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Studie der Bertelsmann-Stiftung : Kita-Platz-Vergabe mit Algorithmen fairer?

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Sollen Computer über die Vergabe von Kita-Plätzen entscheiden? Einer Studie zufolge wäre die Vergabe mithilfe von Algorithmen effizienter - und sie könnte gerechter sein.

Ein Kind steht vor einem mit Absperrband aufgeteilten Spieplatz einer Kita im niedersächsischen Delmenhorst.
Nach Berechnungen des DIW fehlen mehr als 300.000 Kita-Plätze in Deutschland.
Quelle: dpa

Der Einsatz von Software kann nach einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung die Vergabe von Kita-Plätzen verbessern. Erste Praxiserfahrungen in einzelnen deutschen Städten und Gemeinden zeigten, dass die Verwendung von Algorithmen die Vergabe effizienter und unter bestimmten Voraussetzungen auch gerechter machen könne, sagt Julia Gundlach, Digitalexpertin der Stiftung und Autorin des Impulspapiers, in Gütersloh.

Die bisherigen Praxiserfahrungen einzelner deutscher Städte und Gemeinden zeigen, dass der verantwortungsvolle Einsatz von digitaler Technologie einen Beitrag dazu leisten kann, dieses gesellschaftlich relevante Problem zu lösen.
Julia Gundlach, Digitalexpertin bei der Bertelsmann-Stiftung

Vergabe mithilfe von Algorithmen: Eltern gespalten

Die Eltern sind allerdings gespalten bei der Frage, ob ein Computer über den Zugang zu Kindertagesstätten entscheiden darf. In einer repräsentativen Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung verlangten 47 Prozent der befragten Eltern, dass allein ein Mensch darüber befinden dürfe.

49 Prozent befürworten, dass die Verantwortlichen auch ein Votum des Computers bei ihrer Entscheidung berücksichtigen. Nur drei Prozent würden das Votum über die Vergabe allein dem Algorithmus überlassen.

Kita-Plätze mit Hilfe von Algorithmen zu vergeben, spart sowohl Eltern als auch Kita-Leitungen viel Zeit und Mühe.
Julia Gundlach, Digitalexpertin bei der Bertelsmann-Stiftung

Auf Basis eines vorab definierten Katalogs von Vergabekriterien und der elterlichen Angaben zu Wunsch-Kitas unterstütze die Software bei der Abstimmung, welche Kita welchen Eltern einen Platz anbieten sollte. Dabei komme beispielsweise die Software "KitaMatch" zum Einsatz. Sie wurde 2017 vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) entwickelt und steht kostenfrei als Open-Source-Angebot zur Verfügung.

Kinder aus benachteiligten Familien könnten profitieren

Vor allem Kinder aus benachteiligten Familien könnten von einem computergestützten Vorgehen profitieren, da die Anmeldeverfahren für die Eltern oft eine große Hürde sind. Es sei aber wichtig, dass der Kriterienkatalog als Grundlage für den Algorithmus unter Beteiligung von Kitas, Kita-Trägern, Jugendämtern und Eltern ausgehandelt und offen kommuniziert werde. Das erhöhe die Transparenz, Überprüfbarkeit und letztlich auch die Akzeptanz von Zu- oder Absagen.

Algorithmen sorgen nicht automatisch für mehr Fairness. Die Empfehlungen einer Software sind nur so gerecht, wie die Kriterien, nach denen diese programmiert ist.
Julia Gundlach, Digitalexpertin bei der Bertelsmann-Stiftung

Das zentrale Problem bei der Vergabe von Kita-Plätzen besteht darin, dass es nicht genug Plätze gibt. Während sich 2019 fast 50 Prozent der Eltern einen Betreuungsplatz für ihr Kind wünschten, lag die tatsächliche Betreuungsquote bei nur 34,3 Prozent, heißt es in dem Bertelmann-Papier.

Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) aus dem vergangenen Jahr ergaben, dass die Zahl fehlender Plätze für Kinder unter drei Jahren ansteigt, obwohl der Staat Milliarden in den Kita-Ausbau investiert hat. Zum Stichtag 1. März 2020 fehlten demnach rund 342.000 öffentlich geförderte Betreuungsplätze in Kindertagesstätten und bei Tagespflegepersonen.

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