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Ärzte unter Missbrauchsverdacht : Kartell des Schweigens

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Mehrere Kinder soll ein Arzt am saarländischen Universitätsklinikum missbraucht haben. Die Eltern wurden darüber von der Klinik nicht informiert. Auch Behörden hatten geschwiegen.

Mehrere Kinder soll ein Arzt am Universitätsklinikum Saarland missbraucht haben. Dass über Jahre die Eltern darüber nicht informiert wurden, macht das Unfassbare noch schlimmer.

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29 min
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Das Universitätsklinikum des Saarlandes, kurz UKS, war über Jahrzehnte das Aushängeschild des Bundeslandes auf dem Gebiet der medizinischen Forschung und Behandlung.

UKS: Dutzende Kinder mutmaßlich missbraucht

Und das sollte unter allen Umständen offensichtlich so bleiben, selbst als Ärzte mutmaßlich minderjährige Patienten sexuell missbrauchten. Ein Kartell des Schweigens sollte garantieren, dass der gute Ruf des Klinikums nicht beschädigt wird.

Das funktionierte über Jahre, bis durch einen Zufall die Eltern eines zehnjährigen Jungen erfahren, dass ihr Sohn in einer polizeilichen Akte als sexuell missbrauchtes Kind geführt wird. Es stellt sich heraus, dass den Eltern jahrelang verschwiegen wurde, dass ihr Kind von einem Arzt bei Behandlungen mutmaßlich missbraucht wurde.

Unsere Recherchen ergeben, dass es über 34 Kindern ähnlich erging, möglicherweise sogar hunderten Patienten des Assistenzarztes.

Staatsanwaltschaft verschweigt Missbrauchsvorwürfe

Wir stoßen auf einen schier unglaublichen Sachverhalt: Trotz früher Hinweise unternimmt die Klinikleitung nichts, um die Kinder vor dem Assistenzarzt zu schützen. Erst nachdem der Arzt die Klinik verlassen hat, wird er angezeigt.

Gleichzeitig will die Klinik verhindern, dass die Öffentlichkeit, vor allem aber die betroffenen Eltern von der Anzeige gegen den Assistenzarzt etwas erfahren. Die Klinikleitung wirkt auf die Staatsanwaltschaft ein.

Das Ergebnis: die ermittelnde Behörde unterlässt es, den betroffenen Eltern mitzuteilen, dass ihre Kinder möglicherweise über Jahre mutmaßlich sexuell missbraucht worden sind.

Mit dem Tod des verdächtigen Arztes schließt die Staatsanwaltschaft die Akten und verabredet mit der Klinikleitung, den Eltern gegenüber die möglichen Misshandlungen für immer zu verschweigen.

Eltern jahrelang ahnungslos

Und auch die Landesregierung, sie hat die Aufsicht über das Klinikum, schließt sich dem an und verfügt, die mutmaßlichen Opfer und ihre Eltern in Unkenntnis zu halten. So bleiben die Eltern jahrelang ahnungslos. Der heutige Direktor des Universitätsklinikums des Saarlandes, Prof. Wolfgang Reith, spricht von einem schweren Versäumnis:

Man hätte damals die Eltern der Kinder schon informieren müssen, was da vorgefallen ist.
Prof. Wolfgang Reith, Direktor des Universitätsklinikums des Saarlandes

Weitere Verdachtsfälle am UKS

Unsere Recherchen ergeben, dass auch in einer weiteren Klinik des UKS, der Hals-Nasen-Ohren-Klinik junge Patienten mutmaßlich sexuell missbraucht worden sind. Eltern entdecken klaffende Wunden im Intimbereich ihrer Kinder.

Die HNO beschwichtigt sie mit dem Hinweis auf versehentlich entstandene Verletzungen. Unverpackte Zäpfchen seien den Kindern eingeführt worden. Wir erfahren von insgesamt sieben Verdachtsfällen.

Die Eltern werden daran gehindert, Anzeige zu erstatten. Man fürchtet um den Ruf der Klinik, um den Verlust der Patienten und damit der Einnahmen.

Untersuchungsausschuss bringt bis heute keine Aufklärung

Der saarländische SPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Langer ist darüber entsetzt:

Es ist eine Niederlage für den Kinderschutz und es ist ein Riesenmakel für die Hals-, Nasen-, Ohrenklinik.
Jürgen Langer, SPD-Landtagsabgeordnete Saarland

Dass kein Täter ermittelt werden konnte, sei "unfassbar und überhaupt nicht nachvollziehbar", sagt Langer.

Kindesmissbrauch ist eines der schlimmsten Verbrechen, vor allem wenn die Täter zum engsten Umfeld gehören.

Beitragslänge:
89 min
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Das Universitätsklinikum hat inzwischen reagiert und ein sogenanntes Schutzkonzept erarbeitet. Über eine Homepage des Krankenhauses können Missbrauchsfälle jetzt online angezeigt werden.

Seit fast zwei Jahren versucht ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss die Verdachtsfälle im Universitätsklinikum aufzuklären – bis heute ohne Erfolg.

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