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Bahnfahren mit Barrieren

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Kritik an der Deutschen Bahn - Bahnfahren mit Barrieren

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Eine Mutter will mit Kinderwagen, ein 80-Jähriger mit Rollator in die Bahn einsteigen - bei beiden gibt es Probleme. Betroffene fordern: mehr Barrierefreiheit.

Archiv: Eltern heben einen Kinderwagen in einen Zug der ODEG.
Auf Twitter berichtet eine Mutter beim Einsteigen mit Kinderwagen sei ihr von einer Schaffnerin nicht geholfen worden. (Archivbild)
Quelle: Imago

Die Mutter ist Carina Zimniok, eine Journalistin, die ihrem Unmut am vergangenen Wochenende bei Twitter Luft machte. In München wollte die Schwangere zusammen mit ihrer Tochter und Kinderwagen in einen Regionalexpress einsteigen. Sie wusste, dass sie dabei Hilfe brauchen werde und sei deswegen rechtzeitig am Gleis gewesen, um eine "helfende Hand zu organisieren". Aber: "Wie soll das gehen, @DB_Bahn, ein Zug ohne kinderwagengeeignete Einstiege und mit einer (pampigen) Schaffnerin, die lieber Achseln zuckt als einer Schwangeren mit Kleinkind behilflich zu sein?", twittert sie.

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"Ich habe mich geärgert, weil ich mich gefragt habe, was Passagiere machen sollen, die nicht gut zu Fuß sind und die niemanden finden, der ihnen hilft", sagt sie der "Welt". Ihr hätte schlussendlich ein anderer Mitreisender geholfen.

Die Pressestelle der Bahn antwortet auf ihren Tweet: "Hallo, die Kollegen sind nicht versichert, wenn sie Ihnen den Kinderwagen in den Zug tragen. Deshalb konnte sie auch nicht helfen. Denn passiert dabei etwas, muss sie es auf ihre eigene Kappe nehmen."

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Hilfe vom Mobilitätsservice der Bahn

Andere Nutzer kritisieren die Reaktion der Bahn und zeigen Unverständnis für die mangelnde Unterstützung. Später rudert die Bahn zurück: "Wenn DB-Mitarbeiter unseren Reisenden helfen, dann sind sie auch versichert. Unsere Antwort auf Ihren Tweet war bedauerlicherweise falsch. Dafür möchten wir uns schon einmal auf diesem Wege ausdrücklich bei Ihnen entschuldigen."

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Die Bahn habe den Vorfall zum Anlass genommen, ihre Mitarbeiter nochmal zu unterweisen, dass sie helfen sollen und dabei versichert sind, teilte die Bahn ZDFheute auf Nachfrage mit. Außerdem verwies sie auf die Mobilitätsservice-Zentrale der Bahn. Diese organisiert Hilfe für Passagiere "beim Ein-, Um- oder Aussteigen", so heißt es auf der Internetseite. Doch auch dort gibt es Probleme, weiß der 80-jährige Hans-Christian Ströbele, der ehemalige Bundestagsabgeordnete der Grünen, zu berichten.

Kein Hublift für Rollator-Nutzer

Ströbele ist gehbehindert und benötigt einen Rollator. Er habe seine Schwester im hessischen Wetzlar besuchen wollen und die Reise von Berlin aus mit der Bahn zurücklegen wollen, so berichtet er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Für die Umstiege in Hannover und Gießen habe er beim Mobilitätsservice um Hilfe gebeten. Doch das Unternehmen habe sich geweigert dafür die hydraulischen Hublifts zu nutzen.

Hans-Christian Ströbele
Hans-Christian Ströbele war lange Jahre Abgeordneter und Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag.
Quelle: dpa

Denn diese sind vor allem für Rollstuhlfahrer vorgesehen, so heißt es in einem Leitfaden der Bahn zur Mitnahme orthopädischer Hilfsmittel. "Gehgestelle, Rollatoren, spezielle Roller mit Sitzfläche für kleinwüchsige Menschen, Micro-Bikes und Laufräder werden nicht mit einer Einstiegshilfe verladen, da sie nicht so groß und nicht so schwer wie Rollstühle sind. Servicemitarbeiter unterstützen jedoch beim Ein- und Ausstieg, sofern dies benötigt wird."

