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Interview

Gärtnern im Klimawandel : "Laubbaum statt Sonnenschirm setzen"

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Um unsere Gärten an den Klimawandel anzupassen, müssen sie vielfältiger werden, sagt Gartenexperte Norbert Griebl. Er plädiert für mehr Wildwuchs und Laubbäume statt Sonnenschirme.

Norbert Griebl
Norbert Griebl erklärt, wie Vielfalt im Garten aussehen kann.
Quelle: Privat

ZDFheute: Hitze und Trockenheit machen vielen Pflanzen zu schaffen. In Teilen Deutschlands sind die Böden fast zwei Meter tief ausgetrocknet. Können Gärtnerinnen und Gärtner dagegen einfach "angießen"?

Norbert Griebl: Ich glaube, dass wir die Herausforderungen des Klimawandels anders angehen müssen. Wir haben in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch zu viele Gärten, die Prunkstücke sein sollen, um Nachbarn und Gäste zu beeindrucken.

Wir müssen wegkommen von diesen 'gschleckten Gärten' mit englischem Rasen, Thujahecke und einem Rosenstock, die mit einem lebendigen Garten wenig zu tun haben. Statt englischem Rasen oder gar Schotter braucht es viel mehr Pflanzen - am besten in drei Schichten, mit Bäumen, Sträuchern und Blumen.

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ZDFheute: Auf kleinen Flächen hat nicht jeder Gärtner alle Möglichkeiten. Was dann?

Griebl: Auch auf kleinen Flächen geht viel mehr als manch einer denkt. Bei nur einer Pflanzschicht darf man sich nicht wundern, wenn der Boden rasch austrocknet. Noch heftiger ist es auf Schotterflächen: Die Steine erhitzen sich so stark, dass es unerträglich wird für die paar Pflanzen, die es da vielleicht noch gibt. Viel besser ist es, eine pflanzliche Vielfalt zuzulassen. Und bitte den Garten nicht übertrieben pflegen!

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ZDFheute: Sie plädieren für Wildwuchs?

Griebl: Der Garten darf kein verlängertes Wohnzimmer sein. Im Garten soll sich was abspielen, da sollen verschiedenste - auch wild aufgegangene Pflanzen - ihren Platz haben dürfen. Das zieht wiederum verschiedenste Tierarten an. Wenn wir die pflanzliche Vielfalt fördern, haben wir im Garten oft ein besseres Programm als im Fernsehen. (lacht)

ZDFheute: Welche Vorteile hat die pflanzliche Vielfalt zudem?

Griebl: Sie macht die Gärten resistenter. Jede Pflanze schützt eine benachbarte Pflanze. Durch die Verdunstungskälte, die sie abgeben, macht die Pflanze das Kleinklima kühler und feuchter und dadurch helfen sich die Pflanzen untereinander. Generell gilt: Jegliche Pflanzen helfen, dass der Boden geschützt wird und das Leben darin intakt bleibt.

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ZDFheute: Wie können wir mit einfachen Mitteln für ein besseres Mikroklima rund ums Haus sorgen?

Griebl: Das gelingt, indem wir zum Beispiel statt einem Sonnenschirm einen Laubbaum in den Garten setzen. Laubbäume sind für mich das Nonplusultra. Der Baum kostet nicht die Welt, bewirkt aber ausgesprochen viel. Wer einen Baum so setzt, dass der sich in alle Richtungen schön ausbreiten kann, hat für das Kleinklima und den ganzen Garten mitsamt der Insektenwelt etwas Großartiges geschaffen. 

ZDFheute: Wie wichtig sind Wasserstellen im Garten?

Griebl: Es muss kein großer Teich sein - jeder kleine Tümpel ist wertvoll fürs Kleinklima und verbessert die Luftfeuchtigkeit. Kleine Wasserstellen helfen Insekten und Vögeln zudem in Hitze- und Trockenzeiten.

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ZDFheute: Viele Menschen haben ihre Gärten liebevoll gestaltet und sehen nun, wie bestimmte Pflanzen in ausgedehnten Trockenphasen zunehmend unter Stress geraten. Was raten Sie da?

Griebl: Pflanzen, die es kühler und feuchter mögen, wie Rhododendren oder Hortensien, sind bei uns Verlierer des Klimawandels - vor allem in größeren Städten, die sich stärker aufheizen. Ich möchte nicht dazu aufrufen, die Pflanzen auszureißen. Aber wir Gärtner müssen uns angesichts von extremeren Bedingungen stärker fragen: Habe ich für die Pflanzen die richtige Lage, den benötigten Schutz, geeigneten Boden? Eine Hortensie, die auf Sandboden brennender Sommersonne ausgesetzt ist, hat es sehr schwer.

Die gleiche Hortensie im Schatten eines Baumes oder Strauches in einem Boden, der die Feuchtigkeit gut hält, fühlt sich dagegen wohl und kann uns noch lange Freude bereiten. Manchmal reicht das Pflanzen eines Gehölzes und das benötigte Kleinklima kommt wieder ins Gleichgewicht. Denjenigen, die einen Garten neu anlegen, rate ich, Pflanzen zu setzen, die optimal an den Standort angepasst sind. Denen müssen wir nur beim Anwachsen helfen. Danach können sie sich selbst überlassen werden.

Mit einer bewussten Auswahl für die richtigen Pflanzen, kann aber schnell eine Oase für etliche kleine Tiere entstehen.

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Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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