannten Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach, daher das große Interesse. Der Fall erstreckt sich mittlerweile auf ganz Deutschland - eine Durchsuchung bei dem Koch und Hotelfachmann im Herbst 2019 brachte ihn ins Rollen. Polizisten fanden riesige Mengen kinderpornografischen Materials. Und sie stießen auf digitale Kontakte zu anderen Männern, die in einer Parallelwelt im Netz Bilder und Videos von Kindesmissbrauch austauschen. Mittlerweile gehen Ermittler Spuren zu Tausenden Verdächtigen nach.

"Mama! Nein!": Verstörende Taten an Kindern

Ein weiterer Grund für die Bedeutung des Prozesses sind die massiven Vorwürfe gegen den 43-Jährigen. Insgesamt 79 Taten werden ihm zur Last gelegt. Die meisten betreffen den Missbrauch seiner sehr kleinen Tochter im Einfamilienhaus in Bergisch Gladbach, in dem die Familie gemeinsam lebte. Den Großteil der Taten soll er mit seinem Smartphone dokumentiert haben, um die Bilder und Videos später an gleichgesinnte Männer zu verschicken.

Staatsanwältin Clémence Bangert trägt Details vor, bei denen Beobachtern im Saal der Atem stockt. Etwa, wenn sie beschreibt, wie das Mädchen laut weinend die Worte "Mama! Nein!" und "Aua!" rief und sich wehrte, während der Vater ihre Gliedmaßen zurecht gedrückt habe, um den Missbrauch besser filmen zu können. Umso länger Bangert liest, desto verstörender wird es. Am Ende kommt sie zu Taten, die der Angeklagte gemeinsam mit einem seiner Chat-Partner begangen haben soll - der gemeinsame Missbrauch von anvertrauten Kindern, etwa in einer angemieteten Suite mit Whirlpool und Sauna.

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von Alexandra Hawlin

Umfangreiches Datenmaterial gesichert

Dass die Ermittler eine so umfassende Anklage verfassen konnten, liegt an dem umfangreichen Datenmaterial, das sie sicherstellen konnten - Bilder und Videos.

Es ist schon schwer erträglich.
Ulrich Bremer, Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft

Aber es gelte, professionell zu bleiben. In Köln hat sich eine Ermittlergruppe unter großer Belastung tief in die Szene eingegraben.

Angeklagter hilft, weitere Täter zu finden

Jörg L. soll bereits geholfen haben, Chat-Partner zu identifizieren. Am Montag erklärt er zudem, sich zu den Vorwürfen einlassen zu wollen. Dafür wird aber auf Antrag der Anwältin, die seine Frau und seine Tochter vertritt, die Öffentlichkeit aus dem Saal gebeten. Sie will das Mädchen schützen, wenn die vorgeworfenen Taten im Detail erörtert werden. Auch die Aussage der Mutter soll später ohne Presse erfolgen.

Oft sind die Täter keine Fremden: Bekannte, Verwandte, Nachbarn, Eltern. Die wenigsten landen vor Gericht. Kann man es Kindern zumuten, dort auszusagen?

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