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Segensgottesdienste für Liebende - "Raus aus den seelsorglichen Hinterhöfen"

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Von Buxtehude bis München laden katholische Seelsorger heute homosexuelle Paare zu "Segensgottesdiensten für Liebende" ein. Das erhöht den Druck in der innerkirchlichen Debatte.

Männerhände
Rund 100 katholische Gemeinden laden zu "Segensgottesdiensten für Liebende" ein. (Symbolbild)

Es ist ein klares Zeichen gegen die Sexualmoral der katholischen Kirche und ein deutliches Ausrufezeichen für die Liebe, das heute in Deutschland in rund 100 katholischen Gemeinden gesetzt werden soll. Unter dem Motto "Liebe gewinnt" lädt eine Initiative von katholischen Seelsorgern zu "Segensgottesdiensten für Liebende" ein - und zwar ausdrücklich auch homosexuelle Paare.

Ein "Nein" zum "Nein" des Vatikans

Für die LGBT+-Community ist die Aktion ein wichtiges Zeichen, dass die katholische Kirche ihre Anliegen wahrnimmt.

Es bricht aber auch das Image auf, dass der Vatikan entscheidet und alle Katholiken das einfach schweigend hinnehmen,

betont Michael Brinkschröder, Sprecher des Katholischen LSBT+-Komitees.

Einer der Initiatoren, der den Stein ins Rollen gebracht hat, ist Burkhard Hose. Im Rahmen der Initiative "#mehrSegen" sammelte der Würzburger Hochschulpfarrer bereits mehr als 2.600 Unterschriften von Seelsorgern gegen das "Nein" aus dem Vatikan, homosexuelle Partnerschaften zu segnen.

Am 15. März hatte der Vatikan sein Nein zur Segnung homosexueller Paare noch einmal bekräftigt. Das löst in vielen katholischen Gemeinden einen Sturm der Entrüstung aus.

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Mitten hinein ins kirchliche Leben

Auch für Pfarrer Wolfgang Rothe aus dem Erzbistum München und Freising stand von Anfang an fest, dass er sich beteiligen werde. Der katholische Seelsorger betont:

Es ist an der Zeit, diese nicht nur unmenschliche, sondern auch unchristliche Sexualmoral endlich zu revidieren.
Wolfgang Rothe

Die Segnungsgottesdienste für Liebende bringen dies in seinen Augen nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch zum Ausdruck.

Denn wann immer in der Vergangenheit homosexuelle Paare von katholischen Seelsorgern gesegnet wurden, geschah das meist hinter verschlossenen Türen. Die Seelsorger mussten, wenn dies bekannt wurde, mit Abmahnungen und Sanktionen rechnen.

"Durch die große Zahl der Gottesdienste und der noch weitaus größeren Zahl an Seelsorgern, die sich daran beteiligen, wird die Segnung homosexueller Paare aus den seelsorglichen Hinterhöfen dorthin geholt, wo sie hingehört: mitten hinein ins kirchliche Leben", betont Pfarrer Wolfgang Rothe.

Kritische Worte von der Bischofskonferenz

Die große Zahl bietet Schutz, macht Mut und erhöht den Druck in der innerkirchlichen Debatte. Dennoch kritisiert die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) die Segnungsgottesdienste. Diese seien nicht als Instrument für kirchenpolitische Manifestationen oder Protestaktionen geeignet, erklärte der DBK-Vorsitzende Georg Bätzing. Für den Limburger Bischof sind "solche Aktionen kein hilfreiches Zeichen und kein weiterführender Weg".

Eine Stellungnahme, die Pfarrer Wolfgang Rothe in erster Linie nicht als Kritik, sondern vielmehr als vorbeugende Maßnahme empfunden hat: "Seine Erklärung enthält keinerlei Vorwürfe oder Sanktionsdrohungen gegen die segnungswilligen Seelsorger. Dennoch kann ihm nun niemand mehr vorwerfen, er hätte gar nicht Stellung bezogen - auch nicht in Rom. Und falls schärfere Stellungnahmen beabsichtigt gewesen wären oder noch kämen, würden die sich jetzt automatisch auch gegen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz richten."

Für den Bischof von Essen, Overbeck, kommen Suspendierungen "nicht in Frage", wenn Seelsorger homosexuellen Paaren ihren Segen geben.

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Keine plumpe Protestaktion

Während Pfarrer Wolfgang Rothe Bischof Georg Bätzing sehr dankbar für seine Stellungnahme ist, zeigt sich Burkhard Hose auch enttäuscht über dessen Worte: "Jeder Gottesdienst bewegt sich in einem größeren kirchenpolitischen Kontext." Zudem sieht er in den "Segensgottesdiensten für Liebende" keine plumpe Protestaktion:

Wir wollen und werden lesbische und schwule Paare weiter segnen.
Wolfgang Rothe

"Vor allem geht es uns aber um eine Änderung der katholischen Lehre, wonach Menschen, die homosexuell sind, wider die Natur und wider den göttlichen Plan leben." Heute Abend wird er deshalb in der Würzburger Augustinerkirche Gottesdienst feiern. Dessen Titel: "Wir können doch gar nicht anders als Segnen!"

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