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Vorsicht, Verwechslungsgefahr! - Auf der Suche nach heimischen Wildkräutern

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Brennnessel, Wegwarte, Gänseblümchen - was als lästiges Unkraut gilt, hat heilende Wirkung und schmeckt gut. Doch wer Kräuter pflückt, muss wissen: Es droht Verwechslungsgefahr.

Sie hilft gegen Fieber, Rheuma oder Rückenschmerzen: Medizin aus der Natur. Immer mehr Menschen setzen in Sachen Gesundheit auf traditionelles Wissen.

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Ende April unterlief einem 48-jährigen Mann aus der Region Landshut in Bayern ein tödlicher Fehler. Der Mann hatte Bärlauch gesammelt, doch statt der leckeren Pflanze pflückte er eine hochgiftige Herbstzeitlose. Aus den Blättern bereitete er eine Sauce zu, die zwar bitter schmeckte, trotzdem nahm er einige wenige Löffel zu sich. Danach verschlechterte sich sein Gesundheitszustand massiv. Die Ärzte konnten das Leben des 48-Jährigen nicht mehr retten.

Herbstzeitlose stehen oft am gleichen Ort wie Bärlauch, die Blätter ähneln sich sehr. Ein weiterer Doppelgänger: das ebenfalls giftige Maiglöckchen. "Man muss sich die Pflanzen sehr zu eigen machen, sie im Jahreslauf beobachten, sie sehr genau kennenlernen", sagt Annika Krause.

Die Pflanzenheilkundlerin aus Berlin bietet Kräuterwanderungen an. Ihren Kundinnen und Kunden empfiehlt sie, sich erst einmal nur einige wenige Pflanzen vorzunehmen, sie genau zu studieren, damit man sie sicher erkennt. Auch der Ort, an dem man sammelt, ist entscheidend für die Genießbarkeit wilder Kräuter.

Orte zum Pflücken und Sammeln

Krause führt eine Gruppe über das Tempelhofer Feld in Berlin – ein guter Ort um Pflanzen kennenzulernen und zu bestimmen. Aber Vorsicht: Zwar wurde der Flughafen schon vor mehr als 10 Jahren geschlossen, trotzdem ist der Boden hier noch mit Kerosin belastet, die Wildkräuter sind nicht genießbar.

Wer sammeln will, sollte auch darauf achten, dass die Stelle nicht mit Tierexkrementen belastet ist. Sie sollte abseits von viel befahrenen Straßen und Mülldeponien liegen. Auch landwirtschaftlich intensiv genutzte Flächen sind kein guter Ort zum Pflücken. Hier können Kräuter und Blumen stark mit Pestiziden und Herbiziden belastet sein. "Wir pflücken Kräuter mitten in Berlin auf einem alten, stillgelegten Friedhof, aber erst nachdem wir uns darüber informiert haben, dass hier nicht gespritzt wird", erzählt Krause.

Schätze am Wegesrand

Auf dem Tempelhofer Feld lassen sich die verschiedenen Heilpflanzen zwar nicht pflücken, aber gut studieren. Etwa die Wegwarte, die überall zu finden ist. Sie ist vergleichsweise leicht zu erkennen an ihren blauen Blüten. Die helfen bei Gicht, Verstopfung und Rheuma. "Die Wurzel ist außerdem inulinhaltig, das ist gut für unsere Darmbakterien", klärt Krause die Teilnehmer auf.

Daneben wächst Löwenzahn, zu Unrecht als Unkraut verschrien. Blätter und Blüten kurbeln den Stoffwechsel an und helfen bei Völlegefühl. Gänseblümchen wirken antibakteriell, etwa gegen Hautausschläge. Und die verhasste Brennnessel ist ein wahres Nährstoffarsenal. Sie enthält Calcium, Vitamin C und Eisen. Das Kraut fördert den Stoffwechsel, hilft bei Frühjahrsmüdigkeit, reguliert den Blutfluss und wirkt belebend.

Zahl der Vergiftungen steigt

Mit dem Interesse an Wildkräutern steigt offenbar auch die Zahl der gefährlichen Verwechslungen in freier Natur, zumindest in Bayern. Durch die Pandemie zieht es die Menschen mehr ins Freie, viele entdecken die Natur vor der eigenen Haustüre neu und kennen sie nicht besonders gut.

Verzeichnete der Giftnotruf München allein zum Bärlauch und seiner Doppelgängerin, der Herbstzeitlosen, im gesamten Jahr 2019 75 Anrufe, so waren es von Februar bis April 2021 bereits 72. Darunter waren laut Toxikologen des Klinikums rechts der Isar auch schwer verlaufende Vergiftungsfälle.

Der Rat von Experten ist daher: wer sich nicht sicher ist, sollte die Pflanzen lieber stehen lassen und nur ihren Anblick genießen.

Über Wildkräuter und ihre Doppelgänger informiert unter anderem der WWF.

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