Synodalversammlung: "Entscheidungen mit Signalwirkung"

    Katholische Synodalversammlung:Bätzing: "Entscheidungen mit Signalwirkung"

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    Die Synodalversammlung der Katholiken endet ohne weiteren Eklat: In manchen Bereichen wurden wichtige Entscheidungen getroffen. Der Reformprozess geht manchen aber zu langsam.

    Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat sich am Ende der dreitägigen Synodalversammlung zum Reformprozess trotz der schweren Krise der katholischen Kirche optimistisch gezeigt. Auf dem dreitägigen Treffen seien "Entscheidungen mit Signalwirkung" getroffen worden, die das Handeln der Kirche verändern werden, sagte er am Samstag zum Ende der dreitägigen Versammlung in Frankfurt.

    Aufträge für die Weltsynode in Rom

    Die deutschen Bischöfe würden mit einem "gepackten Koffer" voller Aufträge nach Rom und auf die Weltsynode reisen, versicherte er.

    Wir verhandeln hier keine beliebige Materie, sondern die Zukunft der Kirche in Deutschland.

    Georg Bätzing

    Ein wichtiges Instrument auf diesem Weg soll die Fortsetzung der Gespräche zwischen Bischöfen, Laien und kirchlichen Mitarbeitern sein: Mit großer Mehrheit verabschiedeten die Teilnehmer der Versammlung am Samstagvormittag einen Text, der einen Synodalen Ausschuss und einen Synodalen Rat vorsieht.
    Auf dem vierten Synodaltreffen in Frankfurt wollen Kirchenvertreter und Laienorganisationen über konkrete Reformschritte in der katholischen Kirche beraten. Der Druck für Veränderungen ist groß.09.09.2022 | 1:46 min
    Bätzing zeigte sich am Samstag erleichtert, dass ein Scheitern des Treffens verhindert worden sei. Die Krise sei gemeinsam gemeistert worden, sagte er. "Sehr schmerzlich" sei es für ihn gewesen, dass die Abstimmung über einen Text, der eine Liberalisierung der kirchlichen Sexualmoral anstrebte, am Donnerstag an der fehlenden Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe gescheitert war. Diese Enttäuschung bleibe.
    Mehr zum Verlauf der Synodalversammlung im "Papstgeflüster" von Jürgen Erbacher, ZDF-Kirchenredaktion:

    Bischöfe sind frei in der Entscheidung

    Die Bischöfe unterlägen jedoch keinem Fraktionszwang, sondern seien "frei abzustimmen, ob sie für oder gegen einen Text sind oder sich enthalten", betonte der Limburger Bischof weiter.

    Wir haben sieben positive Richtungsentscheidungen getroffen, die das Handeln der Kirche in Deutschland verändern werden.

    Georg Bätzing

    Diese hätten schon jetzt eine Signalwirkung auf Menschen, die sich der katholischen Kirche noch verbunden fühlten. So wurden Handlungsempfehlungen zur Neubewertung von Homosexualität und zu Frauen in sakramentalen Ämtern erfolgreich verabschiedet. In eine zweite Lesung auf dem nächsten Treffen gehen unter anderem Texte zum Umgang mit nicht heterosexuellen Priestern und zur geschlechtlichen Vielfalt.
    Es sei eine "kräftezehrende" Synodalversammlung gewesen, räumte Irme Stetter-Karp, die Präsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, ein. Es sei gut, dass die Bischöfe den Ernst der Lage erkannt hätten. "Ich frage mich aber, warum diese Meinungsbildung nicht schon vorher stattgefunden hat", sagte sie als Vertreterin der katholischen Laien.

    Zentralkomitee: Mehr Achtsamkeit

    Am wichtigsten für die weitere Arbeit sei es, dass eine Vertrauensgrundlage vorhanden sei.

    Wir können nur zusammenarbeiten, wenn wir uns ehrlich sagen, was wir denken.

    Irme Stetter-Karp

    Sie rief Bischöfe und Laien zur Zusammenarbeit auf. "Wir sind bereit, schwierige Entscheidungen gemeinsam mit den deutschen Bischöfen zu treffen." Stetter-Karp sprach sich für mehr Achtsamkeit aus, etwa im Umgang mit queeren Gläubigen und Priestern. Bei jungen Menschen erlebe sie eine sehr viel höhere Sensibilität bei diesem Thema - hier könnte die ältere Generation, die auch etwa bei den geistlichen Würdenträgern und in Rom die Mehrheit hat, lernen.
    Ihr Stellvertreter Thomas Söding betonte beim Rückblick auf die
    Synodalversammlung: "Wir haben für diesen Erfolg aber einen hohen Preis gezahlt." Der wichtige Text zur kirchlichen Sexualmoral sei gescheitert, "weil drei Stimmen von Bischöfen fehlten".

    Reformprozess wegen Vertrauenskrise

    Die fünfte Synodalversammlung im kommenden Frühjahr ist bereits als Abschluss des sogenannten Synodalen Wegs vorgesehen, mit dem der Reformprozess strukturiert werden soll. Auf dessen Vollversammlung diskutieren und entscheiden neben den Bischöfen Vertreter von Laien, kirchlichen Mitarbeitern, Priestern und Ordensleuten über Veränderungen der Kirche.
    Der Synodale Weg läuft seit 2019, organisiert vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und der Deutschen Bischofskonferenz. Beide Gremien wollen Änderungen erreichen in der kirchlichen Sexualmoral, bei der Rolle von Frauen in der Kirche, beim Umgang mit Macht und beim Zölibat, der verpflichtenden Ehelosigkeit katholischer Priester. Auslöser des Reformprozesses war die massive Vertrauenskrise nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals.
    Quelle: dpa

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