Sie sind hier:

Zoff vom Acker - Warum Bauern und Bürger aneinandergeraten

Datum:

Landwirte stehen zunehmend in der Kritik: Antibiotika, Pestizide, Düngemittel. Verbraucher wollen Tierwohl und Klimaschutz. Das treibt die Bauern auf die Straße.

Insektenmörder, Wasservergifter, Tierquäler - die Bauern können die Vorwürfe nicht mehr hören und gehen auf die Straße. Sie sehen sich als Fußabtreter einer verfehlten Politik.

Beitragslänge:
28 min
Datum:

"Brunnenvergifter, Insektenmörder, Tierquäler" - Landwirt Thomas Andresen hat schon die ganze Palette an Verunglimpfungen abbekommen. Der Milchbauer dreht kleine Handyvideos aus dem Stall und vom Acker, um den Verbrauchern zu erklären, wie er seine Kühe hält und was er auf den Feldern macht.

Dafür erntet er viel Zustimmung aber auch jede Menge Kritik; trotzdem sucht er die Auseinandersetzung mit den Verbrauchern: "Wir haben es verpasst, den Verbraucher auf den Weg in die moderne Landwirtschaft mitzunehmen. Wir haben immer gesagt: So ein Kuhstall ist nicht das, was der Verbraucher sehen will, dann zeigen wir es ihm lieber gar nicht", gesteht er ein.

Aus Verbrauchern wurden Kritiker

Güllemassen und Pestizide auf den Feldern, Antibiotika in den Ställen, der Anteil am Klimawandel und regelmäßige Lebensmittelskandale haben die industrielle Landwirtschaft in Deutschland in Verruf gebracht.

EU-Minister in Koblenz - Dauerstreit um EU-Agrarreform  

In Koblenz kommen ab heute die Agrarminister der EU zusammen. Ein Thema ist die Reform ihrer gemeinsamen Förderpolitik. Über die wird weiter heftig gestritten.

Videolänge
27 min
von Mark Hugo

Aus Verbrauchern sind Kritiker geworden. Tausende gehen seit 2011 jedes Jahr in Berlin auf die Straße. Über 18 Prozent der stimmberechtigten Bayern unterstützten 2019 das Volksbegehren zur Rettung der Bienen, in dem es in erster Linie um Auflagen für die konventionelle Landwirtschaft ging.

Landwirte sehen Mitverantwortung der Verbraucher

Im Herbst 2019 gingen dann die Bauern auf die Barrikaden, als Brüssel eine Nachbesserung der erst 2017 beschlossenen Veränderungen der Düngemittelverordnung verlangte. Die Landwirte sehen sich bevormundet und in ihrer Existenz bedroht. Nun fordern sie einen Dialog mit den Bürgern ein, die ihrer Meinung nach eine Mitverantwortung für das Dilemma der deutschen Landwirtschaft haben.

Der Marktanteil an den im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft deutlich nachhaltiger produzierten Biolebensmitteln lag im Jahr 2019 laut einer Erhebung des statistischen Bundesamtes nämlich bei nicht einmal sechs Prozent.

Masse statt Klasse wird zum Problem

Ausgerechnet beim eigenen Einkauf endet demnach bei vielen Verbrauchern das Interesse an der Herstellung der Lebensmittel. Die Gleichgültigkeit der Kunden stärkt dabei die Marktmacht des Handels. Denn ohne finanziellen Anreiz bleibt den Bauern nur, weiter auf Masse zu setzen, um über die Runden zu kommen.

Man sieht mehrere Schweine in unterschiedlichen Größen, am Ende ein Symbolbild für Fleisch.

Nachrichten | Politik - Vom Schwein zum Schnitzel 

Das kurze Leben eines Schweins

Das daraus resultierende Überangebot nutzen die Lebensmittelkonzerne, um die Preise zu drücken:

Wenn ein Bauer sich entscheidet, für einen Lebensmittelkonzern zu arbeiten, dann muss er schon im Vorfeld eine ganze Reihe an Bedingungen erfüllen und dafür auch investieren. Preis und Menge der Lebensmittel werden aber erst bei der Bestellung verhandelt.
Dr. Sebastian Rahbauer, Wirtschaftswissenschaftler TU München

"Damit das bereits investierte Kapital aber für den Bauern nicht verloren geht, ist er gezwungen sich auf das Preisdumping einzulassen", erklärt Wirtschaftswissenschaftler Rahbauer die Mechanismen des Systems.

Anreize, um Teufelskreis zu durchbrechen

Preisdruck bei höheren Auflagen zwingen immer mehr Landwirte in Deutschland in die Knie. Ausländische Anbieter drängen auf den Markt und unterlaufen die hier geforderten Standards. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sieht Professor Frank Ewert vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung die Politik in der Pflicht.

Er fordert Anreize für eine gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft. Zum Beispiel durch eine Neuverteilung der staatlichen Fördergelder für Landwirte:

Was wir ganz konkret im Moment machen können ist, die Zahlungen in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz einzusetzen.
Frank Ewert, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung

Eine Landwirtschaft, die das Klima schont, die Ernährung der Bevölkerung sicherstellt und den Bauern einen Gewinn ermöglicht, könnte den Riss zwischen den Bauern und Bürgern kitten. Dafür aber müssen die Verbraucher sicher sein, dass der Kauf heimischer Lebensmittel eine Investition in die Qualität ist.

Insektenmörder, Wasservergifter, Tierquäler - die Bauern können die Vorwürfe nicht mehr hören und gehen auf die Straße. Sie sehen sich als Fußabtreter einer verfehlten Politik.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.