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Diskussionspapier - Leopoldina: Suizidbeihilfe neu regeln

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Mitglieder der Leopoldina haben Vorschläge für eine Neuregelung der Suizidbeihilfe vorgelegt. Darin enthalten: Bedenkzeit, doppelte Prüfung des Sterbewunsches und Begleitung.

Archiv: Ein Pfleger hölt die Hand einer sterbenden Person
Das Bundesverfassungsgericht hatte im vergangenen Jahr das Verbot organisierter Hilfe bei der Selbsttötung gekippt. Die Leopoldina liefert nun Vorschläge.
Quelle: dpa

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Leopoldina haben sich in der Debatte um eine Neuregelung der Suizibeihilfe zu Wort gemeldet. In einem Diskussionspapier empfehlen sie, dass durch Ärzte überprüft werden solle, ob der Entschluss eines Suizidwilligen zur Selbsttötung wirklich selbstständig, frei und ohne Druck zustande gekommen ist.

Grundsätzlich sollten bis auf sehr eng gefasste Ausnahmen nur Entscheidungen von Volljährigen anerkannt werden, heißt es in den Empfehlungen weiter, die die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina veröffentlichte.

Sterbehilfe: Für viele Menschen die Hoffnung auf einen würdigen Tod. Eine Dokumentation der ZDF-Sendung Frontal 21.

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Selbsttötungswille soll mindestens doppelt überprüft werden

Zu den Kernpunkten einer möglichen gesetzlichen Neuregelung der Beihilfe zur Selbsttötung gehört nach Ansicht der Autoren des Papiers auch, mindestens zwei Ärztinnen und Ärzte einzubeziehen und dadurch die Prüfung des Selbsttötungswillens von der ärztlichen Hilfe zum Suizid personell und organisatorisch zu trennen.

Außerdem müssten eine Bedenkzeit und umfassende Beratung sichergestellt werden, erklären die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Balance zwischen Selbstbestimmung und Lebens-Anreiz

Gefordert wird außerdem ein "ausbalanciertes" System, das einerseits das Selbstbestimmungsrecht und die Entscheidungsfreiheit jedes Menschen achtet, andererseits aber allen Betroffenen eine "Hinwendung zum Leben" erleichtert.

Dies kann durch Beratungs- und Hilfsangebote, medizinische Versorgung sowie ein Informations-, Beratungs- und Begleitungsnetzwerk geschehen.

Tötung auf Verlangen auch bald in Deutschland? Ein Beitrag der ZDF-Sendung WISO.

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7 min
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Kritik von der Deutschen Stiftung Patientenschutz

Kritik gibt es von der Stiftung Patientenschutz. So seien laut Vorstand Eugen Brysch schon ausreichend psychische, pflegerische und medizinische Hilfsangebote nicht für jeden Suizidwilligen verfügbar.

Vor diesem Hintergrund bleibt die Beurteilung einer freiverantwortlichen Entscheidung reine Theorie.
Eugen Brysch, Deutsche Stiftung Patientenschutz

Brysch forderte, dass Anbieter der Hilfe zur Selbsttötung die Verantwortung dafür übernehmen müssten, dass die Selbstbestimmung des Suizidwilligen gewahrt bleibe. "Dafür gilt es, enge rechtliche Maßstäbe zu setzen".

Ex-Verfassungsrichter Voßkuhle wirkte an Papier mit

Das Diskussionspapier der Leopoldina wurde von zwölf Medizinethikern, Juristen und Palliativ-Spezialisten verfasst, darunter der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle und die Münsteraner Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert.

Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar 2020 das Verbot der organisierten Sterbehilfe gekippt. Seitdem befassen sich Politik und Ärzteschaft mit der Frage einer Nachfolgeregelung. Suizidassistenz leistet, wer einem Sterbewilligen ein todbringendes Medikament überlässt, es aber nicht verabreicht. Das Verabreichen, also aktive Sterbehilfe, ist in Deutschland verboten.

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