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Anschlag am 19. Februar 2020 - Vorentscheidung für Hanauer Mahnmal erwartet

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Vor eineinhalb Jahren starben neun Menschen bei einem rassistischen Anschlag in Hanau. Ein Mahnmal soll an sie erinnern. Wie es aussehen soll, wird noch diesen Monat entschieden.

Die Künstlerin Susanne Lorenz aus Berlin zeigt bei einer öffentlichen Präsentation ihr Modell mit dem Titel "Wir" als einen von fünf Entwürfen für ein Mahnmal, das künftig an die neun Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau erinnern soll.
Die Künstlerin Susanne Lorenz aus Berlin zeigt bei einer öffentlichen Präsentation ihr Modell mit dem Titel "Wir" als einen von fünf Entwürfen für ein Mahnmal, das künftig an die neun Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau erinnern soll.
Quelle: dpa

Erinnerungsort und Denkanstoß - noch in diesem Monat soll die Vorentscheidung für das Mahnmal fallen, mit dem die Stadt Hanau künftig der neun Opfer des rassistischen Anschlags vor eineinhalb Jahren erinnert. Am Samstag stellte die Stadt die verbliebenen fünf Entwürfe vor, die in der engen Auswahl dafür sind, und eröffnete damit auch den öffentlichen Diskurs.

Alle fünf Vorschläge seien von hoher Qualität, sagte der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). In Bildern und einem Film werden die Modelle zudem ab Sonntag im Internet zu sehen sein und ab Montag (6. September) zudem in einer Ausstellung im Kulturforum am Hanauer Freiheitsplatz.

Ein 43-jähriger Deutscher hatte am 19. Februar 2020 neun Menschen in Hanau aus rassistischen Motiven erschossen, bevor er mutmaßlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete. Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus.

Alle Entwürfe in der Auswahl tragen die Namen der Opfer

Bei dem Gestaltungswettbewerb waren insgesamt 118 Vorschläge für das
Mahnmal eingereicht worden. Ein Fachbeirat und eine Jury hatten eine Vorauswahl getroffen. Die nun vorgestellten Vorschläge stammen aus den Bereichen Bildende Kunst, Architektur, Kommunikationsdesign und Steinbildhauerei. Gemeinsam ist den fünf Entwürfen, dass sie die Namen der Getöteten tragen: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtovic, Vili Viorel Paun, Fatih Saraçoglu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov.

Dabei setzen die Künstler auf unterschiedliche Materialien, darunter neben Stein auch Edelstahl, Spiegelelemente und Glas. Die spiegelnden Eigenschaften sollten dafür sorgen, dass sich der Betrachter auch selbst sieht und deutlich machen: Es hätte jeden treffen können, der am 19. Februar 2020 zur falschen Zeit am falschen Ort war, wie der
Hanauer Kultur-Fachbereichsleiter Martin Hoppe sagte.

Was die Entwürfe aussagen sollen

Das findet sich beispielsweise im Entwurf "Bruchstücke" von Matthias Braun aus Würzburg, das auseinandergerissene Spiegelflächen und Stahl verbindet. Im Entwurf "Einschnitt" von Heiko Hünnerkopf aus Wertheim sind die Namen der Getöteten in gelasertem Edelstahl aufeinandergesetzt und in einem Halbrund angeordnet, in das der Betrachter eintreten kann. Susanne Lorenz aus Berlin setzt das Wort "WIR" aus neun Stelen zusammen, die auch Porträts und Vitae der Opfer zeigen.

Carla Mausch verfolgt mit ihrem Projekt "Der Vielfalt." einen kommunikativen Ansatz: Sie will mit Hanauer Bürgern und den Hinterbliebenen Begriffe sammeln, die für Vielfalt stehen und neun Bronzeteile gießen, die auf Steinsäulen aufgesetzt werden sollen und im Stadtgebiet ihre Plätze finden sollen. Und "9" von Stephan Quappe Steffen aus Trier soll aus farbigen Verbundglasflächen bestehen, die zu einer Neun verbunden sind.

Mahnmal soll zum zweiten Jahrestag stehen

Nach der Erörterung wollen Fachbeirat und Jury noch im September den ersten Platz küren und eine Empfehlung zur Realisierung aussprechen.

Die endgültige Entscheidung obliege danach dem Magistrat, den Ortsbeiräten und der Stadtverordnetenversammlung, hatte die Stadt mitgeteilt. Das Mahnmal soll zum zweiten Jahrestag des Anschlags am 19. Februar 2022 realisiert werden.

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