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Weltkrebstag - Schwesig: Corona macht vor Krebs nicht Halt

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Sie selbst hat ihre Krebserkrankung überstanden und möchte Betroffenen Mut machen. Denn Ministerpräsidentin Schwesig weiß: "Auch noch Angst vor Corona zu haben, ist enormer Druck."

Sehen Sie hier das komplette Interview mit Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Manuela Schwesig

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ZDFheute: Frau Schwesig, der Moment der Diagnose Krebs - was hat das für Sie bedeutet? 

Manuela Schwesig: Die Diagnose Krebs ist eine schlimme Diagnose. Es fühlt sich so an, als ob ein großes Loch aufgeht. Als ich mich einigermaßen von diesem Schock erholt habe, mit Ärzten gesprochen habe, dass es auch Möglichkeiten der Therapien gibt - wenn man in so eine aktive Rolle kommen kann, dann erkennt man, da kann es auch einen Weg geben.   

ZDFheute: Dieser Weg, wie kann der aussehen, wie kann Mann oder Frau am besten mit der Diagnose Krebs umgehen, wie sind Ihre Erfahrungen? 

Es ist ganz wichtig, dass jede und jeder die Freiheit hat, seinen eigenen Weg zu gehen.
Manuela Schwesig

Schwesig: Die einen sind vielleicht eher so, dass sie sich zurückziehen und einigeln, erst mal selbst damit klarkommen möchten. Andere sagen okay, ich sage, was los ist und versuche, damit offen umzugehen. Für diesen Weg habe ich mich entschieden, weil es mir auch immer wichtig war, natürlich auch in einem öffentlichen Amt, den Bürgern reinen Wein einzuschenken, auch in so einer schwierigen Situation. Ganz besonders ist der Moment: Wie sage ich es meinen Kindern.  

ZDFheute: Jetzt haben Sie gesagt, Sie machen das öffentlich. Konnten Sie damit besser umgehen mit diesem Schicksal?  

Schwesig: Für mich hat es sich wie ein Befreiungsschlag angefühlt, als ich dann allen öffentlich gesagt habe, ich habe Krebs und ich habe die Hoffnung, wieder gesund zu werden. Es ist ja nicht so, dass man die Diagnose kriegt und gleich weiß, wie es weitergeht. Es hat lange gedauert, ehe der Fahrplan stand. Die Wochen, die haben mich am meisten belastet. Selber viel Unklarheit zu haben.  

Diagnose Krebs: Wie sage ich es meiner Familie?

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ZDFheute: Sie haben sich entschieden weiterzuarbeiten. Wie haben Sie das gemeistert?  

Schwesig: Ich habe das sehr intensiv mit meinen Ärzten beraten und auch mit der Brustschwester. Bei Brustkrebs gibt es die gute Einrichtung, nicht? Die Einrichtung, die gute Person, die sogenannte Brustschwester, die einen wirklich durch die Therapie begleitet. Das ist absolut Gold wert, kann ich nur jedem sagen.  

Wir haben sehr intensiv beraten, ob eine Therapie mit den Herausforderungen einer Ministerpräsidentin überhaupt vereinbar ist. Ich habe dann ganz klar entschieden, dass ich auch Aufgaben abgeben muss, und habe mich deshalb entschieden, den kommissarischen Parteivorsitz der SPD niederzulegen.

Darmkrebs gehört in Deutschland zu den häufigsten Krebserkrankungen. Meist tritt er bei älteren Menschen auf - doch es kann auch junge Menschen treffen.

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ZDFheute: Hatten Sie ein Vorbild für diesen ganzen Umgang mit der Krankheit?  

Schwesig: Vorbild waren für mich ganz viele Frauen, die das hinter sich gebracht hatten, was zu dem Zeitpunkt vor mir lag. Zum Beispiel eine Lehrerin, die ich gar nicht persönlich kenne, von der aber der Arzt berichtet hat, dass sie auch die Therapie immer zum Freitag gemacht hat, sich am Wochenende ausgeruht hat und dann von Montag bis Donnerstag in der Schule war. Nun bin ich keine Lehrerin, aber es hat mir gezeigt, ja, es gibt viele Frauen, die ihren Job weitermachen wie die Lehrerin, wie Unternehmerinnen. Und dann habe ich mir einfach überlegt, das möchte ich auch so machen.  

