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Kardinal Marx tritt ab - Brückenbauer im Gegenwind

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Kardinal Reinhard Marx kandidiert nicht mehr als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er führte die Bischofskonferenz in unruhigen Zeiten.

Kardinal Reinhard Marx hält den Eröffnungsgottesdienst der Bischofskonferenz im Mainzer Dom, und steht mit gefalteten Händen vor den Kirchengästen
Kardinal Reinhard Marx beim Eröffnungsgottesdienst der Bischofskonferenz im Mainzer Dom.
Quelle: dpa

Es gibt viel zu tun, so Kardinal Reinhard Marx am Montag bei seiner letzten Pressekonferenz als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung in Mainz. Der 66-Jährige machte deutlich, dass er auch künftig mitreden und entscheidend eingreifen will, wenn es um die Geschicke der katholischen Kirche in Deutschland und darüber hinaus geht. Denn, so wurde Marx nicht müde zu betonen, er gehe nicht in Ruhestand.

Doch sechs Jahre an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz sind Marx genug. Als er im März 2014 in Münster in das Amt gewählt wurde, schien er am Ziel seiner Träume angekommen zu sein. Seit März 2012 war er bereits Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen in der Europäischen Union. 2013 hatte ihn Franziskus in den neunköpfigen Kardinalsrat berufen, der zum engsten Beraterkreis des Papstes zählt. 2014 machte er ihn noch zum obersten Finanzaufseher des Vatikans als Chef des neu eingerichteten Wirtschaftsrats.

Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche

Marx fand durchaus Gefallen an dieser Fülle an Macht und Verantwortung, musste allerdings auch schnell realisieren, dass er nicht allen Aufgaben in dem Maße gerecht werden konnte, wie es notwendig war. Zwar ermöglichten die römischen Posten es Marx, bei Problemen Vermittlungsarbeit zwischen Kurie und Deutschland zu betreiben und direkt mit dem Papst zu sprechen, doch die Arbeit in der Zentrale verschlang viel Zeit und Energie. Dazu kamen die herausfordernden Aufgaben in der katholischen Kirche in Deutschland, allen voran die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals.

Sehen Sie hier eine Dokumentation über den Missbrauchsskandal:

Geheime Dokumente enthüllen, wie Oberhäupter der Kirche pädophile Priester schützen, indem sie diese auf Mission in weit entfernte, beispielsweise afrikanische Länder, schicken.

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Hier, wie in vielen anderen Fragen, war es äußerst mühsam, eine einheitliche Linie in der Bischofskonferenz durchzusetzen. Noch ist unklar, ob die Bischöfe sich in dieser Woche in Mainz auf eine einheitliche Revision der Entschädigung von Opfern sexuellen Missbrauchs werden einigen können. Marx hat dies entschieden vorangetrieben. Er versuchte, in die Offensive zu gehen, als die von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie zu möglichen strukturellen Ursachen des Missbrauchs und der Vertuschung im Herbst 2018 vorgestellt wurde. Deutlich bezeichnete er die Taten als "Verbrechen". Allzu lange habe man in der Kirche weggeschaut, vertuscht und geleugnet, so Kardinal Marx bei der Präsentation der Ergebnisse.

Aufbruch auf den Synodalen Weg für mehr Reformen

Zusammen mit den katholischen Laien initiierte er den Synodalen Weg. Anfang Februar ist dieser auf zwei Jahre angelegte Prozess gestartet. An dessen Ende sollen Reformen stehen im Bereich der Sexualmoral, bei der Frage nach Partizipation und Machtverteilung in der katholischen Kirche, bei der priesterlichen Lebensform und der Rolle der Frauen in der Kirche. Marx musste sich hier, wie auch an vielen anderen Stellen gegen eine kleine aber laute Gruppe von Kritikern in der Bischofskonferenz durchsetzen. Doch der Prozess ist trotz mancher Misstöne durch eben diese Kritiker wie der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, erfolgreich gestartet. Das ist auch ein Verdienst des scheidenden Vorsitzenden.

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Die katholische Kirche am Scheideweg

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9 min
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Im Bereich der Ökumene arbeitete Marx eng mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, zusammen. Dadurch gelang es, dass das 500-Jahr-Gedenken der Reformation 2017 nicht zu einer Vertiefung der Gräben zwischen den Konfessionen führte, sondern zu einer Intensivierung der ökumenischen Bemühungen. Unter der Regie von Marx ist ein Papier in der Bischofskonferenz verabschiedet worden, das dem nichtkatholischen Partner in konfessionsverschiedenen Ehen den Kommunionempfang ermöglicht. Marx’ Kritiker haben in Rom protestiert und es in ihren Bistümern nicht umgesetzt, in den meisten Diözesen wird aber mittlerweile danach gehandelt.

Keine entscheidenden Fortschritte bei internen Reformen

Bei den internen Reformen der Bischofskonferenz, ihrer Arbeitsweise oder dem Versuch, mehr Öffentlichkeit bei den Beratungen herzustellen, konnte Marx keine entscheidenden Fortschritte erzielen. An dieser Stelle hatte sich zuletzt Kritik vor allem jüngerer Bischöfe festgemacht. Sie fordern modernere Arbeitsstrukturen und auch eine stärkere Einbindung der Gläubigen bei Beratungen. Hier überlässt Marx seinem Nachfolger eine der vielen Baustellen, von denen er bei seiner letzten Pressekonferenz als Vorsitzender am Montag in Mainz sprach.

Marx, der in seinen früheren Jahren Professor für katholische Soziallehre war, hat sich immer wieder in die gesellschaftspolitischen Debatten eingemischt. Allerdings musste er hier auch erkennen, dass die christlichen Kirchen längst nicht mehr so Gehör finden, wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Dazu kommt, dass die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche durch den Missbrauchsskandal und den Reformstau bis ins Mark erschüttert ist. Im Wissen darum, dass darunter das gesamte Engagement der katholischen Kirche leidet, setzte sich Marx für Reformen ein. Hier wird er auch künftig seine Stimme erheben, vielleicht sogar noch pointierter als bisher.

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