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Kindesmissbrauch im Netz : "Dann steigen die Fallzahlen, aber was solls"

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Im Kampf gegen Kindesmissbrauch bedarf es mehr Ressourcen, sagt Cyberkriminologe Rüdiger. Man müsse akzeptieren, dass dadurch insgesamt die Fallzahlen in den Statistiken steigen.

Nach monatelangen Ermittlungen ist es der Polizei gelungen, eine der weltweit größten Kinderpornografie-Plattformen zu sprengen: Drei Männer wurden in Deutschland festgenommen, ein weiterer Tatverdächtiger in Paraguay gefasst, teilte das Bundeskriminalamt (BKA) mit.

Doch der Kampf gegen sexualisierte Gewalt und Kindesmissbrauch ist längst nicht vorbei. Was muss die Polizei tun, um Kinder besser zu schützen und den Opfern zu helfen? Und wie decken die Behörden eigentlich Täterinnen und Täter auf?

Was kann die Polizei überhaupt tun?

Insgesamt sei die Polizeipräsenz im Darknet zwar wesentlich höher als im sogenannten Clear-Web, erklärt Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger bei ZDFheute live. Allerdings dürfe man das gesamte Clear-Web nicht außer Acht lassen - denn vor allem in den Sozialen Medien und in Messenger-Diensten würde Cybergrooming tagtäglich stattfinden, so Rüdiger - und zwar grenzüberschreitend.

Welche Regeln und Strafen dabei in den unterschiedlichen Ländern gelten würden, sei den Täterinnen und Tätern allerdings egal. Deshalb fordert der Experte: "Wir sollten über eine Art digitale Weltgesellschaft diskutieren, die im Netz die Verantwortung auch zum Kampf gegen Kindesmissbrauch aufnimmt." Konkret würde dies bedeuten:

  • Gemeinsame Regeln
  • Gemeinsame Strukturen
  • Gemeinsame Ermittlungsmethoden und Kapazitäten

Insbesondere Fälle mit Hunderttausenden von Tätern könnten weder von einem einzigen Bundesland noch von einem einzigen Land aufgedeckt werden.

Ist die Polizei in Nordrhein-Westfalen aktiver?

Nordrhein-Westfalen würde genau das machen, was eigentlich alle machen müssten: Ressourcen investieren. Denn das große Problem sei es, die Täterinnen und Täter aus dem Dunkelfeld herauszuholen. Genau dafür müssten Ressourcen investiert werden, erklärt Rüdiger.

Gleichzeitig würde dies jedoch auch bedeuten: Wenn Polizei und Ressourcen in die Räume geschickt werden, wo die Täter unterwegs sind, führe dies nicht dazu, dass man weniger Fälle bekäme.

Im Gegenteil: "Es führt dazu, dass du mehr Fallzahlen kriegst. Dass du diese Fallkomplexe auflöst. Und mit jedem Fallkomplex hast du Verzweigungen zu immer neuen Tätern und immer neuen Strukturen."

Die Politiker sowie die Innenpolitik müssten akzeptieren, dass die Fallzahlen dadrurch in den Kriminalstatistiken insgesamt steigen würden - auch, wenn das schmerzhaft ist.

Aber es ist wichtig. Aus dem Dunkelfeld herausholen ins Hellfeld. Und dafür müssen Ressourcen bereitgestellt werden.
Thomas-Gabriel Rüdiger

Besteht die Angst, durch "zu intentives Schauen", die gesunkene Statistik wieder kaputt zu machen?

Aus kriminologischer Sicht gäbe es die sogenannte Präventivwirkung des Nichtwissens. Im Klartext bedeute das: Kein Staat sei in der Lage, das gesamte Dunkelfeld abzuarbeiten. Diese Ansätze seien erkennbar.

Doch dort, wo Ressourcen frei würden, müsste die Gesellschaft die Möglichkeiten einräumen, diese Kapazitäten ins Netz zu verlagern. Beispielsweise, indem manche, kleineren Delikte nicht mehr so verfolgt werden würden - sondern ein Augenmerk auf die schwereren Delikte gelegt wird.

Ja, dann steigen die Fallzahlen. Aber was soll's.
Thomas-Gabriel Rüdiger

Dies würde schließlich nur aus dem Grund passieren, weil die Politik es schaffen würde, die Täter dann aus dem Dunkelfeld herauszuholen - und dagegen vorzugehen.

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