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Ex-Fußballer über Rassismus - Addo: "Der DFB hat das einfach geduldet"

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In vielen Stadien war Rassismus in den 1990ern trauriger Alltag. Ex-Profis kritisieren bei Markus Lanz, dass auch der DFB damals zu wenig dagegen unternommen habe.

Markus Lanz vom 17. Juni 2021: Markus Lanz, Serap Güler, Gerald Asamoah, Otto Addo, Patrick Owomoyela, Ewald Lienen
Serap Güler, Gerald Asamoah, Otto Addo, Patrick Owomoyela und Ewald Lienen diskutierten bei Markus Lanz.
Quelle: ZDF/Markus Hertrich

Am Donnerstagabend diskutierten Markus Lanz’ Gäste über tief verwurzelten Rassismus in Deutschland.

Die CDU-Politikerin Serap Güler, der ehemalige Fußballtrainer Ewald Lienen sowie die ehemaligen Fußballspieler Gerald Asamoah, Otto Addo und Patrick Owomoyela waren bei Markus Lanz zu Gast – letztere drei anlässlich der Dokumentation "Schwarze Adler", die Rassismus im deutschen Fußball behandelt.

Asamoah: Respekt durch Talent

Der ehemalige Fußballnationalspieler Gerald Asamoah berichtete bei Markus Lanz über seine Kindheit in Deutschland. 1990 war er aus Ghana nach Deutschland gekommen. "Der Otto-Katalog war mein Bild von Deutschland", berichtete der 42-Jährige schmunzelnd.

Doch in der Schule war Asamoah mit Rassismus konfrontiert. "Das N-Wort kannte ich gar nicht", sagte er. Mitschüler hätten ihm erklären müssen, was es bedeute. "Dann wirst du als Junge sehr aggressiv, wenn du das N-Wort hörst", verdeutlichte der derzeitige Koordinator der Lizenzspielerabteilung des FC Schalke 04 sichtlich bewegt.

Das Fußballspielen habe ihm jedoch Akzeptanz verschafft:

Auf dem Schulhof, als der Ball dazukam und ich mit ihnen gespielt habe, habe ich gemerkt: Die akzeptieren mich. Wenn Menschen merken, du kannst etwas, du hast ein Talent, eine Begabung, dann zeigen sie Respekt.
Gerald Asamoah

Reaktionen und Interviews zur ZDF-Doku "Schwarze Adler"

Beitragslänge:
7 min
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Rassismus im Fußballstadion

Am 5. Juni 1997 kam es bei einem Spiel zwischen Energie Cottbus und Hannover 96 zu Ausschreitungen: Apfelsinen wurden aufs Spielfeld geworfen, rassistische Sprechchöre waren laut zu vernehmen.

Ich fühlte mich wie im falschen Film. Der DFB hat das einfach geduldet.
Otto Addo, damals auch bei Hannover 96

Die Strukturen müssten sich ändern, so Addo. Es müsse ein massives Vorgehen gegen Rassismus im Fußball geben. Niedergeschlagen berichtete der heute 46-Jährige vom 5. Juni 1997: "Die Kinder haben mit geschrien. Das war sehr, sehr traurig."

Markus Lanz, Serap Güler, Gerald Asamoah, Otto Addo, Patrick Owomoyela, Ewlad Lienen (vl)
Die Gäste bei Markus Lanz: Serap Güler, Gerald Asamoah, Otto Addo, Patrick Owomoyela, Ewald Lienen (vl)
Quelle: ZDF/Markus Hertrich

Was löst Rassismus aus?

Der ehemalige Fußballtrainer Ewald Lienen stellte die Frage nach der Ursache für den tief verwurzelten Rassismus in Deutschland. Diese Wut, dieser Hass müsse irgendwoher kommen, so der 67-Jährige.

Der Grad der Unzufriedenheit, der Grad, sich abgehängt zu fühlen, sich ein Ventil zu suchen, hat über Jahrhunderte Geschichte, dass man immer irgendwohin schiebt, wer schuld ist.
Ex-Trainer Ewald Lienen

Dem widersprach die CDU-Politikerin Serap Güler vehement: "Das banalisiert das Ganze."

Lienen konterte: "Die gesamtgesellschaftliche Entwicklung aufgrund dessen, dass wir jahrzehntelang nur dem Gott des Geldes huldigen und alles andere außer Acht lassen, nicht zu sehen, banalisiert das Ganze."

Güler: Frage von Haltung und Anstand

"Das auf den Sozialstatus zu schieben, macht Rassismus zu einfach", sagte Güler. Menschen, denen es gut gehe, würden dennoch keine schwarzen Fußballspieler und türkischstämmige Politikerinnen wollen. "Die wollen das nicht!", so die 40-Jährige bei Markus Lanz. Güler weiter: "Es ist eine Haltungsfrage, eine Frage des Anstands."

Dem stimmte Gerald Asamoah zu: "Ich habe das Gefühl, dass die Menschen gar nicht verstehen wollen, dass uns die Sachen schmerzen, die sie von sich geben."

Das Stichwort ist Empathie. Ich als nichtschwarzer Mensch kann darüber kein Urteil fällen, ob das Wort trotzdem anwendbar sein sollte oder nicht. Ich bin nicht diejenige, die betroffen ist.
NRW-Staatssekretärin Serap Güler (CDU)
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