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Warum gibt's immer mehr Kleine Waffenscheine?

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Noch mehr Anträge in Deutschland - Warum gibt's immer mehr Kleine Waffenscheine?

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Obwohl das Leben laut Polizeistatistik immer sicherer wird, rüstet Deutschland auf: Immer mehr Menschen beantragen einen Kleinen Waffenschein. Was ist die Ursache?

Kleiner Waffenschein neben einer Schreckschusswaffe.
Wer eine Schreckschusspistole in der Öffentlichkeit tragen möchte, braucht einen Kleinen Waffenschein.
Quelle: Oliver Killig/zb/dpa/Symbolbild/Archiv

Ein Blick in die Statistiken zeigt: Das Leben in Deutschland ist in den vergangenen Jahren immer sicherer geworden. Dennoch ist die Zahl der Menschen, die einen Kleinen Waffenschein besitzen, drastisch gestiegen. In den vorigen zwölf Monaten stieg die Zahl um rund 44.000 auf 686.000, wie aus einer Umfrage der Düsseldorfer "Rheinischen Post" unter den 16 Bundesländern hervorgeht. 2014 waren es noch 260.000 gewesen.

GdP: Trend zu mehr Waffen "beunruhigend"

Die Polizeigewerkschaft GdP bezeichnet den Trend als "äußerst beunruhigend", da private Waffen eher zu mehr Unsicherheit als zu mehr Sicherheit führen würden.

Bereits im vergangenen Jahr sprach der GdP-Vorsitzende Oliver Malchow von einem "latenten Unsicherheitsgefühl" in der Bevölkerung als Ursache für diesen Trend. "Spätestens seit den Ereignissen auf der Kölner Domplatte in der Silvesternacht 2015 fühlen sich offenbar immer mehr Menschen verunsichert", zitierte ihn die "Rheinische Post".

Dabei haben die meisten Gewaltdelikte in den vergangenen Jahren nach Zahlen des BKA abgenommen: So gibt es unter anderem weniger Morde, weniger Raubdelikte, die Zahl der registrierten Straftaten insgesamt ist zurückgegangen.

In Deutschland besitzen immer mehr Menschen einen Kleinen Waffenschein. Die Zahl hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt auf fast 665.000 Scheine.

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Studie: Unsicherheitsgefühl nimmt zu

Doch nur aus der offiziellen Polizeistatistik lassen sich keine konkreten Schlüsse auf die tatsächliche Kriminalität ziehen. Denn in die Statistik gelangen nur Fälle, die der Polizei bekannt werden. Um ein realistischeres Bild von der tatsächlichen Situation zu erhalten, setzen Experten auf sogenannte Dunkelfeldstudien: Repräsentative Umfragen, in denen Menschen zum Beispiel befragt werden, wann sie zuletzt Opfer einer bestimmten Straftat geworden sind.

Auch Dunkelfeldstudien bestätigen im Großen und Ganzen den rückläufigen Trend der registrierten Straftaten, wie das Portal "Watson" berichtet. Dennoch gibt es offenbar eine große Diskrepanz zwischen der objektiven Sicherheit und dem subjektiven Sicherheitsempfinden: Laut dem "Deutschen Viktimisierungssurvey 2017“ des Bundeskriminalamts und des Freiburger Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht haben die Menschen in Deutschland mehr Furcht vor Kriminalität als noch vor fünf Jahren, im Osten mehr als im Westen.

German Rifle Association: "Panikmache"

Doch nicht alle sehen die steigenden Anträge für einen Kleinen Waffenschein kritisch. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg, sagte der "Rheinischen Post":

Es ist für sich genommen nichts Schlechtes, dass immer mehr Bürger von ihrem Recht Gebrauch machen, eine Schreckschusswaffe zu erwerben und mitzuführen.

Einen Anlass für stärkere Regulierung sehe er nicht. Die "German Rifle Association" (GRA), eine Lobbygruppe, die sich für die Rechte deutscher Waffenbesitzer einsetzt, sieht in immer mehr Kleinen Waffenscheinen einen "Sicherheitsgewinn". Berichte über jährlich steigende Zahlen der Anträge nennt sie auf ihrer Website: "Panikmeldungen".

Christoph Landscheidt

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von Thadeus Parade, Düsseldorf
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