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Umsteuern oder untergehen

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Kreuzfahrtbranche auf neuem Kurs - Umsteuern oder untergehen

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Seit Jahrzehnten fährt die Kreuzfahrt-Branche von einem Rekord zum nächsten. Bis Corona alles stoppt und verändert. Nun muss sich die Branche neu erfinden - gezwungenermaßen.

Kreuzfahrtschiffe im Hafen
Quelle: imago/Die Videomanufaktur

Rund 400 Schiffe waren vor Corona auf den Weltmeeren unterwegs. Das Motto der Kreuzfahrt-Industrie: "höher, schneller, weiter" - also noch größere Stahlkolosse, noch mehr Passagiere, noch ausgefallenere Reiseziele. Doch dann bringt Corona im Februar 2020 alles zum Erliegen.

Für die Branche heißt das: Keine Einnahmen, dafür hohe Ausgaben - denn die Ozeanriesen müssen auch weiterhin unterhalten werden. Das kostet zusätzlich. Der Verband der Kreuzfahrtunternehmen beziffert die Verluste durch Corona mit einem zweistelligen Milliardenbetrag.

"Einschneidend und desaströs" sei das für die Branche, resümiert der Kreuzfahrt-Analyst Thomas P. Illes: "Man kann sich vorstellen, eine Industrie, die bislang eigentlich auf einer totalen Erfolgswelle geritten, respektive geschwommen ist, musste quasi von einem Tag auf den anderen den Komplettstillstand verdauen. Das ist einzigartig."

Kreuzfahrt-Branche in der Krise

Die Corona-Pandemie lässt die Träume der Branche zerplatzen. Und auch ihr Image nimmt großen Schaden: Infizierte an Bord, Schiffe unter Quarantäne, Todesfälle. Auf einmal ist das Kreuzfahrtschiff zum Mikrokosmos einer beängstigenden Corona-Welt geworden.

Und wie soll es weiter gehen nach Corona? Funktioniert das Geschäftsmodell Kreuzfahrt in Zukunft noch? Und wie wird es dann aussehen? Kenner der Kreuzfahrt-Branche und Zukunftsforscher sind sich da weitgehend einig. Zukunftsforscherin Christiane Varga prognostiziert:

Ich denke, dass sich mittel- und langfristig etwas verändern wird. Kreuzfahrten werden schon noch weiter bestehen, aber eben nicht mehr in dieser Dimension und in dieser Masse.

Kritikpunkt Klimaschutz

Durch Corona geraten auch alte Kritikpunkte an der Kreuzfahrtindustrie wieder in den Fokus. Ohne weitere Konzepte für Umweltschutz und neue gegen Overtourism - das zuviel an Kreuzfahrttouristen zulasten von Städten und Natur - werde es in Zukunft nicht gehen, sagt Illes:

Die Stoßrichtung ist ganz klar Richtung mehr Umwelt und Nachhaltigkeit. Denn die Industrie kann es sich schlicht nicht leisten, das weiter zu ignorieren. Der Druck wurde einfach zu groß - und das völlig zurecht.

Die alles entscheidende Frage für die erfolgsverwöhnte Branche und ihre Kundschaft ist aber: Wird die Kreuzfahrtkultur jemals wieder Erfolge wie vor dem Stillstand feiern?

Solange es keinen wirksamen Schutz vor dem Corona-Virus gibt, müssen sich Urlauber und Betreiber der Schiffe mit deutlich eingeschränkten Schiffsreisen begnügen: Hygiene- und Abstandsregeln an Bord, keine Buffets, keine Landausgänge, abgespecktes Entertainment.

Zukunft der Kreuzfahrtbranche

Als Übergangslösung sei das gelungen, meint der Kapitän der "TUI Mein Schiff 2", Tom Roth, nach einer der ersten Kreuzfahrten einer deutschen Reederei seit dem Lockdown.

Wir schauen jetzt positiv in die Zukunft. Denn wir haben gezeigt, dass wir gesunde Kreuzfahrten durchführen können und dass das Konzept funktioniert.
Tom Roth, TUI-Kapitän

Ob das die Urlauber in Deutschland genauso sehen? Nach einer ZDF-Umfrage haben gerade mal fünf Prozent der Befragten vor, im kommenden Jahr auf Kreuzfahrt zu gehen. Von einer Normalität scheint die Kreuzfahrt-Branche noch weit entfernt.

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