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Junge Menschen zur Klimakrise - 75 Prozent: "Die Zukunft ist beängstigend"

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Zukunftsangst und verminderter Kinderwunsch: Junge Menschen sorgen sich über die Klimakrise - mit psychischen Folgen. Das zeigt eine internationale wissenschaftliche Studie.

Ein Mädchen spielt mit Sand während einer Protestaktion des Cornwall Climate Youth Alliance in Partnerschaft mit Fridays for Future und Climate Live am Gyllyngvase Beach in Falmouth am Rande des G7-Gipfels in Cornwall am 11.06.2021
Zwei Drittel der jungen Menschen gab an, sich angesichts der Klimakrise ängstlich zu fühlen.
Quelle: Reuters

Mehr als die Hälfte der Kinder und jungen Erwachsenen hat Angst vor der Klimakrise - so sehr, dass es ihren Alltag negativ beeinflusst. Zu diesem Schluss kommt die bisher größte wissenschaftliche Studie zu "Klimaangst" bei jungen Menschen. Danach machten sich fast sechs von zehn jungen Menschen (59 Prozent) im Alter von 16 bis 25 Jahren große oder extreme Sorgen über den Klimawandel.

Die Auswertung beruht auf den Befragungen von 10.000 Kindern und Jugendlichen aus zehn verschiedenen Ländern, darunter Brasilien, Frankreich, Großbritannien und die USA. Am Dienstag wurde die Studie vor einem internationalen Publikum vorgestellt, in einer Peer Review überprüft und soll im Fachmagazin "Lancet Planet Health" erscheinen.

Die Ergebnisse liegen ZDFheute vor der Veröffentlichung vor - ein Überblick:

Großteil der jungen Menschen hat Zukunftsangst

75 Prozent stimmten der Aussage "Die Zukunft ist beängstigend" zu, mehr als die Hälfte (55 Prozent) meint, sie hätten weniger Chancen als ihre Eltern. Fast die Hälfte (45 Prozent) gab an, sich in Bezug auf das Klima in einer Weise beunruhigt oder besorgt zu fühlen, die ihr tägliches Leben und ihre Funktionsweise beeinträchtige. Das geht laut der Studie auch mit psychischen Probleme einher.

56 Prozent der Befragten glauben, dass die Menschheit "dem Untergang geweiht" sei. Zwei Drittel gaben zudem an, sich traurig und ängstlich zu fühlen. Viele empfinden Angst, Wut, Verzweiflung, Trauer und Scham..

Der negative Blick in die Zukunft beeinflusst auch persönliche Entscheidungen: Vier von zehn Menschen zwischen 16 und 25 Jahren (39 Prozent) weltweit sind unschlüssig, ob sie aufgrund der Klimakrise Kinder bekommen sollen. In Brasilien war der Wert besonders hoch. Dort zögern fast die Hälfte (48 Prozent) der Befragten, Kinder zu bekommen.

Befragte: Verantwortung liegt auch bei den Regierungen

Verantwortlich für diese Angst sei laut den Befragten auch das Nichtstun der eigenen Regierungen: Knapp zwei Drittel (65 Prozent) sind der Meinung, dass Regierungen nicht genug tun, um eine Klimakatastrophe zu verhindern. Eine ähnliche Zahl (67 Prozent) ist der Auffassung, die Regierungen würden sie, den Planeten oder zukünftige Generationen nicht schützen. Und 58 Prozent der Befragten fühlen sich von der älteren Generation und den Regierungen betrogen.

Fast die Hälfte (48 Prozent) derjenigen, die angaben, mit anderen über den Klimawandel gesprochen zu haben, fühlen sich ignoriert oder abgewiesen.

Dr. Stephan Heinzel, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie sagt im Gespräch mit ZFheute zu den Daten: "Die Studie zeigt unmissverständlich, dass die Klimakrise weltweit junge Menschen psychisch stark belastet und massive Zukunftsängste schürt."

Ohne angemessenes politisches Handeln gegen die Klimakrise steht die psychische Gesundheit einer ganzen Generation auf dem Spiel.
Stephan Heinzel, Klinische Psychologie und Psychotherapie

Ende August stellte bereits Unicef fest, dass Kinder und Jugendliche weltweit die Hauptlast der Klimakrise tragen, wobei eine Milliarde Kinder durch die Auswirkungen des Klimawandels "extrem gefährdet" sind:

Kinder trinken in Somalia Wasser aus einem Wasserrohr.

Klima-Risiko-Index von Unicef - Klimawandel gefährdet eine Milliarde Kinder 

Nach Unicef-Schätzungen ist fast jedes zweite Kind auf der Welt durch die Folgen der Klimakrise "extrem stark gefährdet". Das UN-Hilfswerk mahnt die Regierungen zum Handeln.

Studienautorin: "Umfrage zeichnet erschreckendes Bild"

"Ich bin mit der Angst aufgewachsen, in meinem eigenen Schlafzimmer zu ertrinken. Die Gesellschaft sagt mir, dass diese Angst eine irrationale Angst ist, die überwunden werden muss", sagte Studienteilnehmerin Mitzi Tan, 23, aus den Philippinen. "Um unserer wachsenden Klimaangst wirklich zu begegnen, brauchen wir Gerechtigkeit."

Caroline Hickman, Co-Leiterin der Studie stellte bei der Vorstellung der Studie fest, dass sie ein "erschreckendes Bild der weit verbreiteten Klimaangst bei jungen Menschen" zeichne. Es deute erstmals darauf hin, dass ein hohes Maß an psychischer Belastung bei Jugendlichen mit der Untätigkeit der Regierungen zusammenhänge.

Die Angst unserer Kinder ist eine völlig rationale Reaktion angesichts der unzureichenden Reaktionen der Regierungen auf den Klimawandel. Was müssen Regierungen noch hören, um Maßnahmen zu ergreifen?
Caroline Hickman, University of Bath
Kleiner Eisberg in der Antarktis

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