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Was wir über den Missbrauch in Münster wissen

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Schwerer Kindesmissbrauch - Was wir über den Missbrauch in Münster wissen

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Die Behörden ermitteln weiter in dem professionell verschleierten Netz von Kindesmissbrauch. Was wir über den erschütternden Fall von Münster wissen - und was nicht.

Nach Aufdeckung des schweren Kindesmissbrauchs steht die Polizei am Anfang der Ermittlungen und der Auswertung der Fälle. Es ist eine Herkulesaufgabe. Auch die Politik fordert ein höheres Strafmaß für Täter und Mittäter.

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Ermittler haben ein Pädophilen-Netzwerk aufgedeckt. In dessen Zentrum: ein 27-jähriger IT-Techniker aus Münster. Die Vorwürfe sind monströs. Die Videos und Fotos hätten erfahrene Kriminalbeamten an die "Grenzen des menschlich Erträglichen" gebracht, sagte der Polizeipräsident Münster am Samstag. Ein Überblick.

Was wir wissen:

  • Elf Tatverdächtige wurden festgenommen, sieben sitzen in Untersuchungshaft.
  • Der 27-jährige Hauptbeschuldigte ist IT-Techniker und vorbestraft - unter anderem wegen des Besitzes von Kinderpornografie.
  • Als Opfer wurden drei Jungen im Alter von fünf, zehn und zwölf Jahren identifiziert.
  • Die Mutter des Hauptbeschuldigten ist Erzieherin.

Was wir nicht wissen:

  • Wie groß das Netzwerk wirklich ist.
  • Ob und wie viele weitere Kinder Opfer geworden sind.
  • Ob Kinder, die mit der Mutter in ihrer Funktion als Erzieherin in Kontakt waren, ebenfalls zu Schaden gekommen sind.

Sebastian Fiedler vom Bund deutscher Kriminalbeamter erklärt, was sich bei Polizei und Justiz ändern müsste, um Kindesmissbrauch besser zu bekämpfen.

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Was ist über die Verdächtigen bekannt?

Der Hauptbeschuldigte ist ein 27-jähriger IT-Techniker aus Münster. Bei den weiteren Beschuldigten handelt es sich um dessen Mutter aus Münster sowie um Männer aus Staufenberg, Hannover, Schorfheide, Kassel und Köln. Dem 27-Jährigen werden 15 Taten zwischen November 2018 und Mai 2020 vorgeworfen - nur Tage, bevor die Polizei ihn festnehmen konnte.

Welche Rolle spielt die Mutter des Hauptverdächtigen?

Die 45-Jährige ist Erzieherin in einem Kindergarten in Münster. Sie hatte ihrem Sohn die Gartenlaube überlassen. Die Ermittler werfen ihr vor, mit Vorsatz Beihilfe zu den Missbrauchstaten geleistet zu haben. Ob Kinder, mit denen die Frau als Erzieherin Kontakt hatte, zu Schaden gekommen sind, ist noch nicht bekannt.

Die Polizei in Münster ist auf ein professionell verschleiertes Kindesmissbrauchsnetz gestoßen. Bundesweit sind elf Verdächtige festgenommen worden. Aber viele Fragen bleiben noch offen.

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Welche Rolle spielte die Gartenhütte?

Die Beamten machen die Gartenhütte bislang als Haupttatort aus. Die Kinder sollen dort teilweise von mehreren Männern sexuell missbraucht und dabei gefilmt worden sein. Die Hütte ist innen mit videoüberwachten Doppelstockbetten ausgestattet. Der 27-Jährige hatte einen Kellerraum in Münster zu einem Serverraum umgebaut. Er soll Taten aufgenommen und dann über das Darknet verbreitet haben.

Was ist über die Opfer bekannt?

Bei dem Zehnjährigen handelt es sich um den Sohn der Lebensgefährtin des 27-Jährigen. Der Fünfjährige sei der Sohn des Beschuldigten aus Staufenberg, der Zwölfjährige der Neffe des Beschuldigten aus Kassel. Die Kinder sollen vor den Taten betäubt worden sein.

Der "Nationale Rat gegen Kindesmissbrauch" nimmt seine Arbeit auf. Fachleute sprechen von 300.000 Fällen von Kindesmissbrauch pro Jahr, die Dunkelziffer liegt eklatant höher.

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Der Hauptbeschuldigte war wegen Kinderpornografie zweimal auf Bewährung verurteilt. Wie kann das sein?

Der 27-Jährige ist im Januar 2016 zu einer Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden und im Juni 2017 zu einer Freiheitsstrafe nach Erwachsenenstrafrecht, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wurde. Hier spielt eine Rolle, dass die Taten zum zweiten Urteil 2017 nicht während der Bewährungszeit nach dem ersten Urteil von 2016 passiert sind - sondern davor.

Er hatte somit nicht gegen Bewährungsauflagen verstoßen. Einer angeordneten Therapie wegen pädophiler Neigungen sei er laut Staatsanwaltschaft Münster nachgekommen.

Gibt es weitere Opfer und Täter?

Am Montag gab es keinen neuen Ermittlungsstand. Allein in Münster arbeiten rund 50 Ermittler bei der Polizei daran, weitere Opfer zu identifizieren. Landesweit werden zusätzliche Kräfte hinzugezogen.

Um wie viel Material handelt es sich?

Die Datenträger sollen mehr als 500 Terrabyte Datenvolumen enthalten, die professionell verschlüsselt wurden. Die Ermittler haben erst einen Bruchteil gesichtet. Die bisherigen Erkenntnisse über Tatverdächtige und Opfer könnten demnach erst die Spitze des Eisbergs sein.

Hätten Behörden etwas bemerken können?

Laut der Stadt Münster hatte das Jugendamt 2015 und 2016 zur Familie eines der Opfer Kontakt. Der "soziale Kindvater" war "wegen des Besitzes und des Vertriebs pornografischer Daten aufgefallen". Das Familiengericht sah 2015 aber keinen Anlass, das Kind aus der Familie zu nehmen.

Welche Forderungen stellt jetzt die Politik?

Das CDU-Präsidium forderte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) auf, die von der Innenministerkonferenz verlangten Verschärfungen gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie umzusetzen. Lambrecht wiederum drängte den Bundestag dazu, das Gesetz gegen Hass und Hetze im Netz zügig zu verabschieden. Es enthält die Pflicht sozialer Netzwerke, Hinweise auf Kinderpornografie an das Bundeskriminalamt (BKA) zu melden.

Mit Material von dpa und AFP.

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