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Loveparade-Prozess endgültig eingestellt

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Landgericht Duisburg - Loveparade-Prozess endgültig eingestellt

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Das Loveparade-Verfahren gegen drei verbliebene Angeklagte wird wie erwartet eingestellt. Damit endet der Mammutprozess um die Tragödie im Juli 2010 ohne Urteil.

Das Landgericht Duisburg hat den Prozess um das Unglück bei der Loveparade 2010 mit 21 Toten eingestellt. Bei den drei zuletzt verbliebenen Angeklagten hatte das Gericht zuvor nur eine geringe Schuld vermutet.

Eines der aufwendigsten Strafverfahren der Nachkriegszeit endet damit nach knapp zweieinhalb Jahren und 184 Sitzungstagen ohne ein Urteil.

Fehler, die zur Loveparade-Katastrophe führten

Das Landgericht benannte eine Reihe von Fehlern, die aus seiner Sicht zur Loveparade-Katastrophe geführt haben: "Die Vereinzelungsanlagen und Schleusen waren nicht auf die zu erwartenden Personenmengen ausgerichtet. Zäune führten zu zusätzlichen Engstellen", sagte Richter Mario Plein am Montag in Düsseldorf.

Der Stau vor den Vereinzelungsanlagen war absehbar.
Mario Plein

Kommunikationsprobleme hätten die Situation verschärft: Krisengespräche von Polizei und Feuerwehr seien ohne die Veranstalterin geführt worden. Die Steuerung der Personenströme sei unkoordiniert gewesen.

"Unpassende Anordnungen" der Polizei hätten die Probleme verschärft. Der Funkverkehr der Polizei sei erheblich gestört gewesen. Die Polizei habe ihre zugesagte Unterstützung bei der Schließung der überlasteten Zugänge nicht erbracht, weil ihre Kräfte anderweitig gebunden gewesen seien.

21 Menschen starben 2010 in Duisburg

In dem Prozess ging es um die tödlichen Verletzungen von 21 jungen Menschen bei einem Gedränge auf der Loveparade in Duisburg im Juli 2010. Mehr als 650 Menschen wurden verletzt. Einige leiden bis heute unter den Folgen.

Holzkreuze mit den Namen der Opfer stehen an der Gedenkstelle für die Opfer der Loveparade 2010 auf einer Treppe.
Holzkreuze mit den Namen der Opfer stehen an der Duisburger Gedenkstelle für die Opfer der Loveparade 2010.
Quelle: dpa

Wegen der vielen Beteiligten des Verfahrens war im Kongresszentrum Düsseldorf verhandelt worden. Zuletzt hatten noch drei leitende Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent auf der Anklagebank gesessen.

Sie sind mittlerweile 43, 60 und 67 Jahre alt. Die Verfahren gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und einen weiteren Lopavent-Mitarbeiter waren bereits vor über einem Jahr eingestellt worden, ebenfalls ohne Auflagen.

Corona-Einschränkungen und absehbare Verjährung

Die Anklage lautete auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung. Die Beteiligten sollen unter anderem schwere Planungsfehler begangen haben. Anfang April 2020 hatte das Landgericht die Einstellung des Verfahrens auch für die drei verbliebenen Angeklagten vorgeschlagen.

Es begründete dies unter anderem mit zu erwartenden Corona-Einschränkungen und der absehbaren Verjährung des Tötungsvorwurfs Ende Juli. Staatsanwaltschaft und die drei Angeklagten hatten zugestimmt.

Angehörige von Todesopfern sprachen sich als Nebenkläger gegen eine Einstellung aus. Ihre Zustimmung war allerdings rechtlich nicht erforderlich. Der Einstellungsbeschluss ist unanfechtbar.

Im Video: Rückblick auf die erste Loveparade am 1. Juli 1989 in Berlin

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