Mir hat wahnsinnig geholfen, dass mir viele Frauen geschrieben haben, gemailt haben, auf Instagram, auf Facebook, auch zum Beispiel mich angesprochen haben, wenn ich auf der Straße unterwegs war: "Frau Schwesig, ich habe das auch hinter mir. Das schaffen Sie auch."

  

Das hat wirklich sehr, sehr viel Mut gemacht.
Manuela Schwesig über das Vorbild anderer Frauen

ZDFheute: Dann kam die Pandemie. Was hat sich Ihrer Einschätzung nach durch die Corona-Krise in Sachen Krebsbehandlung geändert?  

Schwesig: Mir war natürlich völlig klar, dass die Corona-Pandemie gerade für Risikopatienten noch mal eine ganz besondere Dimension hat. Auch ich habe während meiner Krebstherapie die Ansage von den Ärzten bekommen: kein Händeschütteln, möglichst Infektionen vermeiden, bloß keine Erkältung. Ich selber habe in dieser Zeit auch schon privat Masken genutzt, wenn zum Beispiel meine Kinder erkältet waren, was ja in einer Kita und Schule ganz schnell vorkommen kann.  

Auswirkungen der Corona-Pandemie für Krebspatient*innen

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Deshalb war mir bewusst, bei der Corona-Pandemie ist der Druck auf Risikopatienten besonders hoch, sich nicht zu infizieren. Und deswegen müssen sich diese Patienten viel stärker auch isolieren. Deshalb verstehe ich auch die große Enttäuschung, dass wir diese Patienten jetzt nicht impfen können. Und deshalb ist es so wichtig, dass wir schnell ausreichend Impfstoff bekommen, damit wir nicht mehr entscheiden müssen zwischen der 80-jährigen älteren Dame, die vielleicht eigentlich noch gesund ist, und dem 50-jährigen Mann, der Krebs hat.

Ganz wichtig ist mir auch den Weltkrebstag zu nutzen, allen Bürgerinnen und Bürgern zu sagen, es ist total wichtig, zur Vorsorge zu gehen. Und ich weiß, dass man sich gerade in der jetzigen Zeit dreimal fragt, muss ich jetzt zum Arzt, muss ich jetzt eine Untersuchung machen. 

  

Es ist aber so wichtig, weil wenn man Krebs frühzeitig erkennt, ist die Heilungschance viel, viel größer, als wenn es zu spät ist.
Manuela Schwesig

Und deshalb gilt auch jetzt in der Corona-Zeit: Vorsorgetermine wahrnehmen. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Nachsorge.  

Untersuchungen zur Früherkennung oder Abklärung sollten trotz der Pandemie nicht aufgeschoben werden.

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ZDFheute: Was könnte man dagegen tun, dass jetzt nicht alle ihre Vorsorge verschieben?  

Schwesig: Ich glaube, dieser Appell ist schon wichtig. Krebs ist die Volkskrankheit Nummer zwei und deshalb müssen wir auch in Corona-Zeiten stärker über andere Risiken sprechen, nämlich über das Risiko, wenn man nicht zur Vorsorge geht, wenn man nicht zur Nachsorge geht, dass dann Krebs eine größere Chance hat.

Die Wahrheit ist: Andere Krankheiten machen keinen Halt wegen Corona.
Manuela Schwesig

Und deshalb bin ich froh, dass auch der Weltkrebstag jetzt genutzt wird, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen.  

ZDFheute: Wie kann Heilung in so einer an sich schon schweren Zeit überhaupt gelingen?  

Schwesig: Das ist wirklich eine große Herausforderung. Ich würde gern allen sagen, die rum maulen, weil wir Masken verlangen, weil wir dies und jenes machen: Gesund zu sein und mal die Maske in einer Straßenbahn oder im Einkaufsladen zu tragen - das ist wirklich die kleinste Übung. Diejenigen, die schwer krank sind, gegen eine Krankheit kämpfen und gleichzeitig sich noch vor Corona schützen müssen, die haben es wirklich schwer. Und deshalb sollten wir alle, denen es besser geht, dafür sorgen, dass das Risiko für die Risikopatienten wirklich gering bleibt.

Das Interview führte Anja Kapinos aus dem ZDF-Studio Mecklenburg-Vorpommern.

Die Angst vor einer Corona-Infektion sei eine große Belastung für Krebspatienten, sagt Manuela Schwesig. Die Enttäuschung darüber, dass viele Risikopatienten noch nicht geimpft werden können, verstehe sie gut.

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