ZDFheute

"Missbrauchstäter sind Meister der Täuschung"

Sie sind hier:

Missbrauchsfall Münster - "Missbrauchstäter sind Meister der Täuschung"

Datum:

Im Kindesmissbrauchsfall Münster wird bekannt: Eine Verdächtige arbeitete als Erzieherin. Täter hätten perfide Strategien, unentdeckt zu bleiben, sagt Johannes-Wilhelm Rörig.

Ermittlung in einer Gartenlaube in Münster zum Missbrauchsfall
Die Gartenlaube in Münster - einer der Tatorte des Haupttäters.
Quelle: dpa

Eine im Missbrauchsfall Münster als Tatverdächtige inhaftierte Frau hat bis zu ihrer Festnahme als Erzieherin in einem Kindergarten gearbeitet. "Die Leitung der Kita wurde von uns informiert", sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt der dpa. Derzeit gebe es aber keine Hinweise auf Taten der 45-Jährigen im Kindergarten. Ermittelt werde nur im familiären Umfeld der Frau.

Ihre Gartenlaube in Münster gilt derzeit als Haupttatort. Die Polizei hat drei Kinder als Opfer identifiziert. Sie sind fünf, zehn und zwölf Jahre alt. Elf Tatverdächtige wurden festgenommen, sieben Beschuldigte, darunter die 45-Jährige, befinden sich in Untersuchungshaft. Der Hauptbeschuldigte ist ihr Sohn, ein 27-jähriger IT-Experte aus Münster.

"Missbrauchstäter sind Meister der Täuschung"

Der Bundesbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs dringt auf eine konkrete Aufklärung. Die Frage sei, "ob wichtige Hinweise möglicherweise übersehen wurden und zum Beispiel deshalb der sexuelle Missbrauch nicht früher aufgedeckt wurde", sagte Johannes-Wilhelm Rörig der dpa.

Er schränkt aber ein, dass es für die zumeist sehr engagierten Beschäftigen der Jugendämter generell sehr viel schwerer sei, sexuellen Missbrauch von Kindern zu erkennen als zum Beispiel körperliche Misshandlungen oder Vernachlässigung. Rörig sagte:

Oft fehlen für sexuelle Gewalt erkennbare Indizien.

Kinder und auch Mitwissende aus dem sozialen Umfeld stünden oft unter einem enormen Schweigedruck. "Missbrauchstäter sind Meister der Täuschung. Ihre perfiden Strategien sind voll darauf ausgerichtet, ihr Umfeld zu verwirren, um unentdeckt zu bleiben", sagte Rörig.

Münster ist kein Einzelfall

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Der Fall in Münster zeichnet sich nach Auskunft der Ermittler auch durch seine hochprofessionelle technische Ausstattung zur Videoaufzeichnung und Datenverschlüsselung aus.

Rörig geht aber dennoch nicht von einem Einzelfall dieser Art aus. "Allein 2019 gab es mehr als 12.000 Ermittlungs- und Strafverfahren in Deutschland wegen sogenannter Kinderpornografie."

Missbrauchstäter im Netz seien den Ermittlungsbehörden technisch sehr oft voraus. Sie passten sich den Möglichkeiten, aber auch Aufdeckungsgefahren an und professionalisierten sich im Netz, sagte Rörig.

Reul: "Ich befürchte, wir sind noch nicht am Ende"

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erklärte am Samstagabend: "Das ist ein Sumpf", sagte er in der ARD. "Ich befürchte, wir sind noch nicht am Ende."

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat sich entsetzt über den Missbrauchsfall Münster geäußert und zur Wachsamkeit gegen Kindesmissbrauch aufgerufen. "Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft noch wachsamer sind, um frühzeitig Missbrauch erkennen und wirksam dagegen vorgehen zu können."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.