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Homophobe Äußerungen - Pfarrer wegen Volksverhetzung vor Gericht

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Heute beginnt vor dem Amtsgericht Bremen der Prozess gegen den evangelischen Pfarrer Olaf Latzel. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Volksverhetzung vor.

Archiv: Pastor Olaf Latzel am 08.02.2015 in Bremen
Die Staatsanwaltschaft wertet Aussagen des Pfarrers Olaf Latzel als Volksverhetzung.
Quelle: dpa

"Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day." Wegen dieser und anderer Aussagen verhandelt das Amtsgericht Bremen ab heute gegen den Pfarrer Olaf Latzel. Er hatte im Oktober 2019 eine "Biblische Fahrschule zur Ehe" in seiner Bremer Gemeinde veranstaltet, die zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gehört.

Pfarrer äußert sich homophob bei Seminar

Latzel sagte im Verlauf des Seminars, Homosexualität sei eine "Degenerationsform von Gesellschaft", die ihre Ursache in Gottlosigkeit habe. Weiter sagte er, dass der "ganze Gender-Dreck ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung ist, zutiefst teuflisch und satanisch".

Das Seminar hatte Latzel als Audiodatei aufgenommen und anschließend auf der Internetplattform YouTube online gestellt. Der Kanal des streng konservativen Pfarrers hat knapp 25.000 Abonnent*innen. Die Datei ist inzwischen wieder gelöscht.

Staatsanwaltschaft wertet Aussagen Latzels als Volksverhetzung

Die Staatsanwaltschaft wertet einzelne Aussagen als strafbare Volksverhetzung. Latzel habe zum Hass gegen Menschen aufgestachelt, "die in Bezug auf ihre Geschlechtsidentität und/oder sexuelle Orientierung von der angeblich allein richtigen zweigeschlechtlichen und heterosexuellen Norm abweichen".

Außerdem seien die Aussagen ein Angriff auf die Menschenwürde dieser Gruppierungen, so die Staatsanwaltschaft. Homosexuelle würden generalisierend als Verbrecher und die Homosexualität als Degenerationsform der Gesellschaft bezeichnet. Im Falle einer Verurteilung droht Latzel eine Haftstrafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren.

Bremische Evangelische Kirche will Verfahren abwarten

Olaf Latzel wolle keine Stellung zu den Vorwürfen nehmen, teilte sein Verteidiger Sascha Böttner auf ZDF-Anfrage mit. Im April hatte Latzel zu den Vorwürfen in einem Gottesdienst Stellung genommen: Die Bezeichnung Verbrecher beziehe sich "nicht auf homosexuell lebende Menschen, sondern auf militante Aggressoren, die uns als Gemeinde in den letzten Jahren immer wieder angegriffen und gotteslästerlich diffamiert haben".

Die Evangelische Kirchengemeinde Roxheim hat in Corona-Zeiten eine mobile Kirche eingerichtet.

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Die Bremische Evangelische Kirche teilte auf Anfrage mit, dass man den Verlauf und den Ausgang des Verfahrens abwarten wolle. Im Mai hatte der Kirchenausschuss ein Disziplinarverfahren gegen Latzel eingeleitet, das bis zum Abschluss des Strafverfahrens ruht.

Latzel muss Amtsgeschäfte bis Anfang Dezember ruhen lassen

Zuvor hatte sich der Ausschuss bereits von Latzels Äußerungen distanziert und sie "auf das Schärfste" verurteilt. Latzel habe sich verpflichtet, seine Amtsgeschäfte vom 9. November bis zum 6. Dezember ruhen zu lassen, sagte eine Kirchensprecherin.

Der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, hatte Latzel am Wochenende in einem Interview kritisiert:

Intoleranz ist gegen das Evangelium, abwertende und diskriminierende Haltungen dürfen in der Kirche keinen Platz haben.
Heinrich Bedford-Strohm

Pfarrer schon 2008 in der Kritik

Der evangelikale Pfarrer ist in der Vergangenheit schon öfter in die Kritik geraten. 2008 hatte Latzel zum Beispiel öffentlich erklärt, die Bibel stehe für ihn über dem Grundgesetz: "Ich möchte schon sagen dürfen, dass Steuerhinterziehung, dass Betrug, dass Jähzorn und dass Homosexualität in der Bibel abgelehnt wird. Und wenn unser Staat in seinem Grundgesetz etwas anderes sagt, und ich vor die Alternative gestellt werde, dann muss ich sagen: Hier läuft was falsch in unserem Staat. Und dann trete ich dafür ein, dass Dinge nicht so sind, wie sie letztlich nicht mit der Bibel konform sind."

Der Prozess wurde wegen des großen öffentlichen Interesses in das Bremer Konzerthaus "Die Glocke" verlegt. Das Amtsgericht Bremen hat vorsichtshalber drei Verhandlungstage angesetzt, auch um genügend Lüftungspausen im Gerichtssaal wegen Corona sicherzustellen, so eine Gerichtssprecherin. Das Urteil könnte auch schon früher, nämlich am 25.11., verkündet werden.

Christian Deker arbeitet in der ZDF-Redaktion Recht und Justiz.

Dem Autor bei Twitter folgen: @christiandeker

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