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#PastoralerUngehorsam - Auch Geistliche widersprechen Rom

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Viele Katholiken hadern seit langem mit ihrer Kirche. Nach dem Nein zur Segnung homosexueller Partnerschaften stehen nun auch viele Kirchenleute auf.

Petersdom in Rom
Der Petersdom in Rom.
Quelle: Imago

Katholische Pfarrer, die sich ganz offen gegen Rom stellen! Ein Hashtag #PastoralerUngehorsam, der sich in der so autoritär aufgestellten katholischen Kirche verbreitet! Das entschiedene Nein des Vatikans zur Segnung homosexueller Partnerschaften hat die Diskussion in bislang nicht da gewesener Form angefacht.

Martin Kirschner, Professor für Theologie in Transformationsprozessen an der Katholischen Universität Eichstätt, sagt über das Nein aus Rom: "Es ist der Versuch den Raum der Kirche zu besitzen und zu bestimmen, auch um offene Kommunikationsprozesse zu unterbinden."

Und dieser Versuch sei ins Gegenteil umgeschlagen: 

Jetzt kann man beobachten, wie eine solche Intervention das Gegenteil von dem erreicht, was sie angeblich bewirken will.
Martin Kirschner, Professor für Theologie

"Statt eine Debatte zu beenden, wird diese Debatte gerade losgetreten, und zwar mit voller Wucht", sagt Kirschner.

Katholische Priester zeigen Ungehorsam

Online posten immer mehr Priester, dass sie die Vorgaben aus Rom falsch finden, sich nicht daran halten, dass sie "ungehorsam" sein wollen - ein eigentlich ganz unerhörtes Wort in der katholischen Kirche.

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck meint, die kirchliche Lehre verlange "dringend eine erweiterte Sichtweise auf die menschliche Sexualität".

Die Erklärung der Glaubenskongregation habe viele Menschen mit einer homosexuellen Orientierung gekränkt und verletzt.
Eine solche Position werde in der heutigen Zeit nicht mehr akzeptiert. Die Haltung der Gläubigen dürfe vom Vatikan nicht ignoriert werden.

Kirchenleute wollen es Rom schriftlich geben

Und Hunderte Kirchenleute wollen es Rom inzwischen schriftlich geben, dass sie da nicht mehr mitmachen wollen. Der Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose und der Pfarrer Bernd Mönkebüscher aus Hamm, der sich vor zwei Jahren öffentlich als homosexuell outete, haben eine Unterschriften-Aktion gestartet.

Knapp 2.000 Menschen haben seinen Angaben zufolge inzwischen unterschrieben - die meisten von ihnen katholische Theologen, Priester, Ordensleute, Seelsorger, Pfarr- oder Gemeindereferenten.

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Resonanz der Geistlichen ist überwältigend

Die Begründung in dieser Entscheidung der Glaubenskongregation hat uns erschüttert: Diese geht von einem sehr überholten - inzwischen antiquierten - Naturrechtsbegriff aus.
Burkhard Hose, Würzburger Hochschulpfarrer

"Auf solch einer Basis, die längst naturwissenschaftlich überholt ist, kirchliche Entscheidungen und Verlautbarungen zu formulieren, halten wir für unverantwortlich", so Hose. Die Resonanz sei überwältigend. "Die große Anzahl, die uns selbst überrascht hat, zeigt doch, dass es einen Willen gibt, sich über solche bizarren Äußerungen aus Rom auch im konkreten, im pastoralen Alltag, hinwegzusetzen."

Und genau darin sehen Theologen und Kirchenreformer eine neue Qualität im Protest gegen Rom. Denn der revolutionäre Wind weht nicht mehr nur bei Reformbewegungen wie "Wir sind Kirche" oder "Maria 2.0", bei kirchlichen Vereinen und nicht einmal mehr nur bei den Mitgliedern der Kirchengemeinden, sondern ist jetzt angekommen bei den Geistlichen, die keine Scheu haben, offen ihre Meinung zu sagen.

Elisabeth Kötter, Mitbegründerin der Initiative Maria 2.0, kämpft dafür, dass Frauen in der katholischen Kirche eine größere Rolle spielen. Sonst drohe der Kirche ein weiterer Exodus. Statt "gesellschaftlich voran zu gehen, kriecht sie hinterher“.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

"Kirche steht ihrer eigentlichen Botschaft im Weg"

"Das ist eine ganz neue Ebene", sagt der Sprecher von "Wir sind Kirche", Christian Weisner. Das sei auch Papst Franziskus zu verdanken und einem offeneren Debattenklima, das dieser ermögliche.

Daniel Bogner, Professor für theologische Ethik an der Universität Freiburg in der Schweiz sagt: "Die Katholiken, auch die katholischen Priester, werden sich bewusst, dass das Ganze auf dem Spiel steht, wenn man es nicht eigenverantwortlich mehr in die Hand nimmt als bisher. Denn die Kirche in ihrer derzeitigen Form steht ihrer eigentlichen Botschaft mehr und mehr im Weg."

Die Missbrauchskrise der vergangenen Jahre habe "das instabile Gebilde der katholischen Kirche derart in die Sackgasse und die Krise gebracht," und die Hoffnung auf Reformen, die von der Kirchenspitze ausgehen, "erweist sich zunehmend als vergeblich".

Kultur | Kulturzeit - Woelki-Gutachten zu Missbrauch in der Kirche 

Das zweite vom Kölner Kardinal Woelki beauftragte Gutachten zum Missbrauch in der katholischen Kirche wurde veröffentlicht und entlastet ihn. Andere trafen schwere Vorwürfe.

Videolänge
4 min

Dritter Weg: "Sache selbst in die Hand nehmen"

Bogner sieht einen "dritten" Weg zwischen Reformen von oben und dem ewigen, für viele Gläubige so frustrierenden Weiter so: "Man muss die Sache selbst in die Hand nehmen."

Ob ungehorsame Priester mit kirchenrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen, beantwortet Bogner so: "Auch das Ancien Régime vor der Französischen Revolution hatte sein Recht." Das sei aber nach einem sozialen Kampf durch gewichtigeres Recht, Menschenrechte, ersetzt worden. "Dieser Prozess steht der Kirche in Teilen noch bevor."

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