Letzte Generation: Aktivisten kündigen Verschnaufpause an

    Letzte Generation:Aktivisten kündigen Verschnaufpause an

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    Die Klima-Proteste der "Letzten Generation" sind stark umstritten. Jetzt ändern die Aktivisten plötzlich ihren Ton und kündigen eine Verschnaufpause an.

    Klimaprotest der "letzten Generation": Aktivistin klebt sich auf dem Rollfeld fest
    Klimaprotest der "Letzten Generation" auf dem BER: Aktivistin klebt sich auf dem Rollfeld fest
    Quelle: reuters

    Aktivisten in orangen Warnwesten durchknipsen einen Zaun am Hauptstadtflughafen und marschieren auf das Gelände. Einige von ihnen kleben sich am Boden fest - und legen den Betrieb am BER in Schönefeld lahm. Die jüngste Aktion der Klima-Protestgruppe "Letzte Generation" hat aus Sicht vieler Politiker endgültig eine Stufe erreicht, die nicht mehr hinzunehmen ist.

    Länderübergreifendes Vorgehen geplant

    Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) will bei der Innenministerkonferenz in der kommenden Woche in München ein länderübergreifendes Vorgehen ansprechen, quer durch die politische Landschaft wird die Aktion scharf verurteilt. Am Freitagabend kündigen die Aktivisten dann an, erstmal auf Proteste in Berlin und München zu verzichten. Eine Verschnaufpause, "um die erhitzten Gemüter etwas zu beruhigen".
    Zuvor warnte Spranger davor, "diesen Weg der Eskalation weiterzugehen". Sie kündigte an, ihre Behörde werde

    weiter sämtliche rechtsstaatlichen Mittel zur Verhinderung dieser Gefahren und im Kampf gegen diese Straftaten ausschöpfen.

    Iris Spranger (SPD) , Innensenatorin Berlin

    Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) warb für harte Strafen. Wenn Leben gefährdet würden und Menschen nicht in den Urlaub könnten, sei das nicht akzeptabel, sagte der Grünen-Vorsitzende Omid Nouripour dem Fernsehsender Welt. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) nannte die Aktion "vollkommen inakzeptabel". Die CSU im Bundestag forderte eine Änderung des Bundespolizeigesetzes.

    Für Straftaten wie die jüngste Störung des Flugbetriebs am BER durch sogenannte Klimaaktivisten muss auch der Präventivgewahrsam im Bundespolizeigesetz ausgeweitet werden.

    Andrea Lindholz (CSU), Bundestagsabgeordnete

    Das sagte Andrea Lindholz den Zeitungen der Mediengruppe Bayern.
    Berlins Innensenatorin nannte noch keine Details zu ihren Plänen. Von einem Sprecher des Innenressorts hieß es, durch ein gemeinsames Vorgehen der Länder sollten Klimademonstranten nach Möglichkeit vorab an Aktionen gehindert werden.

    Pause bis Ende nächster Woche angekündigt

    Bis Ende kommender Woche wollen die Aktivisten nun von sich aus in Berlin und München keine Aktionen starten. Man hoffe auf Taten in der Sitzungswoche des Bundestags, teilte die Gruppe mit. Gleichzeitig warnte sie vor einem Neustart der Proteste mit mehr Schlagkraft. Man werde die Zeit nutzen, um

    die vielen Menschen, die sich der Bewegung aktuell anschließen, ordentlich zu trainieren und einzubinden, um mit noch mehr Menschen wiederzukommen.

    "Letzte Generation"

    Eskalation, "immer skrupellosere" Aktionen (Bundesverkehrsminister Volker Wissing, FDP), vollkommen inakzeptabel - die Verurteilung der Aktivisten kann drastischer kaum mehr formuliert werden.

    Eine Radikalisierung sehe ich nicht, gerade im Vergleich auch zu anderen Protesten wie die Anti-Atomkraft-Bewegung oder die Friedensbewegung in den 70ern.

    Lena Herbers, Soziologin Uni Freiburg

    Das sagt dagegen die Soziologin Lena Herbers von der Universität Freiburg der Deutschen Presse-Agentur. Sie bezeichnete die Proteste als "überschaubare Gesetzesübertritte, bewusste punktuelle Rechtsbrüche". Die Gruppe bewege sich in einem demokratischen Rahmen, akzeptiere im Kern das System und letztlich auch die Strafen gegen sie.

    Zahlreiche Ermittlungen

    Zuletzt war die Protestgruppe schon nach dem Tod einer Radfahrerin in Berlin scharf kritisiert worden. Die 44-jährige Frau war am 31. Oktober von einem Betonmischer überrollt worden und später gestorben. Ein Spezialfahrzeug der Feuerwehr, das helfen sollte, die eingeklemmte Frau zu befreien, steckte in einem Stau nach einem Klima-Protest.
    Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt auch gegen zwei Aktivisten wegen unterlassener Hilfeleistung beziehungsweise der Behinderung hilfeleistender Personen. Nach der Störaktion am BER ermittelt das Landeskriminalamt Brandenburg gegen sechs Aktivisten unter anderem wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr, Störung öffentlicher Betriebe sowie Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung.
    Fünf Männer und eine Frau im Alter von 20 bis 32 Jahren seien am Donnerstag bei der Aktion auf dem Flughafengelände in Schönefeld festgenommen und in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Einer der Männer sei auf richterlichen Beschluss weiterhin dort. Die anderen Beschuldigten sind nach seinen Angaben wieder auf freiem Fuß.
    "Attacken auf Kunst helfen dem Klimaschutz überhaupt nicht", sie diskreditierten die Klimabewegung, so die Kulturstaatsministerin Claudia Roth, Bündnis 90/Die Grünen, zu den Protesten der 'Letzten Generation'.02.11.2022 | 6:34 min
    Quelle: dpa

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