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Prozessauftakt im Fall Lübcke - "Ein feiges Mordverbrechen"

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In Frankfurt hat der Mordprozess um den getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke begonnen. Laut Anklage hat der Täter Stephan Ernst das Verbrechen jahrelang vorbereitet.

Bereits Stunden vor Beginn des Prozesses haben sich vor dem hessischen Oberlandesgericht in Frankfurt am Main am Dienstag lange Warteschlangen gebildet. Schon um 6 Uhr am Morgen warteten etwa 30 Journalisten und mehr als ein Dutzend Zuschauer vor dem Gerichtsgebäude auf den Einlass.

Die ersten Menschen waren nach eigenen Angaben seit der Nacht vor Ort. Wegen der Corona-Pandemie wurden die Sitzplätze im Verhandlungssaal reduziert - für Zuschauer stehen 18 Plätze zur Verfügung, für Journalisten 19.

[Alles über die mutmaßlichen Täter und die Beweislage lesen Sie hier.]

Prozess beginnt mit Antrag auf Aussetzung

Angeklagt sind Lübckes mutmaßlicher Mörder Stephan Ernst und und dessen mutmaßlicher Komplize Markus H., die als Rechtsextremisten gelten und Lübcke wegen seiner flüchtlingsfreundlichen Haltung als Opfer ausgewählt und erschossen haben sollen. Ernst muss sich als Hauptangeklagter auch wegen eines versuchten Mordes an einem Asylbewerber verantworten.

Bereits kurz nach Beginn des Prozesses forderten die Verteidiger von Ernst eine Aussetzung der Verhandlung. Zudem stellten sie einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter. Anwalt Frank Hannig begründete den Antrag auf Aussetzung der Verhandlung unter anderem damit, dass der Gesundheitsschutz wegen der Corona-Pandemie nicht gewährleistet und der Zugang der Öffentlichkeit zu dem Prozess stark eingeschränkt sei. Dennoch wurde die Anklageschrift verlesen.

Bundesanwaltschaft: Verbrechen akribisch vorbereitet

Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft hat Stephan Ernst sein Verbrechen mehrere Jahre lang akribisch vorbereitet. Er habe seinen Plan spätestens nach dem schweren Anschlag im französischen Nizza sowie den Vorkommnissen in Köln rund um den Jahreswechsel 2015/2016 gefasst, sagte Bundesanwalt Dieter Killmer. Er habe Lübcke dafür mitverantwortlich gemacht.

Ernst habe mit dem Mord ein "öffentlich beachtetes Fanal gegen die öffentliche Ordnung" setzen wollen, führte der Vertreter der Bundesanwaltschaft weiter aus. Laut Anklageschrift sammelte der Angeklagte seit der Versammlung Informationen über Lübcke und spionierte die Lebensumstände seines Opfers später vor der Tat minutiös aus. Unter anderem fuhr er mehrfach zu dessen Haus. In der Nacht vor dem Mord beobachtete er dieses von einer nahen Koppel aus mit einer Wärmebildkamera, um herauszufinden, ob sich sein Opfer auf seiner Terrasse befinde.

Der gewaltsame Tod Lübckes erschütterte Deutschland. Zum ersten Mal wird ein Politiker mutmaßlich von einem Rechtsextremisten ermordet.

Beitragslänge:
28 min
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Lübckes Familie als Nebenkläger

Die Familie von Walter Lübcke nimmt als Nebenkläger an dem Prozess teil und will damit ein Signal gegen Hass und Gewalt setzen. Die Witwe und die beiden hinterbliebenen Söhne teilten die christlichen Werte und sozialen Überzeugungen des vor gut einem Jahr getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, sagte Dirk Metz als Sprecher der Familien am Dienstagmorgen vor Prozessbeginn.

Der Anwalt der Familie, Holger Matt, sagte, die Nebenklage wolle alle Umstände der Mordtat erfahren. "Nach meiner Überzeugung handelt es sich um ein kaltblütig geplantes, heimtückisch begangenes, feiges Mordverbrechen aus übelsten Beweggründen". Das Gericht beendete nach Verlesung der Anklage den ersten Prozesstag, die Verhandlung wird an diesem Donnerstag fortgesetzt.

Walter Lübcke (CDU) war am 2. Juni erschossen worden. Archivbild

Prozess-Auftakt in Frankfurt - Was Sie über den Mord an Lübcke wissen müssen 

Heute beginnen die Verhandlungen um den gewaltsamen Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Die wichtigsten Hintergründe.

von Felix Zimmermann
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