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Kühlen, bis es immer heißer wird

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Klimakiller Klimaanlage - Kühlen, bis es immer heißer wird

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Nie mehr Schwitzen in den eigenen vier Wänden: Klimaanlagen liegen im Trend. Doch der Boom heizt den Klimawandel an - durch Energieverbrauch und schädliche Kältemittel.

Seit dem Hitzesommer 2018 lassen sich immer mehr Deutsche Klimaanlagen einbauen. Doch das steigert den Stromverbrauch und trägt so zur Erderwärmung mit bei.

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Bei Klimaanlagen-Monteur Panagiotis Serpetzis läuft das Telefon heiß. Seit dem Hitzesommer 2018 kommt er mit den Aufträgen für Wohnungen und Häuser kaum nach. "Ab Auftragseingang müssen sich Kunden auf bis zu drei Monate Wartezeit einstellen", sagt der Chef der Wiesbadener Firma Kriotec. "Das liegt zum einen an unseren Kapazitäten, zum anderen aber auch an den Lieferkapazitäten der Hersteller."

Höhere Nachfrage durch Corona

Auf 20 Prozent schätzt der Fachverband Gebäude-Klima (FGK) das Auftragsplus im Jahr 2018, für das Jahr darauf auf 15 Prozent. Und 2020? "Die Nachfrage ist noch ein bisschen weiter gestiegen während der Corona-Krise", so Serpetzis. Wer zu Hause bleiben muss, wolle es sich dort schön machen, vermutet er. "Und da investiert man vielleicht eher in eine Klimaanlage." Derzeit haben nach Schätzungen des Umweltbundesamtes etwa 1,65 Millionen deutsche Haushalte Klimageräte. Das sind etwa drei Prozent. Bis 2030 könnte sich der Bestand verdreifachen.

Ein Boom, der Folgen hat, denn die Geräte fressen Strom. Und der kommt zu einem großen Teil aus Kohle- oder Gaskraftwerken. "Es ist heiß draußen wegen der Klimakrise", so Danny Püschel vom Naturschutzbund Nabu.

Ich kühle, verbrauche damit mehr Energie, verursache damit noch mehr CO2, was noch mehr zum Klimawandel beiträgt. Das ist ein Teufelskreis, den wir damit weiter befeuern.
Danny Püschel, Nabu

Kältemittel als Problem

Ein weiteres Problem sind die in den Anlagen enthaltenen Kältemittel. Sie nehmen in einer gängigen Split-Klimaanlage die Wärme auf und transportieren sie nach draußen. Normalerweise ein geschlossener Kreislauf. Wenn die Anlage "fachgerecht eingebaut worden ist, dann ist sie dicht und dann kann das Kältemittel auch nicht in die Atmosphäre entweichen", sagt Montage-Profi Serpetzis.

Beim Umweltbundesamt werden solche Beteuerungen allerdings bezweifelt. Im Schnitt entwichen bei jeder Split-Klimaanlage im Jahr etwa fünf Prozent des Kältemittels, erklärt Dr. Daniel de Graaf. Bei der Befüllung, im Betrieb durch Lecks, bei der Wartung und der Entsorgung. "Auch der fachmännische Einbau kann leider manchmal Emissionen nicht verhindern", so der Wissenschaftler. "Das summiert sich." Auf bis zu 7,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent im Jahr 2017.

Klimaschädlicher als CO2

Und die Kältemittel - meist so genannte teilfluorierte Kohlenwasserstoffe - haben es in sich. Das gängigste Mittel R410a ist gut 2.000-mal klimaschädlicher als CO2. EU-Gesetze haben dazu geführt, dass mittlerweile das Kältemittel R32 Standard ist. Das ist zwar klimafreundlicher, aber immer noch 675-mal so schädlich wie CO2.

Technisch sei der Einsatz natürlicher Kältemittel wie Isobutan längst möglich, sagt de Graaf. "Ein gutes Beispiel ist Indien. Dort gibt es einen Hersteller, der an die eine Million Split-Klimageräte in Indien schon verbaut hat mit dem Kältemittel Propan." In der EU und in Deutschland allerdings konnten sich diese Anlagen bisher nicht durchsetzen - vielleicht deshalb, weil Herstellung und Einbau etwas aufwändiger sind.

Lüftung und Rollos statt Technik

Nabu-Experte Püschel ist sich ohnehin sicher: In deutschen Häusern und Wohnungen sind Klimaanlagen überflüssig. Mit Beschattung, außenliegenden Rollos und einer guten Querlüftung sei das Problem meist in den Griff zu kriegen. Wichtig seien beim Neubau gute Dämm- und Baumaterialien. "Alles, was gegen die Kälte im Winter hilft, hilft auch gegen die Hitze im Sommer."

Und noch einen Kniff hat der Energieexperte: Pflanzen statt Pflastersteine oder Schotter rund ums Haus spenden nicht nur Schatten, sondern auch Kühle, indem sie Wasser verdunsten. "Die Natur hat die meisten Techniken längst schon entwickelt, bevor wir dazu kamen", sagt Püschel.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion

Die "planet e."-Dokumentation "Klimakiller Klimaanlagen" können Sie hier sehen:

Immer mehr Deutsche kühlen ihre Wohnräume mit stromfressenden Geräten. Und das hat Folgen: Denn der Kälte-Boom heizt die Erderwärmung weiter an.

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