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Katholische Kirche - Papst ruft zu globalem Bildungspakt auf

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Weltweit mehr in Bildung investieren fordert Papst Franziskus. Es sei eine Chance für mehr Gerechtigkeit und Frieden. Doch in Deutschland schließen einige Bistümer Schulen.

Papst Franziskus fordert
Bei einer internationalen Online-Konferenz zu Bildungsthemen in Rom ruft Papst Franziskus zu einem erneuerten weltweiten Bildungspakt auf.
Quelle: dpa

Angesichts der Krisen und Herausforderungen in der Welt müssen die Staaten und Institutionen mehr in die Bildung junger Menschen investieren, fordert Papst Franziskus.

Dazu brauche es ein breites und "revolutionäres" Bildungsbündnis, "um reife Menschen zu formen, die in der Lage sind, Spaltungen und Gegensätze zu überwinden und das Gefüge der Beziehungen für eine geschwisterliche Menschheit herzustellen".

Papst ruft zu weltweitem Bildungsgipfel auf

So begründete das katholische Kirchenoberhaupt im September 2019 seine Initiative, die mit einem großen mehrtägigen Bildungsgipfel im Mai 2020 im Vatikan einen ersten Höhepunkt haben sollte.

Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay sollte daran ebenso teilnehmen wie Bildungsminister*innen, Pädagog*innen, Vertreter*innen der Religionen und Jugendliche aus der ganzen Welt. Doch wegen Corona musste das Treffen in Rom abgesagt werden. Nun findet es an diesem Donnerstag als virtuelle Konferenz statt.

Bildung als Schlüssel zu gesellschaftlicher Partizipation

Die katholische Kirche engagiert sich traditionell stark im Bildungsbereich. Dahinter steckt die Idee, dass Bildung eine entscheidende Voraussetzung für Arbeit und Partizipation in gesellschaftlichen Prozessen ist.

Weltweit unterhält sie rund 216.000 Schulen für mehr als 60 Millionen Schüler*innen. An den mehr als 1.700 katholischen Universitäten sind 11 Millionen Studierende eingeschrieben. In Deutschland besuchen derzeit knapp 360.000 Schüler*innen die 900 katholischen Schulen in freier Trägerschaft. Das sind 3,7 Prozent aller Schüler*innen.

Weniger Kircheneinnahmen - weniger Schulen

Die kirchlichen Schulen erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Nachfrage nach Plätzen ist groß. Doch die hohe Zahl der Kirchenaustritte sowie die voraussichtlichen Einnahmeausfälle durch die Coronakrise stellen die katholische Kirche in Deutschland vor große finanzielle Herausforderungen. Sie muss sparen. Immer mehr Bistümer trennen sich daher von Schulen.

Zuletzt erklärte das Bistum Mainz Ende September, dass es die Trägerschaft von fünf seiner 18 Schulen abgeben will. Das Erzbistum Hamburg kündigte 2018 an, acht der 21 kirchlichen Schulen schließen zu wollen und löste damit einen Proteststurm aus.

Die katholische Kirche will bis zu acht ihrer 21 Schulen in Hamburg schließen. Grund sind die hohen Schulden des Erzbistums. Dabei wären viele Eltern bereit gewesen, den Erhalt über Spenden und Crowdfunding zu unterstützen.

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"Schulen der Begegnung" als Alternative?

Nach langen Verhandlungen und durch das Engagement der Eltern sank die Zahl der betroffenen Schulen nun auf sechs. Kritiker befürchten, die katholische Kirche in Deutschland säge hier am eigenen Ast. Sie verliere den Kontakt zu den nachwachsenden Generationen.

Um die wirbt gerade der Papst. 2013 wurde auf seine Initiative hin die Stiftung "Scholas occurrentes - Schulen der Begegnung" gegründet. Sie will weltweit den Austausch junger Menschen mit Hilfe von Technologie, Kunst und Sport fördern. Daran beteiligen sich nach Angaben der Organisation weltweit rund eine halbe Million Schulen und Erziehungseinrichtungen unabhängig von religiöser Ausrichtung oder Trägerschaft.

Durch interkulturellen und interreligiösen Ansatz lernen

Dieser interkulturelle und interreligiöse Ansatz ist Franziskus wichtig. Dadurch sollen Vorurteile abgebaut werden und die jungen Menschen lernen, mit Unterschieden umzugehen. Regelmäßig beteiligt sich der Papst an Videokonferenzen der "Scholas occurentes".

In seiner jüngsten Enzyklika "Fratelli tutti - über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft" formulierte Franziskus es Anfang Oktober so:

Rüsten wir unsere Kinder mit den Waffen des Dialogs aus! Lehren wir sie den guten Kampf der Begegnung!
Papst Franziskus

Um sein Ziel zu erreichen, nutzt der Papst auch die diplomatischen Kanäle des Vatikans, um die Politik in den einzelnen Ländern und auf internationaler Ebene zu beeinflussen, damit junge Menschen die Chance auf eine bessere Zukunft haben. Sein Einfluss ist dabei begrenzt. Doch wie bei vielen anderen Themen arbeitet Franziskus auch hier nach dem Prinzip "Steter Tropfen...".

Archiv: Zwei Menschen gehen durch den leergeräumten Raum der Heilig-Kreuz-Kirche, aufgenommen am 02.05.2020 in Frankfurt am Main

Rekordrückgang bei Mitgliedern -
Die Erosion der großen Kirchen
 

2019 sind fast eine halbe Million Menschen in Deutschland aus der katholischen und evangelischen Kirche ausgetreten - mehr als jemals zuvor. Das hat auch finanzielle Folgen.

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