Nach der stärksten Dürre seit vier Jahrzehnten droht in Madagaskar ein Massensterben. Das Welternährungsprogramm sieht den Klimawandel als Grund für den Hunger.
Wegen einer anhaltenden Dürre sind in Madagaskar nach Einschätzung des Welternährungsprogramms (WFP) rund 400.000 Menschen vom Hungertod bedroht. Die Lage sei dramatisch, es habe bereits Todesfälle gegeben, erklärte die zuständige Regionaldirektorin des WFP für das südliche Afrika, Lola Castro, auf einer Pressekonferenz.
Madagaskar erlebt eine seiner schwersten Hungersnöte. Vor allem Kinder sind davon betroffen.
Hungernde essen Insekten, Lehm und lose Blätter
WFP-Direktor David Beasley twitterte am Freitag, 400.000 Menschen seien "auf dem Weg in den Hungertod", 14.000 hungerten bereits und befänden sich akut in Lebensgefahr. "Wenn wir nicht so schnell wie möglich handeln, wird die Zahl der Menschen, die vom Hungertod bedroht sind, in wenigen Monaten 500.000 erreichen."
Hungernde seien dazu übergegangen, Insekten, Lehm und lose Blätter zu essen, sagt auch der in Madagaskar stationierte Landesleiter der Welthungerhilfe, Kenneth Bowen, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "So groß war hier die Not noch nie." Am meisten gefährdet seien die Kinder. Ohne massive Hilfsmaßnahmen werde sich die Zahl der akut Bedrohten binnen weniger Wochen noch einmal verdoppeln, warnte Bowen.
Die Vereinten Nationen und die Regierung von Madagaskar wollten die internationale Gemeinschaft in den kommenden Tagen offiziell um rund 155 Millionen Dollar bitten, um eine noch größere Hungersnot zu verhindern, kündigte das WFP an. Tausende Menschen hätten bereits die ländlichen Gebiete verlassen, um in kleineren und größeren Städten auf die Suche nach Nahrung zu gehen.
UN sieht Klimawandel als Grund für die Hungersnot
Der WFP-Direktor erklärte, die Lage sei nicht auf einen Krieg oder Konflikt zurückzuführen. Auslöser sei vielmehr der Klimawandel.