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Auftragsmörder kennen keine Ausgangssperre

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Corona in Kolumbien - Auftragsmörder kennen keine Ausgangssperre

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Trotz Friedensprozess und Corona: In Kolumbien wird fast alle zwei Tage ein Menschenrechtler ermordet. Auf Hilfe vom Staat warten die Aktivisten bislang vergebens.

Ein Mann geht in Bogota eine leere Straße entlang.
Die Ausgangssperre in Kolumbien wird für viele Aktivisten zur Todesfalle.
Quelle: Jhon Paz/XinHua/dpa

Vor knapp vier Jahren schaute die Welt voller Hoffnung nach Kolumbien: Der fünf Jahrzehnte andauernde Krieg zwischen dem Staat und der linksgerichteten FARC-Guerilla wurde mit einem Friedensvertrag beendet. Die Hoffnung war groß, dass endlich auch die Gewalt aufhört.

Von einigen abtrünnigen FARC-Kämpfern abgesehen, hat sich die Guerilla weitgehend an die Abmachungen gehalten. Sie sitzt inzwischen als Partei im Parlament und setzt auf Argumente statt auf Attentate.

140 Aktivisten seit Jahresbeginn getötet

Dieser friedliche Kurs ist umso bemerkenswerter, weil mehr als 200 ehemalige Guerilleros seit der Unterzeichnung des Friedensvertrages ermordet wurden. Die Hintergründe dieser Verbrechen sind ungeklärt, die meisten Täter weder identifiziert noch verurteilt.

Nach dem Sturz Pablo Escobars sank kurzfristig Kolumbiens Kokain-Produktion. Mittlerweile ist Kolumbien aber wieder zum weltweit führenden Produzenten der Droge aufgestiegen.

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Das gilt auch für das zweite große Problem: Die systematische Ermordung von Menschenrechtlern in Kolumbien. Die Menschenrechtsorganisation INDEPAZ zählte allein in diesem Jahr 140 ermordete Aktivistinnen und Aktivisten. Allein in den vergangenen Tagen wurden erneut mehrere Menschenrechtler getötet, berichten der Indigenen-Verband ONIC, Gewerkschaften und Kleinbauernverbände.

Corona-Ausgangsbeschränkungen entwickeln sich zur Todesfalle

Die Corona-Pandemie und die damit verbundene Ausgangsbeschränkung entwickeln sich für gefährdete Menschenrechtler laut Einschätzung des kirchlichen Hilfswerkes Caritas International zur Todesfalle. "Sie schränkt vor allem die Bewegungsfreiheit der Friedensaktivisten in dramatischer Weise ein. Sie müssen gerade jetzt um ihr Leben fürchten", sagt Caritas-Experte Jonas Brenner:

Allein zwischen März und Mai sind 24 Friedensaktivisten, die sich zu Hause aufhielten, an ihren Wohnorten aufgespürt und umgebracht worden.

Staat wird seiner Verantwortung nicht gerecht

Der linksgerichtete Oppositionspolitiker Ivan Cepeda fordert nun von der konservativen Regierung um Präsident Iván Duque Schutzmaßnahmen für die engagierten Menschenrechtler anstatt einer weiteren Militarisierung.

In Kolumbien ist es erneut zu gewalttätigen Protesten gegen die Regierung gekommen.

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"Die Antwort auf diese Morde kann in keinem Fall eine Militarisierung der Territorien sein, sondern muss die Aufnahme der historischen Forderungen der Gemeinden, soziales Investment und die Umsetzung des Friedensvertrages sein", sagte Cepeda.

Zwar versprach Kolumbiens rechter Präsident Duque in der Vergangenheit immer wieder, die Schutzmaßnahmen zur verbessern, doch die anhaltende Mordserie zeigt, dass der kolumbianische Staat seiner Verpflichtung, die Aktivisten zu schützen, nicht annährend nachkommt.

Ivan Duque, Präsident von Kolumbien. Archivbild
Kolumbiens Präsident Duque wird vorgeworfen, kaum etwas gegen die Gewalt zu tun.
Quelle: Externos/colprensa/dpa

Auch Proteste von Studenten brachten nichts

Ende des vergangenen Jahres war die Forderung nach mehr Schutz für Menschenrechtler ein zentrales Anliegen der vielen Studentendemos im ganzen Land. Zwar versprach Duque auch hier mehr Engagement, doch es gibt praktisch keine Fortschritte.

Die kolumbianische Tageszeitung "El Espectador" reagierte jüngst mit einer besonderen Aktion auf die Morde. Sie veröffentlichte die Namen aller 442 getöteten Menschenrechtler seit der Unterzeichnung des Friedenvertrags 2016. Dafür brauchte sie die Titelseite und weitere drei Innenseiten.

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