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AOK-Report - Der Armutsfaktor bei Krebs

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Pro Jahr erhalten etwa 490.000 Menschen die Diagnose Krebs. Ärmere Menschen erkranken deutlich früher als Menschen, die ein höheres Einkommen haben. Das zeigt ein Report der AOK.

Ein Radiologe betrachtet am 8. Dezember 2009 in der Klinik Engeried in Bern Roentgenbilder einer weiblichen Brust
Nur knapp jede zweite anspruchsberechtigte Frau nutzt das Mammografie-Screening.
Quelle: Picture-Alliance/KEYSTONE | GAETAN BALLY

Die Erkenntnis ist nicht neu - bereits im allgemeinen Gesundheitsreport 2021 der AOK Rheinland/Hamburg wird deutlich: Wer arm ist, hat ein höheres Gesundheitsrisiko. Doch wie stark das Risiko, an Krebs zu erkranken, mit dem sozioökonomischen Status verknüpft ist, überrascht dennoch. In einer aktuellen Auswertung der AOK Rheinland/Hamburg, die ZDFheute vorliegt, heißt es:

Männer und Frauen mit niedrigem sozioökonomischen Status erkranken durchschnittlich sieben Jahre früher als Menschen mit höherem sozioökonomischen Status.
Onkologie-Report der AOK Rheinland/Hamburg

AOK beobachtet Kluft bei allen Krebsarten

Dem Onkologie-Report der Krankenkasse zufolge zeigt sich die Kluft zwischen ärmeren und besser gestellten Menschen bei allen Krebsarten und sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Für die Auswertungen zum Alter der Ersterkrankung wurden alle Versicherten der AOK Rheinland/Hamburg betrachtet, die im Zeitraum 2017 bis 2019 erstmalig an Krebs erkrankten. Dies waren laut AOK gut 81.000 Versicherte. "Den Sozialstatus bilden wir durch das Rentennivau ab", erläutert Pressesprecherin Isabella Heller. Für diesen Aspekt wurden also nur die Daten der Rentner und Rentnerinnen ausgewertet.

  • Demnach erkranken Frauen, die mit einer monatlichen Rente von weniger als 800 Euro auskommen müssen, im Schnitt erstmals mit 72,8 Jahren an Brustkrebs. Frauen mit einer Rente über 1.600 Euro sind dagegen im Mittel 80,4 Jahre alt. Liegt das Einkommen dazwischen, ist das durchschnittliche Erkrankungsalter bei 75,7.
  • Ähnlich sieht es bei Männern aus: Rentner mit monatlich unter 800 Euro sind im Schnitt erst 71,3 Jahre alt, wenn sie die Diagnose Darmkrebs erhalten. Bei Männern mit mehr als 1.600 Euro liegt das Erkrankungsalter hingegen bei 77,6 Jahren. Bei Einkommen zwischen 800 und 1.600 Euro ist es bei 73,5 Jahren.

Bei Ärmeren häufen sich die Risikofaktoren

Warum haben Menschen mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status ein höheres Risiko, an Krebs zu erkranken? Als ein sehr wichtiger Faktor für die Entstehung von Krebs gilt - neben genetischen Einflüssen und Umweltbelastungen - ein ungesunder Lebensstil.

Bei ärmeren Menschen häufen sich die Gesundheitsbelastungen und damit die Risikofaktoren für Krebs, andere Erkrankungen und Infektionen, wie die AOK Rheinland/Hamburg bereits in ihrem allgemeinen Gesundheitsreport feststellte. Der Anteil der Raucher und Raucherinnen ist in dieser Bevölkerungsgruppe höher, sportliche Aktivitäten sind weniger verbreitet, während zugleich das Ernährungsverhalten "ungünstiger" ist und Adipositas häufiger vorkommt.

"Zum einen haben sozioökonomisch benachteiligte Bevölkerungsgruppen aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit sowie ihrer Wohn- und Lebensverhältnisse oftmals ein höheres Infektionsrisiko. Zum anderen leiden sie häufiger an Vorerkrankungen und weiteren Faktoren, die schwere Krankheitsverläufe begünstigen", erklärt AOK-Rheinland/Hamburg-Chef Günter Wältermann.

Krebsvorsorge: Auch ein Armutsthema

Sozial schwächer gestellte Menschen Menschen kümmern sich auch weniger um die Krebsvorsorge, wie aus dem Gesundheitsreport hervorgeht. Bezogen auf alle berechtigten Versicherten im erwerbsfähigen Alter nehmen weniger als die Hälfte die Angebote zur Früherkennung wahr - Frauen deutlich häufiger als Männer.

  • So macht nur knapp jede zweite Frau, die Anspruch auf ein Mammografie-Screening hat, auch davon Gebrauch. Bei Arbeitnehmerinnen sind es 54,9 Prozent, während sich nur 43 Prozent der Frauen, die Arbeitslosengeld II beziehen, untersuchen lassen.

Frauen sollten nicht erst ab einem Alter von 50 Jahren zur Brustkrebsvorsorge gehen, sondern "schon als Jugendliche", sagt Wolfgang Janni von der Frauenklinik Ulm.

Beitragslänge:
17 min
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  • Die verschiedenen Angebote zur Krebsvorsorge nutzen im Schnitt nur etwa 20 Prozent der berechtigten Männer. Auch hier spielt der Sozialstatus eine Rolle: 19,8 Prozent der Arbeitnehmer machen die spezielle Krebsfrüherkennung für den Mann, bei den Arbeitslosengeld-II-Beziehern sind es lediglich 14 Prozent.

Gesundheit zu den Menschen bringen

Die Auswertungen legten nahe, so Kassen-Chef Günter Wältermann, dass sich "durch den Abbau sozialer Ungleichheit und die gezielte Stärkung der individuellen Gesundheitsressourcen" die Entstehung von Krebs hinauszögern lasse.

Um sozial schwächeren Bürgern und Bürgerinnen den Zugang zu medizinischen Leistungen zu erleichtern, fördert die AOK Rheinland/Hamburg daher Stadtteil-Projekte wie etwa das Gesundheitsnetzwerk "die Kümmerei" in Köln-Chorweiler oder den "Gesundheitskiosk" in Hamburg-Billstedt.

"Wir möchten für alle Menschen dieselben Gesundheitschancen schaffen", sagt Wältermann. Das dürfte auch im eigenen Interesse der AOK sein.

Mit Material von KNA

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