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"Das hat doch mit Herkunft nichts zu tun"

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Krawallnacht in Stuttgart - "Das hat doch mit Herkunft nichts zu tun"

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Die Ermittlungen der Stuttgarter Polizei zum Migrationshintergrund der Verdächtigten führen zu hitzigen Debatten. Auch der Polizeiforscher Thomas Feltes kritisiert das Vorgehen.

Nach den Krawallen in Stuttgart steht die Polizei in der Kritik: Sie hatte den Migrationshintergrund mehrerer Verdächtiger abgefragt. Spielt die Herkunft überhaupt eine Rolle?

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Die Krawallnacht am 21. Juni in Stuttgart hat eine Debatte über den richtigen Umgang mit Tatverdächtigen entfacht - und deren Herkunft. Für Polizeiforscher Thomas Feltes ist klar: Die Herkunft spielt in diesen Ermittlungen nur eine untergeordnete Rolle.

ZDFheute: Die Stuttgarter Polizei will herausfinden, ob Tatverdächtige mit deutschem Pass einen Migrationshintergrund haben: Inwiefern ist das für die Ermittlungen relevant?

Thomas Feltes: Wir wissen, dass die Herkunft kein entscheidendes Merkmal dafür ist, ob jemand straffällig wird oder nicht. Dafür sind andere soziale Merkmale entscheidend, wie die Wohnsituation, die Lebenssituation oder die Chancen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

ZDFheute: Der CDU-Innenexperte Armin Schuster verteidigte die Polizei. Solche soziologischen Täteranalysen seien "polizeilicher Standard". Wie üblich ist dieses Vorgehen?

Feltes: Natürlich benötigt man solche Informationen in größeren Strafverfahren oder wenn es um Jugendliche und Heranwachsende geht. Das ist aber die Aufgabe der Jugendgerichtshilfe. Genau dafür haben wir im Jugendstrafverfahren diese Institution aus Sozialarbeitern. Aufgabe der Polizei ist es primär, die tatsächlichen Tatabläufe zu ermitteln.

ZDFheute: Rein rechtlich darf die Polizei also nach der Herkunft ermitteln?

Feltes: Sie darf es, aber es ist in meinen Augen im doppelten Maße ungeschickt. Einerseits, das zum jetzigen Zeitpunkt zu tun und damit den Eindruck zu erwecken, dass man eben doch nach Herkunft und Migrationshintergrund schaut, was man ja bislang bestritten hat. Und zum anderen ist es auch deshalb ungeschickt, weil man sich erst mal darauf konzentrieren sollte, was dort eigentlich geschehen ist.

Der Baden-Württembergische Landtag debattiert auf Antrag der SPD über die möglichen Konsequenzen der Krawalle in Stuttgart. In der Nacht zum 21. Juni haben sich dutzende Gruppen Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert.

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ZDFheute: Worauf sollte sich die Stuttgarter Polizei stattdessen konzentrieren?

Feltes: Wir sollten herausfinden, welche Dynamik sich dort ereignet hat. Die Situation war doch so: Vor dem Hintergrund des "Eingesperrt-Seins" über Wochen hinweg hat sich eine gruppendynamische Situation entwickelt, bei der gewisse Elemente von "Freizeitvergnügen" durchaus eine Rolle gespielt haben. Das hat doch mit Herkunft überhaupt nichts zu tun! Darauf muss der Fokus liegen und nicht darauf, wo jemand herkommt und welchen Migrationshintergrund man hat.

ZDFheute: Ein Argument der Stuttgarter Polizei ist auch, dass das Wissen über die Herkunft der jugendlichen Verdächtigen für die Präventionsarbeit wichtig sei.

Feltes: Wenn man generell Jugendliche davon abhalten will, in Zukunft Straftaten in solch einem Kontext zu begehen, dann muss man Jugendarbeit machen. Dort sollte man ansetzen und nicht mit repressiver Polizeiarbeit.

Das Interview führte Johanna Sagmeister. Der Autorin auf Twitter folgen: @JohannaSagt.

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