Die Bahn bedaure die Erfahrung von Ströbele, doch Hublifte seien für Rollator-Nutzer nicht sicher, ergänzt eine DB-Sprecherin. Der Grünen-Politiker hält den Hublift aber trotzdem für bequemer, als "irgendwie hinein oder heraus bugsiert" zu werden.

Spontane Reisen schwierig

Die Lösung der Bahn für dieses Problem sind Rollstühle, die an manchen Bahnhöfen genutzt werden können, um gehbehinderte Fahrgästen auf die Hublifte zu rollen. Aber nicht immer ist Bahnhofspersonal anwesend, das helfen und das Gerät bedienen kann. Nur, wer seine Reise anmeldet und eine Bestätigung des Mobilitätsservice bekommt, kann sicher sein, dass Personal vor Ort ist.

Rollstuhlfahrer wird von Bahnpersonal in einen ICE Intercity Express der Deutschen Bahn gehoben.
900 solcher Hublifte hat die Bahn bundesweit nach eigenen Angaben im Einsatz, um Rollstuhlfahrern in den Zug zu helfen.
Quelle: Imago

Spontan reisen ist für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, deswegen ausgeschlossen, kritisiert der Verein "Interessenvertretung Selbstbestimmtes Leben in Deutschland" (ISL). Nur wer an einem großen Bahnhof ein- oder aussteigen wolle, könne Glück haben, dass doch Personal helfen kann.

Praktische Probleme im Alltag

Konkret bemängelt ISL außerdem, dass eine Zu- oder Absage des Mobilitätsservice zeitversetzt zum Ticketkauf möglich ist. "Dann hat man ein günstiges Ticket aber ein paar Wochen später kommt die Nachricht, es gäbe kein Personal", berichtet ISL-Sprecher Alexander Ahrens aus eigener Erfahrung. Außerdem sei Reisen im Rollstuhl vor sechs Uhr nahezu unmöglich, weil vorher noch kein Personal an den Bahnhöfen eingesetzt wird.

Bei der Verkehrswende muss an alle gedacht werden, auch Familien mit Kinderwagen und ältere Menschen mit Rollator.
Alexander Ahrens, ISL

"Bei der Verkehrswende muss an alle gedacht werden, auch Familien mit Kinderwagen und ältere Menschen mit Rollator," fordert ISL-Sprecher Ahrens. Die Bahn müsse in Sachen Barrierefreiheit flexibler werden.

Neue Bahnhöfe ohne Stufen

Zu dem Thema hat die Deutsche Bahn 2018 eine Studie veröffentlicht. Die ergab, dass 57 Prozent der Bahnsteige für Rollstuhlfahrende, Menschen mit Behinderung und Familien mit Kleinkindern "weitreichend barrierefrei" sind. Dem nach sind 84 Prozent stufenfrei, haben also einen Aufzug oder lange Rampen. Im vergangenen Jahr investierten Bahn, Bund und Länder außerdem 1,3 Milliarden Euro in die Sanierung von Bahnhöfen. 100 wurden barrierefrei ausgebaut oder neu errichtet.

Erst wenn man betroffen ist, sieht und spührt man, wo die Probleme sind.
Alexander Ahrens, ISL

Dass Barrierefreiheit an Bahnhöfen durch Ströbele Aufmerksamkeit bekommt, begrüßt Ahrens. "Erst wenn man betroffen ist, sieht und spührt man, wo die Probleme sind." Mit der Initiative "Barrierefreie Bahn", engagiert sich der Verein für eine Verbesserung der Barrierefreiheit. Sie fordern zum Beispiel, dass Züge keine Stufen mehr haben - damit fremde Hilfe nicht mehr benötigt wird.

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