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Krieg, Corona, Inflation : Was tun, wenn das Positive fehlt?

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Es ist für viele eine gefühlte Endlosschleife negativer Ereignisse. Zwei Expertinnen erklären, was man für mehr Positivität tun kann - und wann man Negatives zulassen sollte.

Schülerin mit Mundschutz sitzt in ihrer Klasse am Platz, hat den Kopf auf eine Hand gestützt und schaut nachdenklich in die Ferne
Es wird oft von einem "Dauerkrisenmodus" gesprochen, in dem wir uns seit Jahren befinden - und der drückt auf das Wohlbefinden.
Quelle: Colourbox.de

Seit Monaten, und inzwischen Jahren, sind wir umgeben von Krisen: sei es die Corona-Pandemie, der Klimawandel, der Ukraine-Krieg und jetzt auch die Inflation. Nicht alle negativen Ereignisse belasten Menschen gleichermaßen, dennoch gehen diese Krisen nicht spurlos an uns vorbei.

Das belegen zahlreiche Studien, wie etwa die des Kölner Rheingold Instituts, die zeigt, dass die "eskalierende Krisen-Spirale" zu "Bedrohungsgefühlen" führe und sich die Menschen in einem "Zustand der Melancholie" befänden.

Die Menschen vermissen die frühere Unbeschwertheit und Selbstverständlichkeit, mit denen man dem Leben und seinen Verlockungen oder Herausforderungen begegnete.
Stephan Grünewald, Gründer des Rheingold Instituts

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Negative Gefühle in Maßen zulassen

Es sei aber im Moment vollkommen in Ordnung, auch mal unglücklich zu sein, sagt Motivationsforscherin Prof. Michaela Brohm-Badry von der Universität Trier. Denn es sei wichtig, die negativen Gefühle anzunehmen. "Natürlich, solange es sich im gesunden Maß bewegt." Sonst würden sie erst recht groß werden, erklärt Maren Urner, Professorin für Medienpsychologie an der HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft Köln.

Ließe man das Negative aber zu und entscheide man sich bewusst dafür, welche Dinge man an sich heranlasse, könne man die Gefühle wieder beherrschen. Seien die negativen Gefühle aber ein Dauerzustand und sehr stark, sollte man sich Hilfe* holen, sagen die Expertinnen.

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Gleichgewicht schaffen

Grundsätzlich würden Menschen tatsächlich tendenziell eher das Negative als das Positive erwarten, erklärt Brohm-Badry. Viele Dinge seien aber längst nicht so negativ, wie wir es wahrnehmen würden. Deshalb gehe es darum, sich der negativen Verzerrung bewusst zu werden und ein Gleichgewicht der Gefühle anzustreben.

Auch Urner betont die Bedeutung davon, eine Balance zu schaffen. Wir seien ständig mit Unsicherheiten konfrontiert und müssten deshalb Routinen schaffen, die zu einem Stück weit Sicherheit führten.

Die einzige Sicherheit, die wir haben, ist Unsicherheit.
Maren Urner, Neurowissenschaftlerin

Selbstreflektion ein Anfang

Insgesamt gehe es um die Frage, wie man gesund und glücklich sein könne und wie man nicht in den negativen Gefühlen "versinkt", betont Urner. Das würde mit Selbstreflektion beginnen, wodurch man erst feststellen könne, wie es einem gehe und woran das überhaupt liege. Danach könne man wieder freier über die eigenen Gedanken und Gefühle entscheiden und so "Herr oder Herrin der Lage werden".

Fünf Tipps für mehr Positivität

Laut Brohm-Badry gibt es fünf Punkte, die für mehr Positivität im Leben sorgen:

1. Selbst- und Fremdsorge
Ganz bedeutend sei es, für sich selbst zu sorgen und zur Ruhe zu kommen, etwa mithilfe von Musik, die man mag, Atemübungen und insbesondere Schlaf, der für die Psyche wichtig sei. Auch für andere zu sorgen und zu ihnen eine warmherzige Verbindung aufzubauen, zähle dazu.

Das müssen nicht nur der Freund, die Freundin oder die Kinder sein. Es zählen auch kurze Momente der warmherzigen Verbundenheit mit der Bäckereiverkäuferin, der Friseurin oder dem Menschen im Auto gegenüber.
Michaela Brohm-Badry, Motivationsforscherin

2. Aktivität
Damit man das Gefühl habe, noch die Handlungskontrolle über sein eigenes Leben "in diesen wilden Zeiten" zu besitzen, könne man etwas tun, bei dem man etwas aktiv angehe. Trotz aller Geschehnisse, auf die man wenig Einfluss habe, könne man eigene Bereiche beeinflussen, etwa privat oder beruflich.

3. Fokus
Man könne zwischendurch den Fokus auf die Dinge richten, die auf einem guten Weg sind, und sich beispielsweise fragen:

Was läuft gut in meinem Leben, was funktioniert, was ist heute gut gelaufen, wofür kann ich dankbar sein? Und das bei vollem Bewusstsein der Krisensituation.
Michaela Brohm-Badry, Motivationsforscherin

4. Bewegung
Bewegungseinheiten setzen Dopamin und Serotonin im Gehirn frei. Diese beiden Neurotransmitter steigern das Wohlbefinden, sagt Brohm-Badry. Kurze Aktivitäten, wie etwa ein kurzer Spaziergang, seien bereits hilfreich.

5. Humor
Kurze, witzige Situationen im Alltag wahrzunehmen, sei ebenfalls hilfreich, auch wenn das manchmal schwerfalle.

Das heißt ja nicht, dass ich mich total zurückziehe und mich nicht mehr politisch oder gesellschaftlich engagiere. Es heißt einfach nur, dass man auch in schwierigen Situationen mal lustig sein kann, weil Humor ein prima Ventil für die Psyche ist.
Michaela Brohm-Badry, Motivationsforscherin

Gefühle sind ansteckend

Zudem seien Gefühle "hochgradig ansteckend", man infiziere sich quasi an anderen Menschen, erklärt Brohm-Badry.

Das gehe in beide Richtungen, sagt Urner. Man könne sich sowohl mit positiven als auch mit negativen Emotionen infizieren. Auch hier spiele es wieder eine Rolle, bewusst zu entscheiden, mit wem und was man sich umgebe.

Wir lassen uns alle gerne auf mentaler Ebene kidnappen. Ich sage mal, wir würden uns mit Händen und Füßen wehren, wenn uns jemand auf der Straße eine Tüte über den Kopf zieht und uns entführt.
Maren Urner, Neurowissenschaftlerin

Urner erklärt: "Aber bei unserem Geist, […] lassen wir das fast täglich zu: Beeinflussung, die immer da ist, durch andere."

*Hilfe und Unterstützung bietet jederzeit die Telefonseelsorge, kostenfrei und anonym unter 0800 111 0111 oder 0800 111 0222.

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