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Alarm im Meer: Grüne fordern mehr Klimaschutz

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Nord- und Ostsee immer wärmer - Alarm im Meer: Grüne fordern mehr Klimaschutz

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Höhere Meerestemperaturen um ein, zwei Grad können aus menschlicher Sicht wenig erscheinen. Für Fische und Pflanzen sind sie ganz entscheidend. Die Grünen fordern mehr Klimaschutz.

Klimawandel in der Ostsee

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"Besonders erschreckend sind die Zahlen in 20 Metern Tiefe", sagt Steffi Lemke, Agrar-Expertin der Grünenfraktion im Bundestag. Die Nordsee ist in tieferen Schichten um 1,6 Grad und die Ostsee um 1,9 Grad wärmer geworden, bestätigt die Bundesregierung Lemkes Anfrage.

Im Betrachtungszeitraum (1980 bis 2015) sind die Hitzesommer der vergangenen zwei Jahre noch nicht mal enthalten. Bedenklich findet Lemke auch, dass sich die Meere in den Wintermonaten nicht mehr abkühlen.

Je schneller die Erwärmung, desto schlimmer

Die Erwärmung der Meere hängt von der Lufttemperatur in der Atmosphäre ab. Das wäre auch bei heißen Sommern kein Problem, wenn die Luft nicht zusätzlich durch die Treibhausgase erhitzt werden würde.

Über die letzten Jahrzehnte haben die Ozeane ca. 90 Prozent der zusätzlichen Wärme aufgenommen, was dann zu einer Erhöhung der Wassertemperatur geführt hat.
Meeresbiologe Dr. Flemming Dahlke vom Alfred-Wegener-Institut (AWI)

sagt Meeresbiologe Dr. Flemming Dahlke vom Alfred-Wegener-Institut (AWI).

Laut Greenpeace geht es den Ökosystemen der Nord- und Ostsee so schlecht wie nie zuvor. Schuld an den schrumpfenden Fischbeständen sei vor allem die Plünderung der Meere.

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Der Temperaturanstieg erfolge in der Nord- und Ostsee aber etwa doppelt so schnell wie im globalen Mittel, was den Ökosystemen und einzelnen Fischarten das Überleben erschwert. Sie bräuchten viele Generationen, um sich dem Wandel anzupassen. Gelingt es also nicht, die Treibhausgase bis zur Jahrhundertwende zu reduzieren, droht der Nord- und Ostsee eine Erwärmung um vier bis fünf Grad, 60 Prozent der Fischarten wären gefährdet.

Speichereffekt mit schweren Folgen

Die Meere haben die Klimakrise ein wenig aufgefangen. "Wenn wir den Speichereffekt nicht hätten, wäre die Atmosphäre jetzt schon viel heißer", sagt Lemke. Wie lange das noch gelingen kann, ist Gegenstand der Forschung. Doch schon jetzt steht fest: Je mehr die Meere die Wärme aus der Luft aufnehmen, speichern und nach unten weiterreichen, desto stärker die Veränderungen für die Tier- und Pflanzenwelt.

Während der Paarungszeit und als Embryonen sind Fische sehr empfindlich. Das kann ihnen bei steigenden Wassertemperaturen aufgrund des Klimawandels zum Verhängnis werden.

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Für Kabeljau und Seelachs wird es zu warm in der Nord- und Ostsee. "Sie wandern jetzt schon in nördliche oder tiefere Gewässer ab, wo es deutlich kühler ist", sagt Dahlke. Dafür fühlen sich mediterrane Arten wie Sardellen und Wolfsbarsch angezogen.

Dazu kommt das vielschichtige Problem der Algen. Sie wachsen vermehrt bei höheren Temperaturen, was in Küstengebieten noch durch das Einbringen der Nährstoffe aus der Landwirtschaft begünstigt wird.

Die Meere speichern große Mengen Kohlendioxid, dadurch steigt der Säuregrad des Meerwassers. Das ist nicht nur für viele Meeresbewohner eine Katastrophe.

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Sterben die Algen ab, werden sie auf dem Meeresboden von Mikroorganismen zersetzt. Der Prozess benötigt viel von der Mangelware Sauerstoff, der dann anderen Lebenswesen fehlt. "Das kann in bestimmten Gegenden zu sauerstofffreien sogenannten Todeszonen führen, wo es dann auch zum Fischsterben kommen kann", sagt Dahlke.

Fische werden Klimaflüchtlinge

"Wir müssen schneller und mehr Klimaschutz betreiben, wenn wir diese gravierenden ökologischen Veränderungen abbremsen wollen", so die Forderungen von Lemke. Das Zurückziehen der Fische hat Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette. Dafür müssen vor allen in den Meeren Null-Nutzungszonen ausgewiesen werden, wo weder gefischt noch Kies abgebaut noch die Marine aktiv sein darf.

Dahlke macht Hoffnung. Er verweist auf Erfolge, wo sich in Schutzzonen Maßnahmen der Fischereiregulation bemerkbar machen und sich Lebensräume und Population erholen konnten.

Er verweist jedoch auch auf den steigenden Erwärmungstrend in der Nord- und Ostsee. Im letzten Jahr konnte man im Golf von Alaska die Hitzewelle beobachten, die bei einer Erhöhung der Wassertemperatur um genau fünf Grad zu einem Fisch- und Vogelsterben geführt hat. "Diese Warnsignale sollten wir unbedingt ernst nehmen, weil wir Gefahr laufen, unsere Ökosysteme enorm zu schädigen", mahnt Dahlke.

Ein Fischkutter kommt im Hafen von Lübeck-Travemünde an.

Meereswelt verändert sich -
Nord- und Ostsee werden wärmer
 

Nord- und Ostsee werden immer wärmer. Die Grünen warnen vor dramatischen Veränderungen.

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