Sie sind hier:

Umstellung von Gewohntem - Klimakrise: In welcher Phase stehen Sie?

Datum:

Den Kopf beim Thema Klimawandel in den Sand stecken oder selbst etwas tun? Viele Menschen tun sich schwer damit. Und durchlaufen mehrere Phasen, bevor sie etwas ändern.

Gletscher in der Schweiz werden mit weißen Decken vor Abschmelzen geschützt
Die Menschheit muss angesichts der Erderwärmung samt schmelzender Gletscher handeln. Das macht auch Angst.
Quelle: dpa

Die Erderwärmung ist kaum noch aufzuhalten. Die Folge werden extremere Wetterereignisse sein - und das laut Weltklimarat schon in wenigen Jahren. Um unsere Welt zu retten, verabschieden wir uns von vielen Freiheiten. Das macht Angst.

Viele Menschen durchlaufen gerade einen Prozess, der dem Prozess der Trauer ähnelt: Vom Leugnen über intensive Gefühle, der Suche nach Lösungen bis zum Finden eines Platzes in der neuen Welt. Psychologin Professor Myriam Bechtoldt ist Mitglied bei der Organisation Psychologists for Future (Psy4F). Sie sagt: "In Gruppen finden die Menschen Halt und die Macht, etwas zu verändern."

Klimaschutz ist Menschenrecht. Weltweit lassen Urteile auch von höchsten Gerichten aufhorchen. Die Spielräume, nichts gegen die Erderwärmung zu tun, schrumpfen rapide.

Beitragslänge:
28 min
Datum:

1. Phase: Nicht-Wahrhaben-Wollen

Im Peoples' Climate Vote der Vereinten Nationen unterstützten nur zwei Drittel der Befragten die Aussage, die Welt stehe vor einem "globalen Notfall". Bechtoldt sagt dazu: "Menschen streben nach kognitiver Konsonanz." Damit ist die Freiheit von inneren Spannungen gemeint. Als Beispiel nennt sie den CO2-Ausstoß: Dieser trägt zur Erderwärmung bei. Gleichzeitig fahren viele Menschen regelmäßig Auto und stoßen CO2 aus. "So entsteht für diejenigen, die Auto fahren, kognitive Dissonanz. Und die fühlt sich unangenehm an."

Um das eigene Verhalten zu ändern, müssten jedoch oft Jahrzehnte alte Gewohnheiten aufgebrochen werden. Einfacher sei es, am eigenen Beitrag zum Klimawandel zu zweifeln: "Verneinung und Verleugnung sind Strategien, um die Dissonanz aufzulösen und das schlechte Gewissen loszuwerden." Auch Trotz kann entstehen, wenn geliebte Gewohnheiten verboten werden sollen, zum Beispiel durch Tempolimits.

Ein Forscherteam warnt vor einer steigenden Zahl von Extremwetterereignissen infolge des Klimawandels. Ein Drittel der Landfläche werde dagegen trockener, heißt es in der Studie.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

2. Phase: Aufbrechende Emotionen

Auch unangenehme Gefühle wie Wut und Angst können nützlich sein: "Emotionen teilen uns mit, dass etwas von Bedeutung ist und motivieren zum Handeln", sagt Bechtoldt. Ein mittleres Maß an emotionaler Aktivierung sei leistungsförderlicher als zu wenig oder zu viel davon.

Im Angesicht des globalen Klimawandels fühlten sich Bechtoldt zufolge jedoch viele überfordert: "In der Psychologie sprechen wir von fehlender Selbstwirksamkeit." Wer diese Gefühle bewusst wahrnehme, könne sich im nächsten Schritt Verbündete suchen, um gemeinsam zu handeln.

Wasserfluten, Waldbrände, Hitzewellen: Der Weltklimarat IPCC warnte kürzlich erneut vor einer weiteren Erderwärmung, wenn nicht umgehend der Ausstoß von Treibhausgasen verringert würde.

Beitragslänge:
28 min
Datum:

3. Phase: Suchen und Sich-Trennen

Das eigene Verhalten zu ändern fällt grundsätzlich leichter, wenn sich soziale Normen ändern. Dazu tragen Gesetze bei, sagt Bechtoldt.

Auch die Gurtpflicht im Auto habe Menschen in ihrer Freiheit beschränkt, die politische Entscheidung habe jedoch Leben gerettet. "Mit dem Gesetz änderte sich die soziale Norm, also die gesellschaftliche Vorstellung von richtig und falsch. Das gibt Orientierung und entlastet den Einzelnen." Denn Menschen definierten sich auch über soziale Gruppen, die in bestimmter Weise handeln und denken und denen sie sich zugehörig fühlen wollten.

4. Phase: Neuer Selbst- und Weltbezug

Extreme Wetterereignisse werden wahrscheinlich normal werden. Sie abzumildern verlangt nach gemeinsamer Anstrengung. "In der öffentlichen Diskussion darüber geht es vor allem darum, dass wir uns werden einschränken müssen", sagt Bechtoldt. Von Einschränkungen fühlen sich Menschen bedroht, deshalb rät Bechtoldt zu positiven Visionen: "Wir wollen in Städten mit gut funktionierendem öffentlichen Nahverkehr leben, in denen die Luft sauber ist und in denen Kinder sicher auf der Straße unterwegs sein können."

Und statt von den Kosten der Anpassung zu sprechen, könnten Investitionen in den Klimaschutz auch wie eine gesellschaftliche Versicherung gegen die Folgen der Erderwärmung verstanden werden, so wie private Haushalte Versicherungen unterhalten. "Vorbereitet zu sein ist positiv besetzt; Menschen wollen vorbereitet sein", sagt Bechtoldt. Das könne den Gefühlen von Angst und Ohnmacht entgegenwirken und zum Handeln in der Gemeinschaft motivieren.

Die Taiga steht in Flammen. Auch Russland bleibt von extremen Wetterereignissen nicht verschont. In Sibirien ist man Waldbrände eigentlich gewohnt. Diesmal bringt das Ausmaß der Verwüstung Mensch und Natur an die Grenzen des Ertragbaren.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.