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Sexismus-Debatte bei Lanz - Betroffene über toxische Affären bei "Bild"

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Die Umstände des Abgangs von "Bild"-Chef Julian Reichelt haben eine neue Sexismus-Debatte entfacht. Es geht um Angst und Machtgefälle in Affären mit dem Vorgesetzten.

Über den Sturz des BILD-Chefs Julian Reichelt, Machtmissbrauch und Sexismus im Beruf sowie über die Wahlpannen in Berlin und die Aufgaben der wahrscheinlichen Ampel-Regierung

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"Deutschland hat eine neue Debatte um Sexismus und vor allen Dingen um Machtmissbrauch am Arbeitsplatz." Mit diesen Worten leitete Markus Lanz seinen Talk am Donnerstagabend ein und bezog sich dabei auf den früheren "Bild"-Chef Julian Reichelt. Der war vom Axel-Springer-Verlag am Montag von seinen Aufgaben entbunden worden.

Damit reagierte der Verlag auf einen Bericht der New York Times mit dem Titel: Sex, Lies and a Secret Payment. Zu Deutsch: Sex, Lügen und eine geheime Zahlung. Der Bericht hatte neue Vorwürfe dazu hervorgebracht, wie Reichelt sein Machtverhältnis gegenüber jungen Frauen ausgenutzt haben soll, um sie in sexuelle Beziehungen zu drängen.

Affären mit extremem Machtgefälle

In der Runde bei Lanz war nun auch eine Betroffene zu Gast: Caroline Rosales, 39 Jahre alt. In ihren 20ern hatte Rosales im Springer-Verlag gearbeitet: vier Jahre für die Berliner Zeitung B.Z. sowie als freie Journalistin für die "Bild".

Die Unternehmenskultur bezeichnete sie im Rückblick als "toxisch", Affären mit extremem Machtgefälle zwischen Chef und junger Frau seien vor zehn Jahren schon an der Tagesordnung gewesen. Und seien es auch immer noch.

"Das war furchtbar beklemmend als junge Frau", erinnerte sich Rosales. Schon bei ihrer Einstellung habe sie damals registriert, dass nicht etwa ihre Mappe mit Arbeitsproben interessant gewesen sei. Sondern: "Ich wurde für mein Aussehen eingestellt."

"Gutsherren-Mentalität" bei Vorgesetzen

Nach ihrer Anstellung habe sie dann ständig SMS und E-Mails von Kollegen und Vorgesetzten bekommen – ob verheiratet oder nicht. "Das war so ein 'ongoing stream'." Im persönlichen Umgang sprach Rosales außerdem von einer "Gutsherren-Mentalität" bei ihren Vorgesetzen. Einer der stellvertretenden Chefredakteure habe mal am Freitagabend zu ihr etwas in die Richtung gesagt: Okay Baby, jetzt gehen wir essen. Als 25-Jährige sei sie damit komplett überfordert gewesen.

Bei Markus Lanz erklären unter anderem Journalist Daniel Drepper und Journalistin Melanie Amann, was zum Fall Julian Reichelt bekannt ist.

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Die Avancen aus ihrem Arbeitsumfeld hätten schließlich zu einem anderthalbjährigen, "sehr unguten" Verhältnis zu einem ihrer Vorgesetzten geführt. Für sie sei das eine schwierige Zeit gewesen, denn sie habe lange darüber nachgedacht, wie sie das Verhältnis wieder beenden könne, ohne zur "Persona non grata" zu werden.

Stellungnahme von Matthias Döpfner

Sehr kritisch sah sie auch die Stellungnahme von Matthias Döpfner, dem Chef des Axel-Springer-Verlags. Der hatte nach Reichelts Suspendierung in einem Videostatement gesagt, dass es in dem Fall nicht etwa um sexuelle Belästigung gehe, sondern um "einvernehmliche Beziehungen" mit Mitarbeiterinnen von "Bild". Wenn man diese allerdings nicht transparent mache, so Döpfner, sei das "nicht akzeptabel".

Da weiß man gar nicht mehr so richtig, was man sagen soll. Die Schlüsse, die Herr Döpfner aus dieser Causa zieht, sind so grotesk falsch,

sagte Rosales und stockte. "Sie merken, mir fehlen die Worte." Einvernehmliche Beziehungen seien in solchen hierarchischen und autoritären Systemen überhaupt nicht möglich, sagte sie dann.

Sexismus-Debatte fortführen

Melanie Amann, Mitglied der Spiegel-Chefredaktion und ebenfalls Gast in der Runde, richtete außerdem den Blick nach vorne. So müsse der nächste Schritt in dieser Debatte sein, dass Männer auch untereinander über Sexismus sprechen. Viel zu oft sei das noch ein "Augenroll-Thema". Frauen müssten sich allein beschweren, dabei sei es "viel fruchtbarer", wenn Männer unter sich auch mal sagen würden: Dieser Spruch vorher war eine Nummer zu viel.

Auch Rosales forderte zum Abschluss noch Veränderung. Die toxischen Strukturen bei "Bild" seien längst auf dem Tisch. Nun müsse das auch Konsequenzen geben. Sie sagte: "Ich würde diesem Medienhaus wünschen, dass sie sich neu erfinden."

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