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Hydrologe warnt : Dürren nehmen zu - schneller als erwartet

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Die jetzige Dürre mit all ihren Folgen kommt für Professor Luis Samaniego vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung nicht unerwartet. Überraschend ist nur das Ausmaß.

Hessen, Wiesbaden: Drei Passanten (o.r.) und eine Taube (l) sind auf dem verdorrten Rasen am Warmen Damm am Rande der Wiesbadener Innenstadt unterwegs.
Fast überall in Deutschland ist die Trockenheit zu sehen.
Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa

In einem Interview mit ZDFheute weist Luis Samaniego auf eine Studie des Helmholtz-Zentrums aus dem Jahr 2018 hin, an der er maßgeblich beteiligt war. Darin wird beschrieben, dass die durch den Menschen verursachte Klimaerwärmung die Böden immer trockener werden lässt. 2018 erwarteten die Experten, dass mit einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur um drei Grad in der Mitte des Jahrhunderts 40 Prozent Europas unter Dürre leiden werden.

Prof. Luis Samaniego vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
Professor Luis Samaniego vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung ist von der Entwicklung nicht überrascht.
Quelle: Sebastian Wiedling

Der heutige Bericht der europäischen Dürrebeobachtungsstelle besagt, dass sich fast Zweidrittel der Fläche Europas in einem "Warn- oder Alarmzustand" befinden mit all den negativen Auswirkungen auf die Vegetation und die Kulturpflanzen.

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Für den Hydrologen Samaniego ist diese Entwicklung keine Überraschung. Überraschend sei nur, dass es so früh kommt. Er rechnet damit, dass es in Zukunft noch schlimmer werde, und Dürren noch häufiger aufträten. Man müsse die jetzige Dürreperiode noch auswerten, aber nach seiner Meinung ist sie noch größer als diejenige aus dem Jahr 2018. Damals gab es schon eine extreme Dürre.

Früher waren Dürren anders

Dürren habe es schon immer gegeben, zum Beispiel 1975-1977, betont Samaniego. Charakteristisch war, dass diese Dürren schon im Winter anfingen. Es gab nicht so viel Schnee, so dass die Bodenwasserspeicher sich nicht füllen konnten. Es gab aber damals keine größere Rückkopplung mit der Temperatur. Das heißt, es ist nicht so viel Wasser verdunstet.

Bei der Dürre 2003 sei das aber anders gewesen, weil sie mit einer Hitzewelle verbunden gewesen wäre, so Samaniego. Mit der vorhandenen Energie verdunstete damals zunächst das Wasser und ging in die Atmosphäre. Wenn kein Wasser mehr da sei, gehe die Hitzeenergie in den Boden, es gebe noch mehr Verdunstung und mache den Boden heißer. Wenn keine Verdunstung mehr möglich sei, gehe die Energie zurück in die Atmosphäre als sensible Wärme. Abläufe, die sich gegenseitig verstärkten und sehr komplex seien.

Trockene Sommer werden normal

Luis Samaniego vermutet, dass dies alles nur der Anfang ist. Diese Sommer würden zur Normalität werden in Europa mit all ihren Folgen.

Wir werden am Ende weniger Wasser zur Verfügung haben. Das ist ein Problem.
Luis Samaniego

Unsere Pflanzen seien solchen Verhältnissen nicht gewachsen. Sie ertrügen keine längeren Dürreperioden. Das heiße, ohne Bewässerung werde es in Deutschland und ganz Kontinentaleuropa nicht weitergehen. Das werfe große politische Fragen auf, die diskutiert werden müssten. Große Wasserreservoirs gebe es auch nicht mehr.

Beispielsweise seien in Spanien die Speicher fast alle leer, vor allem auch wegen der hohen Verdunstung und weniger Zufluss. Samaniego plädiert für neue Strukturen. Das Wasser müsse geschützt werden, beispielsweise in Kavernen. Der Wissenschaftler rechnet in 10 bis 20 Jahren mit großen Schwierigkeiten, wenn die Politik nicht sofort reagiere. Es gebe heute schon Orte wie beispielsweise in seiner Heimat Ecuador, wo die Menschen durch den Wassermangel nichts mehr machen könnten und emigrieren müssten.

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Landwirtschaft muss reagieren

Die jetzige Form der Landwirtschaft müsse überdacht werden. Die Strukturen aus den fünfziger Jahren funktionierten nicht mehr. Es bräuchte andere Technologien wie zum Beispiel die Tröpfchenbewässerung, wie es sie schon seit Jahrzehnten in Israel und anderen Orten gibt.

Samaniego bezeichnete die Vorgänge als "sozioökonomische Dürre". Man müsse Geld zur Verfügung stellen, um Änderungen in Gang zu bringen. Deutschland sei eine reiche Nation. Das Land könne etwas machen, andere nicht. Das Thema sei letztendlich so komplex mit großen Auswirkungen. Ohne Wasser könne man nicht mehr so viele Tiere halten wie jetzt, denn es gebe Probleme mit Mais und Soja.

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Nahrungsketten geraten durcheinander

Es habe auch Auswirkungen beispielsweise auf Insekten und Mikroben. Die ganzen Nahrungsketten gerieten durcheinander. Ganz zu schweigen von den technischen Folgen wie zum Beispiel bei der Kühlung von Kraftwerken.

"Für mich war es keine Überraschung, dass es so schlimm ist, aber überrascht hat mich, dass es so schnell kommt", sagt Professor Luis Samaniego. Alles stehe auf dem Prüfstand und vieles wird sich in der Landwirtschaft und im täglichen Leben ändern müssen.

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