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Zwischen Hoffen und Bangen

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THW-Einsatz im Libanon - Zwischen Hoffen und Bangen

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Seit Donnerstag ist das deutsche Technische Hilfswerk in Beirut im Einsatz. Die Spezialisten suchen mit Hunden in den zerstörten Teilen der Stadt nach Überlebenden.

Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) in Beirut
Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks suchen in Beirut nach Überlebenden.
Quelle: Christian Wenzel/THW

Es ist eine Welt zwischen totaler Zerstörung und Dankbarkeit in der sich das Team des deutschen THW derzeit in Beirut bewegt: Durch die Explosion am Hafen von Beirut ist ein Großteil der Stadt zerstört worden. Georgia Pfleiderer vom Technischen Hilfswerk gibt Einblick in ihre Arbeit.

ZDFheute: Wie war Ihr erster Eindruck der Stadt?

Georgia Pfleiderer: Wir haben bereits auf dem Weg vom Flughafen zu unserer Unterkunft erste Schäden gesehen. Das wirkliche Ausmaß, wie weit die Detonation Schaden angerichtet hat, haben wir dann auf dem Weg zum Hafen realisiert: Man fährt über eine Panoramastraße und bekommt einen Überblick des Hafens.

Das war wirklich überwältigend im negativen Sinne.
Georgia Pfleiderer

Im Hafengebiet sind hauptsächlich große Lagerhäuser gewesen und Hochregallager und die liegen alle in Trümmern.

ZDFheute: Was ist die Aufgabe des THW?

Pfleiderer: Primär unterstützen wir bei der Suche nach Überlebenden.

ZDFheute: Wie?

Pfleiderer: Die lokalen Einsatzbehörden haben uns Einsatzstellen zugeteilt und wir arbeiten diese bereits seit Donnerstagnachmittag ab. Bislang leider erfolglos.

ZDFheute: Das bedeutet, keine Überlebenden?

Pfleiderer: Nein, leider ist es uns nicht gelungen, Überlebende zu finden. Jetzt muss man sagen, dass so langsam der sogenannte 100-Stunden-Korridor zum Tragen kommt. Das ist üblicherweise die Zeit, in der angenommen wird, dass Überlebende noch Chancen haben, lebend gefunden zu werden. Und dieses Wochenende versiegt dieser Horizont.

Für die Angehörigen ist es immens wichtig, dass sie sehen, dass alles Menschenmögliche unternommen wurde, um niemanden zu übersehen, der vielleicht unter den Trümmern überlebt hat.

ZDFheute: Wie gehen Sie bei der Suche vor?

Pfleiderer: Unser Baufachberater überprüft die Einsatzstelle auf Statik und Stabilität. Besteht keine Einsturzgefahr, gibt er das Haus frei. Dann geht ein Kollege, der auf Gefahrenlagen wie beispielsweise Gasaustritt spezialisiert ist, hinein und überprüft. Erst danach, wenn keine Gefahr für Mensch und Hund gegeben ist, wird ein Rettungshund mit Hundeführer reingeschickt.

ZDFheute: Wie kann man sich das vorstellen?

Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) in Beirut
Bei der Suche nach Überlebenden kommen auch Rettungshunde zum Einsatz.
Quelle: Christian Wenzel/THW

Pfleiderer: Die Hunde arbeiten in Zweierteams. Erst wenn der eine Hund etwas wittert und anschlägt, wird zur Überprüfung ein zweiter Hund hineingeschickt. Bestätigt sich die Vermutung, dass es einen Überlebenden gibt, wird versucht mit der Person Kontakt aufzunehmen, durch Rufen beispielsweise oder Klopfzeichen.

Im nächsten Schritt werden, sofern keine vorhanden sind, kleine Löcher für sogenannte Search-Cams gebohrt. So können wir auch optisch überprüfen, ob sich jemand im Hohlraum befindet. Wenn das alles positiv ist, werden alle notwendigen Maßnahmen in die Wege geleitet, um die Trümmer beiseite zu räumen und die Person zu befreien.

ZDFheute: Sie waren bereits in verschiedenen Krisengebieten im Einsatz. Wie ordnen Sie Beirut von der Schwere ein?

Pfleiderer: Von den Trümmern ist es bislang das Größte, was ich gesehen habe. Ich war zuvor unter anderem nach den Erdbeben in Nepal und Japan im Einsatz.

ZDFheute: Wie sind Sie von der Bevölkerung aufgenommen worden?

Pfleiderer: Sehr herzlich. Es wird uns gelegentlich auch ein "Dankeschön" zugeworfen. Besonders hat mich gefreut, dass die Direktorin der Schule, in der wir untergebracht sind, darum gebeten hat, dass wir uns als Mannschaft versammeln und sie uns ihren Dank aussprechen darf. Das war ein sehr rührender Moment.

Das Interview führte Florence-Anne Kälble.

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