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Nach acht Monaten Shutdown : Film ab! Kinos im Neustart-Modus

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Nach acht Monaten Shutdown ist seit Juli wieder Leben in Deutschen Kinos - und die Branche zeigt sich trotz aller Widrigkeiten optimistisch. Ist das Dickste jetzt überstanden?

Kinobesucher mit Maske im Kino
Mit Maske und ausreichend Abstand dürfen Filmeliebhaber wieder ins Kino
Quelle: dpa

Wäre ein ganz normales Jahr, so wie vor Corona, wären im Dortmunder Roxy Kino jetzt wahrscheinlich Betriebsferien. Sommerloch halt. Aber wie schon 2020 ist auch dieses Jahr alles anders. Und so machte Holga Rosen, Betreiber des kleinen Programmkinos, am 8. Juli die Türen eben nicht zu, sondern auf. Endlich wieder mal seit November.

"Die große Überraschung war, dass wir vom ersten Tag an wirklich schöne Besucherzahlen hatten, anders als noch vor einem Jahr", berichtet der Kinobetreiber und Cartoonist. "Unsere Gäste schienen wirklich sehr ausgehungert zu sein und hatten richtig Lust auf Kino. Und die große Corona-Angst wie vor einem Jahr ist nicht mehr da."

Eine dreistellige Besucherzahl klingt für ein Multiplexkino vielleicht nach nichts, "aber als Zweimannbetrieb mit einem Angestellten können wir auch so überleben. Kino ist für mich halt mehr als nur Umsatz", sagt Rosen.

Zuschauerzahlen stimmen Kinobranche optimistisch

Mehr als 820.000 Besucher hatten die deutschen Kinos am ersten Juliwochenende - Grund genug für einen kleinen Branchenjubel. Und am Folgewochenende waren es sogar 1,1 Millionen. "Das sind nur 15 Prozent weniger als im Vergleichzeitraum 2019, und das bei den aktuell geltenden Abständen in den Kinosälen. Also ein tolles Ergebnis“, sagt Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des Branchenverbands HDF Kino.

Dass der Andrang so groß sei, habe natürlich auch mit den Filmen zu tun, die gestartet seien. Aber eben nicht nur.

Die Begeisterung, dass es endlich wieder losgehen kann, konnten die Kinobetreiber in ihren Sälen direkt wahrnehmen.
Christine Berg

Eine Freude, die nach Einschätzung von Branchenexperten gute Chancen hat, noch lange erhalten zu bleiben und einen erfolgreichen Neustart der Kinos mit zu tragen.

Kinobranche trotzt dem Virus

"Im Juli haben wir fast 100 Filmstarts - und es warten alleine in den nächsten Monaten rund 300 Filme aus Deutschland. Die Filmproduktion lief auch während Corona, und so werden wir in den kommenden zwölf Monaten rund 1.000 neue Filme sehen - deutlich mehr als die sonst rund 700 pro Jahr", berichtet Dr. Christian Bräuer, Vorstand der AG Kino – Gilde Deutscher Filmkunsttheater.

Diese Zahl sei, so Bräuer, gleichzeitig auch ein erfreuliches Zeichen dafür, dass Filmproduktionen eben nicht - wie schon spekuliert wurde - gleich reihenweise direkt in Streamingportalen zu sehen sein werden. "Die Masse der Produktionen hat auf die Kino-Öffnungen gewartet, eben weil Kino auch die Chance auf Sichtbarkeit und Erfolg ist. Ich halte das für ein schönes Signal", so Bräuer.

Neustart - aber wie? Experten rechnen mit Herausforderungen

Blumen zur Wiedereröffnung, Applaus bei der ersten Vorstellung, Spendenbereitschaft des Publikums während des Shutdowns: Trotz vieler schöner Erfahrungen jetzt sehen Experten in den kommenden Monaten und Jahren großen Herausforderungen auf Kinos zukommen.

"Die Förderprogramme des Bundes haben funktioniert und die Kinos wie Schwimmflügel vor dem Untergang gerettet. Die Frage ist, wie der Neustart jetzt dauerhaft gelingen kann", sagt Christian Bräuer.

Ich hoffe, dass ein allzu starker Gegenwind nicht vielen das Genick bricht.
Christian Bräuer

Branche kritisiert unklare Corona-Regeln

Ein Gegenwind, der auch aus unklaren Regelungen resultieren könnte. So mahnt Christine Berg vom HDF Kino beispielsweise einheitliche Vorgehensweisen bei wieder steigenden Infektionszahlen an.

"Aus der Bundesregierung hören wir von Bestrebungen, nicht nur auf Inzidenzen zu schauen, sondern auch auf die Auslastung von Intensivbetten. Tatsächlich ist davon aber im Alltag der Kinos noch nichts angekommen. Da braucht die Branche Klarheit."

Digitale Zugänge sollen besser werden

Und dann ist da noch die Digitalisierung: "In den vergangenen eineinhalb Jahren haben auch die älteren Kunden gelernt, wie man online einkauft oder Tickets bucht. Das ist eine Herausforderung für die Zukunft, den Zugang zum Kino auch online einfacher zu machen", so Christine Berg.

Eine Herausforderung, die Branchenriesen, die große Zahl der mittelständischen Familienbetriebe und kleine Programmkinos gleichermaßen treffe. Auch das kleine Dortmunder Roxy. Kurz vor der Wiedereröffnung ging dort das neue Kassensystem in Betrieb - und Onlinereservierung geht auch. Alles da also für einen guten Neustart. Und jede Menge neue Filme sowieso.

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