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Männersache Lokalpolitik - Wo sind die Frauen im Laschet-Foto?

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Weniger als zehn Prozent der Amtsinhaber auf Kreisebene sind Frauen. In der Kommunalpolitik steht es um die Geschlechtergleichheit deutlich schlechter als in der Bundespolitik.

NRW, Castrop-Rauxel: Armin Laschet, Bodo Kimpel und Andreas Hollstein bei der Auftaktveranstaltung des Kommunal-Wahlkampfs der CDU Ruhr.
CDU-Ministerpräsident Armin Laschet stellt Kandidaten seiner Partei am 8. August in Castrop-Rauxel vor.
Quelle: dpa

Ein Foto von einem Wahlkampfauftritt von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sorgt für Erheiterung und Wut im Netz. In einem Waldstück bei Castrop-Rauxel präsentierte Laschet Kandidaten für Bürgermeister- und Landratsämter.

Frauen waren keine darunter und die Männer schienen neben ihren politischen Ansichten auch den Kleidungsstil zu teilen. Laschets "Klontruppen" spotteten einige Internetnutzer und wiesen auf die jüngst von der CDU-Struktur- und Satzungskommission beschlossene Frauenquote von 50 Prozent bis 2025 hin. Die Quote soll zukünftig auch auf kommunaler Ebene greifen, etwa bei Vorstandswahlen auf Kreisebene.

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Weniger als zehn Prozent Frauen unter Landräten und Oberbürgermeistern

Die bissigen Kommentare sind angemessen: In ganz Deutschland sind Frauen in der Kommunalpolitik noch weniger repräsentiert als in der Bundespolitik. Von den insgesamt 294 Landräten und 107 Oberbürgermeistern kreisfreier Städte sind nur 39 Frauen – 28 bei den Landräten und elf bei den Oberbürgermeistern. Das sind weniger als zehn Prozent. Im Bundestag liegt der Frauenanteil bei knapp über 30 Prozent.

Den höchsten Wert hat Thüringen. Von den 17 Landkreisen und sechs kreisfreien Städten werden sechs von Frauen geleitet, also 26 Prozent. In ganz Nordrhein-Westfalen sind es hingegen nur zwei – die Stadt Köln und der Kreis Soest. Das Foto aus Castrop-Rauxel spiegelt also die Realität gut wieder.

Die Bürgermeisterämter in kleineren Städten sind ähnlich ungleich zwischen den Geschlechtern aufgeteilt. Von den 2.031 Bürgermeisterposten in Bayern sind nur 183 von Frauen besetzt, rund neun Prozent, meldete die Nachrichtenagentur dpa im Februar.

Lokalpolitik ist noch immer frauenfeindlich

Gründe dafür gibt es viele. In weiten Teilen Deutschlands ist Kommunalpolitik noch immer Männersache. Oft findet sie ehrenamtlich am Abend statt, wenn sich viele Frauen um Kinder und Haushalt kümmern müssen oder wollen.

Auch der Grundsatz, dass von Männern dominierte Strukturen eher Männer als Kandidaten nominieren, besteht weiter. Allein das Aufstellen einer Frau wird häufig schon als politisches Signal verstanden – und darum oftmals vermieden.

Umgekehrt wird bei Frauen in Ämtern ihr Geschlecht häufig angesprochen. Woche für Woche die gleichen angestaubten Witze über eine Frau, die eine Industriemesse eröffnet, oder beim Dorffest ein Bierfass ansticht. Wenn Lokalpolitikern Hass entgegenschlägt, dann kommt bei Frauen dabei noch eine Portion Sexismus hinzu. All das schreckt viele Frauen ab, solche Ämter anzustreben.

Frauen profitieren, wo Fachexpertise mehr zählt als politische Beziehungen

Eine Perspektive für Veränderung zeigt jedoch die Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen mit ihrem "Genderranking deutscher Großstädte" auf. Dort, wo Fachexpertise in der Lokalpolitik gefragt sei, etwa in Ausschüssen und den einzelnen Dezernaten, hätten Frauen einen deutlich höheren Anteil. Dort, wo Ämter nicht nur nach politischen Gesichtspunkten besetzt werden.

Am 3. September 2019 veranstaltete der Gemeinde- und Städtebund in Mainz den "Ersten Deutschen Frauenkongress kommunal". In einer Resolution forderten die Teilnehmer eine bessere Vereinbarkeit von Amt, Familie und Beruf und mehr sichtbare Vorbilder: "Frauen zögern häufig immer noch länger als Männer, bis sie sich für eine Kandidatur auf ein kommunalpolitisches Amt bewerben", heißt es darin. Netzwerke und Metoring-Programme seien zentral für den Erfolg von Frauen.

Frauen, traut euch Macht zu.
Aufruf des "Ersten Deutschen Frauenkongresses kommunal"

Den Marsch durch die Institutionen haben viele Frauen in der Lokalpolitik also bereits begonnen. An der Spitze sind sie damit aber noch nicht angekommen. Wird die Frauenquote auf dem CDU-Parteitag im Dezember beschlossen, könnten die Tage von Laschets "Klontruppen" allerdings gezählt sein.

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