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Extremwetter werden bleiben - Schneller Klimaschutz ist Phantasie

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Nun sind alle hellwach. Die aktuelle Flutkatastrophe ist für Politiker offenbar ein Weckruf. Nun endlich müsse Klimaschutz umgesetzt werden. Schnell hilft das allerdings nicht.

Kommentar: Volkers Angres zum Extremwetter
Volker Angres, Leiter der ZDF-Umweltredaktion, kommentiert die Klimaschutz-Politik.
Quelle: ZDF/dpa

Die allerschlechteste Nachricht zuerst: Selbst wenn Deutschland, Europa, ja alle Länder unserer Erde ab morgen klimaneutral wirtschaften würden, selbst dann müssten wir noch 50, vielleicht 70 Jahre mit den Auswirkungen der Erderwärmung rechnen. Die atmosphärische Lebensdauer von CO2 beträgt rund 1.000 Jahre.

Die globale Erwärmung hängt wesentlich von der angesammelten CO2-Gesamtmenge ab. Zudem ist das globale Klimasystem träge, das heißt, es reagiert nur sehr langsam auf Veränderungen. Und wenn es sich dann in Dekaden stabilisieren sollte, weiß niemand, auf welchem Temperatur-Niveau.

Dirk Steffens ist sauer auf die Politik. Bei Markus Lanz sagt er, dass sie es versäumt habe, Natur- und Umweltpolitik voran zu treiben.

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Zu spät für schnellen Klimaschutz

Dass es für schnellen, wirksamen Klimaschutz längst zu spät ist, blenden Politiker, gleich welcher Couleur, regelmäßig aus. Dafür überbieten sie sich - man muss sagen: mal wieder -  mit dramatischen Klimaschutzforderungen. Da geht es zum Beispiel um den massiven Ausbau der Windenergie und der Photovoltaik, da geht es um den Einsatz von "grünem" Wasserstoff.

Der soll dann als saubere Energiequelle zum Beispiel für die Stahlindustrie dienen. "Grün" ist das Gas Wasserstoff aber nur, wenn es mit Strom aus erneuerbaren Quellen hergestellt wird. Kleines Problem: Um die deutsche Industrie komplett mit dem Wundergas zu versorgen, würde derzeit der gesamte Ökostrom im deutschen Netz draufgehen. Sehr schlechte Perspektive beispielsweise für noch mehr Elektroautos.

Bayerns Ministerpräsident prescht in Sachen Klimaschutz vor: Mit dem bayerischen Klimagesetz will Söder Deutschland und EU überholen. Das Ziel: Klimaneutralität bis 2040. Die Opposition ist skeptisch: Söders Ziele seien oft nur Ankündigungen.

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Reformbedarf bei Klimamaßnahmen drängt sich auf

Natürlich müssen viele andere Maßnahmen hinzukommen. Unsere Politiker schwelgen in Klimaschutz-Phantasien, wollen Windparks bauen und E-Autos millionenfach auf die Straße bringen. Beispiel Windparks: Von der Planung bis zur Inbetriebnahme muss der Investor gut und gerne sechs Jahre durchhalten. Da drängt sich Reformbedarf auf.

Beispiel E-Autos: So richtig klimaneutral sind sie nicht, im Strommix haben wir keine 50 Prozent sauberen Strom, und wer die Gesamt-Ökobilanz ansieht, merkt, dass auch E-Autos einen erheblichen ökologischen Rucksack (Stichwort: Akku) mitbringen.

Zudem hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kürzlich durchaus überrascht festgestellt, dass sich der Strombedarf bis 2030 rasant nach oben entwickeln wird. Es ist - Stand heute - völlig schleierhaft, wo nach Berechnungen des Bundesverbandes Erneuerbare Energien zusätzliche 174 Terrawattstunden Ökostrom herkommen sollen.

Ein Elektroauto lädt an einer Ladestation.

Elektromobilität - Altmaier: Eine Million E-Autos im Juli  

In Deutschland wird es laut Wirtschaftsminister Altmaier im Juli eine Million Elektroautos auf den Straßen geben. Er erwartet in diesem Jahr zudem eine Rekordförderung für E-Autos.

Steuergelder ohne Klimaschutz-Auflagen

Noch sind es eben Klimaschutz-Phantasien, die Umsetzung dann kostet viele Milliarden Euro. Schade, dass gerade sehr große Summen aus Steuermitteln ausgegeben wurden - für die durch Corona notleidende Wirtschaft. Leider fast ohne Auflagen für den Klimaschutz.

Mehr noch, die Quittung kommt 2023: Nur zwei Prozent der Gelder wurden global für saubere Energien eingesetzt, hat die Internationale Energie-Agentur jetzt berechnet. Und sie schlägt Alarm: Bis 2023 werden die CO2-Emissionen einen neuen Höchststand erreichen, rund 3,5 Milliarden Tonnen mehr, als es sich mit dem 1,5 Grad-Erwärmungslimit verträgt.

CO2-Anstieg ungebremst

Zu den phantastischen Klimaschutz-Erkenntnissen gehört auch der Weckruf, den Markus Söder empfangen haben will. Jedenfalls findet er mit Blick auf die Flutkatastrophe, dass nun Klimaschutz mächtig vorangetrieben werden muss. Populistischer geht es kaum noch: Der Mann war Umweltminister in Bayern. Er weiß genau, dass die CO2-Emissionen seit 1990 um 60 Prozent gestiegen sind und immer noch steigen. Und er weiß, dass die teils 30 Jahre alten Vorhersagen der Klimamodelle nach und nach eingetroffen sind.

Markus Söder am 21.07.2021 in München

Bayern bis 2040 klimaneutral? - Söder: "Alle aus der Komfortzone raus" 

CSU-Chef Markus Söder hat neue Eckpunkte für mehr Klimaschutz in Bayern vorgelegt. Er fordert einen Kohleausstieg bis 2030 und will den Freistaat bis 2040 klimaneutral machen.

Was er womöglich noch nicht weiß: Der kommende Sachstandsbericht des International Panel on Climate Change (IPCC) wird diesen Trend in vollem Umfang bestätigen. Ein Detail: Allein die Erwärmung des Mittelmeers führt bei uns zu deutlich mehr Starkregen. Heute sagte der Klimaforscher Mojib Latif: "Die Menschheit verlässt gerade den klimatischen Wohlfühlbereich. Was dann kommt, kennen wir nicht, daran sind wir nicht angepasst."

Anpassungsmaßnahmen sind das Gebot der Stunde

Womit wir den Bereich der Klimaschutz-Phantasien verlassen und uns der Realität zuwenden. Und die fordert drastische Anpassungsmaßnahmen. Das fängt bei Frühwarnsystemen an und hört bei Umsiedlungen aus Risikogebieten noch lange nicht auf.

Und sie zwingt uns zu der Erkenntnis, dass schon sämtliche Länder der Erde - vor allem auch China, USA, Indien - wirklichen Klimaschutz betreiben müssen. Klimaschutz global: Bisher haben das die UN-Klimakonferenzen nicht geschafft. Es braucht schlicht Umsetzung. Europa muss dafür endlich eine internationale Initiative starten.

Sollten wir eines Tages statt derzeit plus 1,6 Grad (soviel wärmer ist es in Deutschland schon geworden) bei drei oder noch mehr Grad Temperatur-Anstieg landen: Wie es uns dann gehen wird - das auszumalen, dafür reicht sie nicht aus, meine persönliche Klimaschutz-Phantasie.

Selbstversuch: aspekte im Öko-Test. Die erste TV-Sendung mit CO2-Rechner.

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