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Die Rückkehr der Narcos

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Drogenbosse in Kolumbien - Die Rückkehr der Narcos

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In den 1980er und 1990er Jahren verbreiteten Drogenbosse in Kolumbien Angst und Schrecken. Nun tauchen einige wieder auf. Einer von ihnen, Carlos Lehder, ist jetzt in Deutschland.

Archiv: Verhaftung eines Drogenbosses in Koumbien
Immer mehr ehemalige Drogenbosse sind wieder auf freiem Fuß. Wie geht Kolumbien damit um?
Quelle: AP

Wahrscheinlich wäre die Ankunft von Carlos Lehder (70) in Deutschland nur eine Randnotiz gewesen, hätte der Streamingdienst Netflix mit seiner Serie "Narcos" nicht eine so große Zuschauergemeinde erreicht.

Doch auch die Generation, die die blutige Epoche um den legendären Drogenbaron Pablo Escobar (1949 - 1993) und das Ende seines Medellín-Kartells gar nicht miterlebte, kennt nun Carlos Lehder als rechte Hand von Pablo Escobar.

Carlos Lehder Rivas
Carlos Lehder Rivas (Archivfoto)
Quelle: AP

Diese Woche hat die US-Justiz den Deutschkolumbianer überraschend freigelassen, er wird den Rest seines Lebens nun in Deutschland verbringen.

Seine Ankunft in Deutschland ging durch die Medien und lenkt den Blick auf ein Problem: Immer mehr ehemalige Drogenbosse aus den 1980er und 1990er Jahren haben in den USA oder in Kolumbien ihre Strafe abgesessen und kehren zurück auf die Bildfläche.

Vom Auftragsmörder zum Youtuber

Einer der ersten von ihnen war Jhon Jairo Velásquez, der vor wenigen Wochen im Alter von 57 Jahren an einer Krebserkrankung starb. Er soll zu Lebzeiten mindestens 300 Morde für Escobar verübt haben und galt als sein wichtigster Auftragsmörder.

Im August 2014 wurde er nach 21 Jahren auf Bewährung entlassen, weil er bei der Aufklärung der Taten des Medellín-Kartells kooperierte. Velásquez, den sie in Kolumbien nur Popeye nannten, wurde daraufhin ein Medienstar.

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Er startete einen Youtube-Kanal und berichtete seinen eine Million Followern über seine Zeit als Auftragsmörder. Er verspottete den Friedensprozess im Land und machte sich über jene Kräfte lustig, die eine soziale Veränderung im Land wollten. Den linken Präsidentschaftskandidaten Gustavo Petro bedrohte er via Twitter.

In den nächsten Jahren kommen weitere Figuren aus dieser dunklen Epoche wieder frei. Neben jenen des Medellín-Kartells betrifft dies auch deren Gegenspieler aus dem ebenfalls milliardenschweren Cali-Kartell.

Wie umgehen mit einem der schlimmsten Verbrecher?

Unklar ist auch die Zukunft von Salvatore Mancuso, einem gefürchteten Chef der rechtsgerichteten Paramilitärs, der nicht nur in den Drogenhandel, sondern auch in schwere Menschenrechtsverletzungen verwickelt war. Er hätte eigentlich schon Ende März freigelassen werden sollen, nachdem er seine Haftstrafe in den USA abgesessen hatte. Doch die Corona-Pandemie verhinderte dies bislang.

"Wenn wir unsere Politik im Kampf gegen Drogen nicht ändern, dann werden wir diesen Krieg nie gewinnen", sagt Kolumbiens Ex-Präsident Juan Manuel Santos. "Wir müssen der Mafia das schmutzige Geld wegnehmen." Das Drogenverbot müsse abgeschafft werden.

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In Kolumbien ist nun eine Debatte darüber entbrannt, ob er sich nach einer Rückkehr in sein Heimatland der Sonderjustiz im laufenden Friedensprozess stellen soll oder nicht.

So oder so wird die öffentliche Präsenz Mancuso besonders bei den vielen Opfern Wunden aufreißen. So wie es die mediale Präsenz von "Popeye" bereits bei den vielen Angehörigen von jenen Opfern tat, deren Ermordung "Popeye" selbst anordnete oder durchführte.

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