ZDFheute

Warum in der Antarktis unser Gehirn schrumpft

Sie sind hier:

Dirk Steffens unterwegs - Warum in der Antarktis unser Gehirn schrumpft

Datum:

Naturfilmer Dirk Steffens ist für "Terra X" in der Antarktis unterwegs - hier wird unter anderem erforscht, ob Menschen auf dem Mars leben könnten. Harald Lesch hat ihn interviewt.

Dirk Steffens auf Drehreise in der Antarktis. Wie lebt es sich auf der Forschungsstation Neumayer III im ewigen Eis? Diese und andere Fragen hat Harald Lesch an den Moderator von "Terra X - Faszination Erde".

Beitragslänge:
14 min
Datum:

Sollte die Erde eines Tages nicht mehr bewohnbar sein, bleibt nur noch die Besiedelung eines fremden Planeten - sagen einige Visionäre, zum Beispiel der Mars. Aber wie könnten dort Menschen leben?

Hier könnte die Antarktis helfen: Sie ist ein perfektes Testgebiet. Denn der Südpol bietet auf Erden Bedingungen, die denen im Weltraum am nächsten sind. Deutsche Wissenschaftler haben ein mobiles Hightech-Gewächshaus konstruiert. Aus Samenkörnern soll ganz ohne Erde und natürliches Sonnenlicht vitaminreiche Nahrung wachsen, wie etwa Tomaten, Gurken oder Erdbeeren. Das Ganze findet auf der deutschen Polarstation Neumayer III statt.

Karte: Neumayer-Station III in der Antarktis
Neumayer-Station III in der Antarktis
Quelle: ZDF

Auch die psychischen und physischen Bedingungen lassen sich auf der Antarktisstation gut simulieren. Ein Team von Überwinterern muss 14 Monate hierbleiben. Sie leben auf begrenztem Raum. Reize wie Gerüche oder Geräusche sind stark reduziert, monatelang gibt es kein Sonnenlicht. Vieles erinnert an einen Aufenthalt in einer engen Raumstation.

Naturfilmer Dirk Steffens besucht die Polarstation im Ewigen Eis und reist zu lebensfeindlichen Orten der Antarktis. Sein Kollege Harald Lesch hat mit ihm gesprochen - daraus entstand dieses Interview, das die beiden über 14.000 Kilometer Entfernung via Skype geführt haben:

Dirk Steffens vor der deutschen Antarktis-Station Neumayer III
Dirk Steffens vor der deutschen Polarstation Neumayer III.
Quelle: ZDF/Oliver Roetz

Harald Lesch: Dirk, Du bist für die Sendung "Faszination Erde" auf der Neumayer-Station III im Ewigen Eis. Wie lebt es sich auf der Station?

Dirk Steffens: Die Station ist gut ausgestattet, so dass man anständig forschen kann. Denn hier zu forschen, ist unglaublich wichtig. Unter anderem für die Raumfahrt. Die Station liegt so einsam, wie es auch auf Mond oder Mars der Fall wäre: eine isolierte Station in einer lebensfeindlichen Umwelt.

Unter anderem gibt es den "Garten Eden"-Container des DLR. Es wird darin versucht, ohne Sonne und ohne Erde frisches Gemüse und Pflanzen zu ziehen, mit denen man auf Mond oder Mars Menschen versorgen könnte. Das Ergebnis ist erstaunlich: Der Container ist etwa 18 Quadratmeter groß und wirft genug Gemüse ab, um zehn Menschen jeden Tag einen frischen Salat zu servieren.

Ein anderer Test prüft, was die Isolation mit dem Kopf eines Menschen macht: Im Antarktischen Winter leben in der Station neun Menschen, isoliert von der Außenwelt. Das hat Auswirkungen auf die Psyche. Eine neue Studie zeigt: Isolation und die Abwesenheit von Stimulanz - hier ist alles immer weiß - lässt das Hirn schrumpfen. Das heißt nicht automatisch, dass man blöd wird.

Aber das Hirn ist nach dem Aufenthalt etwas kleiner als vorher.

Lesch: Prüft man auf der Station auch, wie sich Leben in der Antarktis entwickelt?

Steffens: Auf dem antarktischen Festland gibt es kein Leben. Auf dem Eis trifft man Kaiserpinguine, man sieht Wale, die wir gefilmt haben, und Robben, aber das Leben spielt sich im Meer ab. Da ist es besonders prall, praller als im Regenwald: Krill ist die Tierart mit der größten Biomasse auf dem Planeten. Keine andere Tierart bringt 400 Millionen Tonnen auf die Waage.

Antarktischer Krill (Unterwasseraufnahme)
Krill ist eine Art Krebstier, das im Arktischen Meer vorkommt. Es erreicht eine Körperlänge von maximal sechs Zentimetern und tritt in riesigen Schwärmen auf.
Quelle: BBC

Lesch: Es ist absichtslose, weiße Landschaft. Aber technologisch ist die Station gut verbunden - allein, weil diese Schalte möglich ist, und man von dort mit der ganzen Welt kommunizieren kann.

Steffens: Auch das ist eine gute Übung für die Raumfahrt. Denn neben der Ernährung muss die Energie, das Heizen, autark funktionieren. Wenn etwas kaputt geht, müssen die Menschen, die hier überwintern, das auch allein hinkriegen. Man lernt, welche Technik belastungsfähig ist und wie man ein Team für lange Reisen in nicht irdische Gegenden ausrüsten muss.

Lesch: Das Schelfeis ist eines der verwundbarsten Teile der Antarktis. Wird dort auch erforscht, wie stark sich die klimatische Situation in den letzten Jahrzehnten verändert hat?

Steffens: Auf der Neumayer-Station wird seit 40 Jahren das Wetter gemessen, nach 30 Jahren hat man bekanntermaßen erstmals ein Klima-Ergebnis. Das Überraschende: Hier ist es nicht wärmer geworden, auf dem Festland ist das Eis nicht geschmolzen.

Aber auf der antarktischen Halbinsel im Nordwesten ist der Klimawandel voll angekommen. Die Temperaturen steigen, und das erheblich. Auf dem Festland hat sich noch nichts verändert. Das ist interessant, weil wir dadurch verstehen, dass der Klimawandel nicht wie eine Heizung ist, die gleichmäßig erwärmt.

Der Klimawandel wirkt hier anders, und wir hoffen, dass wir genug Zeit haben.

Denn wenn das Eis, auf dem ich hier sitze, anfängt zu schmelzen, dann wird es für die menschliche Zivilisation wirklich eng.

Wir hoffen, dass wir das vorher verhindern können. 

Lesch: Wir forschen und forschen, aber parallel gibt es katastrophale Entwicklungen. Wie sehen das die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Station?

Steffens: Die Forscherinnen und Forscher hier arbeiten sachlich an ihren Themen, aber allen ist klar, dass wir an einem historischen Kipp-Punkt stehen. Man misst das hier zum Beispiel in der Luftchemie. Wenn in Brasilien der Regenwald brennt, kann man hier die Rußpartikel in der Luft messen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.